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CD „JAZZ.SPORS.BACH“ Triosonaten – TRIO MICHAEL SPORS, Ulrich Walther Orgel – organumclassics

18.11.2018 | cd

CD „JAZZ.SPORS.BACH“ Triosonaten – TRIO MICHAEL SPORS, Ulrich Walther Orgel – organumclassics

 

Unter den vielen, beileibe nicht immer gelungenen Bach-Bearbeitungen der letzten Zeit sticht dieses Album von Orgelmusik Johann Sebastian Bachs durch Originalität und musikalischen Entdeckergeist als funkelnder Solitär heraus.  Die sechs Triosonaten BWV 525-530 gelten „aufgrund ihrer melodischen und motorischen Energien, ihrer polyphonen und formalen Eleganz sowie ihrer Synthese aus Verdichtung und Sanglichkeit als Preziosen.“ Nicht zuletzt dürften diese spieltechnisch so anspruchsvollen Werke aus Bachs Leipziger Zeit als anspruchsvolle Übungen für die organistische Fortbildung von Bachs Lieblingssohn Wilhelm Friedemann gedacht gewesen sein. Wir haben es mit opulenten, mehrstimmig dicht vernetzten Kompositionen zu tun, die stilistisch die italienische Kammersonate mit konzertierenden Elementen einen.   

 

Auf dem Album des Michael Spors Trios wird aber nicht nur verjazzt und der Hörer so verhext, verzaubert, was das Zeug hält, sondern drei der sechs Sonaten wurden von Ulrich Walther im Original auf drei vollkommen verschiedenen Instrumenten aufgeführt. Die Sonate Nr. 5 erklingt auf einer Hammond Orgel im Sixties Sound, die Sonate Nr. 3 auf der Hildebrandt-Orgel in der evangelischen Stadtkirche St. Wenzel in Naumberg (1746) und schließlich spielte Ulrich Walther die Sonate Nr. 2 auf der Walcker-Klais Orgel in der evangelischen Stadtkirche in Ludwigsburg. Ein Mittelding der Fassungen wurde bei der Sonate in D-Moll erprobt, wo das Jazz-Trio und Ulrich Walther auf der Hammond Orgel einander trickreich die Bälle zuwerfen. Das Adagio e dolcissimo endet so ganz und gar nicht süß und die ,danse macabre‘ ist in einer aufgedrehten Dimension wie ein Echo aus weiß welcher Dimension erfahrbar. 

 

Wer sich also puren Wohlfühl-Blues à la Sonntagsbrunch Hintergrundsound erwartet, wird von dieser CD enttäuscht sein. Spors hat in seinen Bearbeitungen die Formprinzipien der Vorlage bis hin zur Zahl der Takte übernommen. Seine Freiheit ist an gezielte Prioitätensetzungen, an ein „gewichtetes Auffächern“ (Andreas Linsemann) der Partituren gebunden. Herausgekommen ist eine vergnügliche Lehrstunde nicht nur in Sachen genuiner Bach-Interpretation, sondern auch ein echtes Jazz-Album. 

 

Das Trio mit Michael Spors am Klavier, Sebastian Schuster Kontrabass und Christoph Raff am Schlagzeug schlägt rund um und in Bachs kontrapunktischem Kosmos wilde Kapriolen und unerwartete Haken wie munter improvisierende Weltraumhasen. Mag mancher Beginn noch etwas schaumgebremst aufploppen, so ist das Trio dann ganz in seinem Element, wenn es sich scheinbar von Bach am weitesten entfernt. Hier treffen einander  die pure Quintessenz von Jazz mit den schillernden Flechtsträhnen der Bachschen Triosonaten mächtig und stark in ihren jeweiligen Charakteren zu einem improvisatorischen Rausch. Eine CD mit dem Besten aus beiden Welten. Mit 81 Minuten Spielzeit noch dazu sehr viel Musik auf einer Silberscheibe.

 

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

 

 

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