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CD: JAVIER CAMARENA: SIGNOR GAËTANO – Gli originali, Riccardo Frizza

11.11.2022 | cd

CD: JAVIER CAMARENA: SIGNOR GAËTANO – Gli originali, Riccardo Frizza

Pures Vergnügen mit Sucht-Potential!

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Mit seinem neuen Album «Signor Gaetano» bestätigt Javier Camarena, dass er zu den führenden Belcanto-Tenören der Gegenwart gehört. Es begleiten ihn «Gli originali» unter musikalischer Leitung von Riccardo Frizza.

Der 1797 in Bergamo geborene Donizetti gehört zu den drei grossen Belcanto-Komponisten. Da Bellini schon früh starb und Rossini nach der Juli-Revolution keine Aufträge mehr bekam, hatte Donizetti keine grössere Konkurrenz zu befürchten – auch nicht vom jungen Verdi. Ausgebildet vom bis heute unterschätzten Giovanni Simone Mayr (1763-1845) war Donizetti in einer Zeit aktiv, als sich die Stimmlage Tenor für die männlichen Helden der Oper zu etablieren und Kastraten und Frauen in Hosenrollen zu verdrängen begann. Viele der grossen Tenöre aus Donizettis Zeit, so auch Giovanni Battista Rubini, dem er regelmässig Partien in die Kehle komponierte, stammten aus Bergamo oder Umgebung. Donizettis Kompositionen für die Tenorstimme erforderten von den Sängern und erfordern heute genauso eine grosse Beweglichkeit der Stimme, Kraft und vor allem eine unbändige «Höhenfreude». Als das hat Javier Camarena wie sein grosser Vorgänger im Überfluss zu bieten und weiss auch damit umzugehen.

Begleitet wird Camerana vom Ensemble «Gli originali» unter musikalischer Leitung von Riccardo Frizza. Das Orchester wurde 2017, zum 200. Jubiläum von Donizettis Debut als Komponist («Pigmalione», 1817), vom künstlerischen Direktor des Donizetti-Festivals in Bergamo, Riccardo Frizza, gegründet. Die Werke Donizettis sollen historisch informiert, das heisst hier unter besonderer Berücksichtigung von Klang, Klangfarben und Balance zwischen Orchester und Solisten, aufgeführt werden. Denn in jenen Jahren änderte sich nicht nur der Klang auf der Bühne, sondern auch der im Graben.

Camarena und Frizza haben für die CD ein Programm zusammengestellt, das Bekanntes («L’elisir d’amore», «Roberto Devereux», «Don Pasquale») wie Unbekanntes («Betly», «Maria de Rudenz», «Il giovedi grasso», «Marino Faliero», «Caterina Cornaro», «Rosmonda d’Inghilterra») enthält, die Charakteristika von Donizettis Kompositionen herausstellt und Camarena natürlich Gelegenheit bietet seine Stimme zu präsentieren.

Camarenas Tenor ist eine Ausnahme-Stimme und fasziniert durch ihr Strahlen, ihre Natürlichkeit und ihre absolute Musikalität. Die Stimme hat, durch perfekte Technik und entsprechende Atem-Reserven, eine grosse Kraft, die aber nie protzig, sondern immer im Dienste des Stücks eingesetzt wird. Besonders schön zu hören ist dies in «Talor nel mio delirio» aus «Maria de Rudenz» (1838). Beweglich ist die Stimme, so in «Ah! … È desso cospetto … E fia ver tu mia sarai» aus «Betly» (1836) nachzuprüfen, natürlich auch. Und dafür, das Camarena eine absoluter «Höhentiger» («Quest’è l’ora» aus «Marino Faliero» 1835) mit grossem Stilbewusstsein (Verzierungen!) ist, steht jeder Track der Silberscheibe.

Pures Vergnügen mit Sucht-Potential!

11.11.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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