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CD HOURGLASS – SIMONE DINNERSTEIN und BAROKLYN mit einem Philip Glass Programm; naïve

08.06.2026 | cd

CD HOURGLASS – SIMONE DINNERSTEIN und BAROKLYN mit einem Philip Glass Programm; naïve

TIROL CONCERTO für Klavier und Orchester, Suite aus „THE HOURS“

hour

„Auf ewig die Jahre zwischen uns. Auf ewig die Jahre. Auf ewig die Liebe. Auf ewig: die Stunden.“ Brief von Virgina Wolf an ihren Mann

Philip Glass ist jener famose US-amerikanische Komponist, der zusammen mit Steve Reich & Co die Minimal Music begründete. Eine Bewegung, die in bewusster Abkehr von und als Gegenbewegung zur seriellen Musik vorwiegend auf einfache Akkorde und Arpeggien setzte. Der Ursprung der von kreisenden Mustern und repetitiven, harmonisch sich unmerklich entwickelnden Themen geprägten Melodik lag in der indischen Musik. Dazu gesellten sich Polyphones in bisweilen komplex, rhythmisch übereinander geschichteten Stimmen.

Kein Wunder, dass diese in ihrer Eingängigkeit und doch immensen Wandlungsfähigkeit bestrickenden Klänge samt ihrer nicht selten hypnotischen bis berauschenden Wirkung Eingang in breitenwirksame Medien, in Werbung oder die Welt des Films fanden.

Unter den zahlreichen Filmmusiken, die Glass schuf, zählt diejenige zu „The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ des Regisseurs Stephen Daldry, basierend auf Michael Cunninghams Roman „Die Stunden“ zu den populärsten. In den USA kam er am 15. Dezember 2002 in die Kinos. Der Streifen, der jeweils einen Tag der drei Protagonistinnen Virginia Wolf (Nicole Kidman), der Leserin des Romans „Mrs. Dalloway“, Laura Brown (Julianne Moore) sowie Clarissa Vaughan (Meryl Streep) 1923, 1951 und 2001 zeigt, hat als Grundtenor das Gefangensein in selbst gezimmerten, engen Strukturen.

Bewegt sich der Ausdruck der von Michael Riesman arrangierten dreisätzigen Suite aus „The Hours“ für Klavier und Streichorchester (plus Celesta und Harfe) dem Sujet von Selbstmordgedanken versus Hoffnung/Pläne auf die Zukunft in einem emotional eher meditativen, das Melancholische kaum sprengenden Rahmen, so überrascht das „Tiroler Konzert“ vor allem in den Ecksätzen mit einer stürmischeren, bewegteren Gangart.

Im ersten und dritten Satz, zurückgreifend u.a. auf das Tiroler Kirchenlied „Maria! Hilf mir doch!“, ist dieses Klavierkonzert im Auftrag des Festivals Klangspuren mit Unterstützung des Stuttgarter Kammerorchesters geschrieben worden. Die Premiere fand am 22.9.2000 statt. Der zweite Satz darf den Studien von Wilhelm Delport gemäß als Erweiterung von ‚Raising the Sail‘ aus dem Film „The Truman Show“ aufgefasst werden.

Wie die Pianistin und die musikalische Leiterin des Albums, Simone Dinnerstein, betont, haben die hier eingespielten Werke nichts elektronisch Mechanisches, zumal das Anschwellen und Abflauen der einzelnen Stimmen ganz organisch aus dem vitalen, nie völlig gleichförmigen Puls und Atem der interkommunzierenden Musikerinnen und Musiker erfließt, zumal auch die linke und rechte Hand der Pianistin ein Eigenleben führen darf.

Speziell der dritte, jazzig lebenssprühende und alpenforsch inszenierte Satz dieses Tiroler Klavierkonzerts begeistert. Wieder einmal wird mit festgefahrenen Ansichten aufgeräumt, minimal music müsse esoterisch, einfach gestrickt oder mystisch grundiert sein. Nix da! Baroklyn und Simone Dinnerstein wissen die Funken temperamentvoll zum Glühen zu bringen.

Nicht nur Tiroler mögen sich von diesem musikantisch sanft wogenden bis deftigen Album angesprochen fühlen!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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