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CD: HOMAGE TO HEIFETZ – MARIA DUENAS spielt Werke von Korngold, Lalo, Debussy und Ponce; Deutsche Grammophon

30.08.2026 | cd

CD HOMAGE TO HEIFETZ – MARIA DUENAS spielt Werke von Korngold, Lalo, Debussy und Ponce; Deutsche Grammophon

Wien-Paris-Hollywood: Schalk, Nostalgie, Cinemascope-Überwätligung sowie Hispano-Folklore in saftigem Sound

duen

Eigentlich war es der Geiger Pablo de Sarasate, für den der französische Komponist mit mütterlicherseits spanischen Wurzeln Edouard Lalo seine „Symphonie espagnole“, op. 21 schrieb. Erich Wolfgang Korngold wiederum ließ sich von Bronislaw Huberman zu seinem in den späten dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entstandenen, 1945 revidierten und seiner kalifornischen Exilfreundin Alma Mahler-Werfel gewidmeten Violinkonzert in D-Dur, op. 35, verführen.  

Auch wenn Korngold meinte, beim Schreiben eher Caruso als Paganini im Blick gehabt zu habe, war es der in Vilnius geborene und 1925 in die USA eingebürgerte Jascha Heifetz, der Korngolds dreisätziges Violinkonzert in St. Louis 1947 mit dem Saint Louis Symphony Orchestra unter der musikalischen Leitung von Vladimir Golschmann aus der Taufe hob.

Die legendäre RCA-Aufnahme mit den Los Angeles Philharmonic unter Alfred Wallenstein trug zur Popularität des heute kultigen Konzerts bei. Denn Heifetz verzichtete in seiner mit schlankem, tänzerisch elastischem Ton gespielten Referenzinterpretation auf jede naheliegende Überempfindsamkeit ebenso wie auf ein schnulziges Vibrato.

Heifetz wusste vielmehr um den gewissen spätromantisch-wienerischen Tonfall, der dieses originelle wie eingängige Konzert von so manch musikalischen Retortenbabies der Filmindustrie essentiell unterscheidet. Mit ungemein kantabler Phrasierung, betörender Eleganz, flexibler Tonformung und technischer Bravour machte er sich an Korngolds aus lang fließenden Melodien überwiegend vergessener Filme (Another Dawn, Juarez, Anthony Adverse sowie der Mark Twainschen Verwechslungskomödie The Prince and the Pauper) destilliertem Klangtraumzauber in pompös bis ironischer Hollywoodmanier.

Natürlich haben sich seit der Aufnahme stilistisch übermäßige Portamenti in der Violinkunst ebenso abgeschliffen wie im Opern- und Liedgesang. Heifetz feierte auf seine Art den feinen Humor und ausgelassen koboldisch die Aberwitzigkeit des Lebens. In kleinstziselierten Klangnuancen und bis in den Horizont gedachten Spannungsbögen behauptete dieser Gigant sein zeitlos gültiges Musikantentum.

Das Ergebnis ist spektakulär klangsensibel und kultiviert. Ebenso trumpfte Heifetz ohne Fingerzeig akrobatisch virtuos in seiner nicht minder unaufgeregt souveränen Einspielung von Lalos „Symphonie espagnole“, op. 21, mit den Los Angeles Philharmonic auf. Damals wurden beide Stücke von RCA Victor auf derselben Platte gekoppelt.

Die junge spanische Geigerin María Dueñas (Fernández) nimmt sich nun in ihrer „Homage to Heifetz“ den vor allem wegen der Wärme und Ehrlichkeit des Klangs zum Idol erhobenen, genial virtuosen Vorgänger gleich doppelt zum Vorbild. Nämlich als Meister der technischen Disziplin, der strukturellen Durchdringung und klar konturierten wie süffigen Klangrede, zudem programmatisch mittels Wahl derselben Stücke, die Heifetz und sein Verlag einst künstlerisch gegenüberstellten.

Dabei erweist sich als der eigentliche gesamthaft-künstlerische Vergleichsmaßstab für Dueñas in Bezug auf das Violinkonzert von Korngold aufgrund der klangtechnisch angegrauten, über 70 Jahre alten, und was die Leistung des Orchesters anlangt, nicht mehr konkurrenzfähigen RCA-Platte die ebenfalls bei der Deutschen Grammophon erschienene Produktion mit Gil Shaham als Solisten und dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von André Previn aus dem Jahr 1994. Der US-amerikanische Musikkritiker Dave Hurwitz bezeichnet auf seinem skurril funny „Ultimate Classical Music Guide“ die nun auch schon 30- Jahre alte Aufnahme sogar als eine der „greatest recordings ever“.

Nun, María Dueñas geht unbeschadet aller äußeren Inspiration unbeirrt ihren eigenen Weg. Sie legt eine leidenschaftliche Lesart beider Bravourstücke vor. Ihr waches, auf Binnenspannung und eine kontrastvoll ausgehorchte Dramaturgie ausgelegtes Spiel eint genießerischen Wohllaut und feuriges Temperament. Mit kurzem Vibrato agiert Dueñas dynamisch und artikulatorisch behände bei all diesen verrückten Korngoldschen Geigenstunts in Form von Springbogentechniken, Spiccati, Ricochets bis zu Flageolets und Doppelgriffen. Charaktervoll bis in die Fingerspitzen, jongliert María Dueñas innerhalb der Sätze des Korngold-Konzerts, besonders im Moderato nobile und im Allegro assai vivace des Finales, mit variablen Valeurs, irisierenden Farben als auch mikroartikulatorischen Finessen. Ihr Spiel ist weniger erwartbar als das ihrer berühmten Vorgänger, imitatorisch ist es nie. Die emotionale Abstufung zwischen der fragil in sich bebenden Romanze und dem spritzigen und in großem Ton effektvoll servierten Kehraus ist enorm.

Und Lalos Einfälle – die fast schon absurd anspruchsvollen Vertracktheiten des Soloparts – absolviert die gerade einmal 23 Jahre junge Geigerin mit gelenkigem Biss und großzügig unbekümmerter Tonspachtelei.

Dass Gustavo Dudamel mit seinem begeisterungsfähigen Simón Bolívar Symphony Orchestra und María Dueñas besonders bei Edouard Lalos fünfsätzigem Hybrid aus Symphonie, Konzert und pseudoiberischer Volkstümlichkeit (immerhin bedient sich das Intermezzo den Rhythmen einer Habanera) aus dem Jahr 1875 ein Herz und eine Seele bilden, war abzusehen. Da darf besonders das Blech mit geschwellter Brust zeigen, wie glänzend es aufzuspielen vermag. María Dueñas gibt sich der Vorlage entsprechend kantiger und expressiver, im positiven Sinn launischer. San Sebastian und Biarritz, urwüchsig gewürzt und atlantisch royal. Bei Korngold stehen für Dudamel und sein Orchester Hollywood und die ganze Trickküche der Effekte eindeutig im Vordergrund vor altwienerischem Raffinement.

 Als fruchtige Drüberstreuer verwöhnt uns María Dueñas mit einer Bearbeitung von Claude Debussys „La fille aux cheveux de lin“ für Violine und Orchester sowie „La plus que lente“ für Violine und Klavier desselben Komponisten. Den Dessertabschluss bildet das Lied „Estrellita“ (=kleiner Stern) des Mexikaners Manuel Ponce in einem Arrangement für Violine und Klavier, das selbstverständlich auch Jascha Heifetz gerne in seine Programme aufnahm. Als Partner erfreut der wie Heifetz in Vilnius geborene Pianist Itamar Golan.

Die Aufnahme der Orchesterwerke in den Abbey Road Studios ist in nur zwei Tagen entstanden. Die Intensität der genutzten Zeit, aber auch das sich gegenseitig anstachelnde Miteinander von Solistin, Orchester und Dirigent erweisen sich als ein atmosphärischer Glücksfall. So fügen sich lockere Unterhaltung, luxuriös aufgefächerter Klangfarbenrausch, solistische Akrobatik, Wagemut als auch breitwandtaugliche Opulenz zum passionierten Stelldichein.  Nach den Alben „Beethoven and Beyond“ sowie den „24 Paganini Caprices“ ist María Dueñas ein weiterer Coup gelungen.

Überzeugen Sie sich doch selbst: Allegro non troppo aus Lalos „Symphonie espagnole“

https://youtu.be/8aD_ynXxeGU?is=cC6_C6pHKT7F0woK

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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