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CD „HISTORY of the RUSSIAN PIANO TRIO“ Vol. 5, das BRAHMS TRIO spielt Werke von VLADIMIR DYCK, CONSTANTIN von STERNBERG und SERGEY YOUFEROV; Naxos 

08.08.2021 | cd

CD „HISTORY of the RUSSIAN PIANO TRIO“ Vol. 5, das BRAHMS TRIO spielt Werke von VLADIMIR DYCK, CONSTANTIN von STERNBERG und SERGEY YOUFEROV; Naxos 

 

Abschluss der 5-teiligen Serie über das reichhaltige Klaviertrioschaffen aus dem Russland vor 1917 stammender Komponisten; Weltersteinspielungen

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Die letzte CD der Klaviertrioentdeckungsfahrt des Brahms Trios über russische Lande ist eine Fundgrube für Raritätensammler. Waren schon in den bisher veröffentlichten Alben selten gespielte Klaviertrios von Alyabiev, Glinka, Pabst, Rubinstein, Arensky oder Tanejev zu entdecken, so haben wir nun Gelegenheit, neue Facetten dieser schönen Kammermusikgattung rund um die Jahre 1910 bis 1912 aufzuspüren.  

 

Vladimir Dyck, aus Odessa gebürtig, hat sein Klaviertrio in C-Dur seinem Harmonielehrer im Pariser Konservatorium Antoine Taudou gewidmet. Dyck studierte zudem beim Organisten Charles-Marie Widor Komposition. 1910 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. 1911 gewann der den Prix de Rome. Dyck lebte von seinen Einnahmen als Klavierlehrer. Schließlich heiratete er eine seiner letzten Schülerinnen, Suzanne Bloch. In seinen Werken verarbeitete er jüdische Folklore, 1933 gründete Vladimir Dyck gemeinsam mit Léon Algazi einen Verlag, der sich um die Musik jüdischer Komponisten kümmerte. 1943 kamen er und seine Familie in Auschwitz ums Leben. 

 

Im ersten Satz des Klaviertrios in C-Dur Op. 25 wandeln sich dramatisch aufgewühlte Seelenstürme zu Verzweiflung, bevor sie in entschlossene Grandezza münden. Spannung zum Zerreissen. Das sanglich lyrische Scherzo mit der duftigen Pizzicato-Einleitung der Streicher bildet dazu den denkbar größten Kontrast. Mit einer Neigung zu melodramatischer Eleganz und salonhaft melodischer Gestik führt es über zu einem nostalgisch sich verzehrenden Andante sostenuto. Das hin- und mitreissende Werk schließt mit einem temperamentvollen Allegro con brio, in dem das Brahms Trio wieder einmal alle Vorzüge seines hohen künstlerischen Stellenwerts einbringen kann. Das sind etwa das prächtige Chiaroscuro der Farben, die animierten „Ballwechsel“ zwischen Klavier, Violine und Cello, und nicht zuletzt die tiefe und kompromisslose Emotionalität. Wahrhaftigkeit im Ausdruck hat bei Nikolai Sachenko (Violine), Kirill Rodin (Cello) und vor allem bei der fantastischen Natalia Rubinstein (Klavier) immer Vorrang vor purem Schönklang. 

 

Der St. Petersburger Constantin Ivanovich von Sternberg hatte deutsche Eltern. Er studierte Klavier bei Ignaz Moscheles in Leipzig, bei Friedrich Wieck in Dresden und bei Theodor Kullak in Berlin. Um das Kleeblatt voll zu machen, verschlug es ihn auch nach Weimar zu Franz Liszt, um seine Ausbildung abzurunden. Kein Wunder, dass von Sternberg Konzertpianist wurde und durch einige europäische Länder inkl. Russland tourte. Nach Konzerten in den USA, wohin er schließlich emigrierte, wurde von Sternberg Direktor am College of Music in Atlanta. In Philadelphia, wo er 1924 starb, gründete er die Sternberg School of Music.

 

Sein dreisätziges Klaviertrio Nr. 3 in C-Dur dauert insgesamt nur 14 Minuten. Der dritte Satz gibt mit der Bezeichnung „Allegro con umore“ die unbeschwerte Stimmung des klassisch konzipierten Stücks an. Im zweiten Satz „Tema con variazioni“ übt sich von Sternberg augenzwinkernd kontrapunktisch, später spielt er sogar mit einem österreichischen Ländler. Das Werk klingt mit einem flotten Rondo aus. Wie schon gesagt: „con umore“. 

 

Sergey Youferov wurde wie Vladimir Dyck in Odessa geboren. Anders als Dyck studierte Youferov in St. Petersburg, und zwar bei Glazunov und Klenovsky. Daneben war Youferov auch promovierter Jurist, der sich nicht zuletzt als Spezialist in Sachen Copyright auszeichnete. Ein in jeder Hinsucht bedeutender Mann der damaligen Zeit.

 

Sein vielfältiges Werk umfasst drei Opern, Instrumentalmusik, Konzerte, Kammermusik und Stücke für Klavier solo. Das große Klaviertrio in c-Moll, Op. 52, erinnert vom dramatischen Duktus und der ganz eigenen melodisch-harmonischen Gangart ein wenig an Tchaikovsky. Die überschwänglich alle Sinne umarmende Musik offenbart eine verblüffende kompositorische Meisterschaft.

 

Das 1990 von Natalia Rubinstein gegründete russische Brahms Trio setzt sich mit aller Intensität für die drei bislang unbekannten Klaviertrios von Komponisten ein, deren Lebensgeschichten und Schaffen mit der Russischen Revolution ins Nichts versank. Das Trio entreisst damit wunderbare Musik dem so tragischen Schweigen des Vergessens. Alle drei Stücke wurden mehr als hundert Jahre nicht mehr gespielt. Jetzt kann ein aufpolierter Stein russischer Musikgeschichte wieder in vollem Glanz bestaunt werden. 

 

Vom Repertoirewert und der Interpretation her verdient dieses Album 5 Sterne.

 

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

 

 

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