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CD: Héritage Sebastian Berner, Trompete hr-Sinfonieorchester Elias Grandy, musikalische Leitung Channel Classics, CCS49826

30.03.2026 | cd

Sebastian Berner malt mit goldenen Klängen ein Kaleidoskop der französischen Moderne

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Es gibt Momente, in denen man meint, das Repertoire für Trompete und Orchester schon gut zu kennen – bis eine neue Aufnahme das Gegenteil beweist. Das Label Channel Classics, bekannt für seine sorgfältige Klanggestaltung, veröffentlicht mit Sebastian Berners neuer CD eine interessante Zusammenstellung französischer und belgischer Werke aus dem Übergang von Spätromantik zur Moderne.

Berner, seit 2022 Preisträger des Maurice-André-Wettbewerbs und Solotrompeter des hr-Sinfonieorchesters, zeigt sich hier als technisch versierter und gestalterisch aufmerksamer Solist. Gemeinsam mit dem hr-Sinfonieorchester unter Elias Grandy entsteht eine Aufnahme, die das Programm mit klarer Linienführung und guter Balance präsentiert.

Den Auftakt bildet Henri Tomasis Trompetenkonzert von 1948, ein etabliertes Werk der Literatur. Berner beginnt selbstbewusst und modelliert die Phrasen mit Schärfe und Eleganz. Die folgende Nocturne gewinnt durch warme Holzbläser und dezente Harfenklänge an nächtlichem Charme, bevor das abschließende Allegro in eine lebhafte, virtuose Sprunghaftigkeit wechselt. Auch in schnellen Passagen bleibt Berners Ton rund und kontrolliert. Das Orchester unter Grandy begleitet präzise und mit spürbarem Rhythmusgefühl.

Besonders reizvoll ist die Einspielung von Joseph Jongens Concertino op. 41 aus dem Jahr 1913. Das Werk, das auf den Konzertpodien eher selten zu hören ist, erhält hier eine überzeugende Darstellung. Berners Trompete steigt klar und kantabel aus den Streicherwellen empor; der Mittelsatz singt natürlich, das Finale wirkt keck und lebensfroh.

Eine echte Rarität folgt mit dem Trompetenkonzert von Léon Stekke, einem Schüler Jongens. Die Aufnahme des im Juli 1937 entstandenen Werks ist eine Welterstaufnahme. Der erste Satz strahlt hell, der zweite nimmt mit Dämpfer eine jazzig-rauchige Wendung. Das derbe, rhythmisch sprunghafte Finale rundet das Stück ab.

Florent Schmitts Suite in drei Teilen (ursprünglich für Flöte, in der Orchesterfassung 1956 von Maurice André uraufgeführt) zeigt eine modernere Tonsprache mit springenden Rhythmen. Der Mittelsatz besticht durch eine schimmernde, etwas mysteriöse Atmosphäre, die Grandy und das Orchester transparent herausarbeiten. Im Finale entsteht ein lebendiges Wechselspiel zwischen Solist und Orchestergruppen. Die Aufnahmetechnik von Channel Classics sorgt für gute Durchhörbarkeit und lässt die Details der Partitur klar hervortreten.

Den Abschluss bilden Charles Koechlins Les Chants de Kervéléan in der Transkription von Robert Orlidge – ebenfalls eine Welterstaufnahme. Koechlin entwirft hier eine eigene, intensive Klangwelt. Berner spielt mit intensivem, schwebendem Ton über den Streicherakkorden; im Zusammenspiel mit der Solo-Flöte entsteht eine ruhige, an Debussy erinnernde Stimmung, die aber eine ganz eigene Note behält.

Insgesamt präsentiert Sebastian Berner die Werke mit solider Technik und gestalterischer Aufmerksamkeit für Nuancen. Elias Grandy führt das hr-Sinfonieorchester aufmerksam und mit klarem Profil; besonders die Holzbläser steuern feine solistische Beiträge bei. Die Aufnahme bietet eine lohnende Erweiterung des Trompetenrepertoires um seltene und bisher unveröffentlichte Stücke.

Dirk Schauß, im März 2026

Héritage

Sebastian Berner, Trompete

hr-Sinfonieorchester

Elias Grandy, musikalische Leitung

Channel Classics, CCS49826

 

 

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