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CD HAYDN’S WORLD VOL: 1 – JOHANNES KLUMPP dirigiert die Heidelberger Sinfoniker; hänssler classic

05.11.2025 | cd

CD HAYDN’S WORLD VOL: 1 – JOHANNES KLUMPP dirigiert die Heidelberger Sinfoniker; hänssler classic

Freudvoller Start einer vielversprechenden Serie

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Über 25 Jahre ist es her, dass Thomas Fey mit den Heidelberger Sinfonikern die Einspielung sämtlicher Symphonien von Joseph Haydn in Angriff nahm. Johannes Klumpp, seit 2020 Chefdirigent des auf die Wiener Klassik spezialisierten, auf modernen Instrumenten spielenden Klangkörpers, übernahm und vollendete – u.a. boten dazu Lockdowns die unfreiwilligen, aber gut genutzten Gelegenheiten – den Zyklus 2023. Für seine musikalisch überzeugende Arbeit (ein Drittel aller Symphonien konnte er in Rekordzeit aufnehmen) wurde Klumpp mit dem Opus Klassik 2025 als „beste symphonische Einspielung des Jahres“ ausgezeichnet.

Die für ihre sprühende Lebendigkeit und Haydnsche Ungezügeltheit in Sachen symphonisch-experimenteller Achterbahn und bestechenden Humor gelobte Gesamteinspielung ist seit November 2024 auf 36 CDs beim Label hänssler zu einem überaus vernünftigen Preis verfügbar. Selbstverständlich sind in die Interpretation die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis bez. Artikulation, Bogenstrich etc. eingeflossen. Dies angenehmerweise ohne jeglichen akademischen Fingerzeit, ohne übertriebene Schroffheit oder spaghettidünnem Streicherklang, sondern in einer fast schon unverschämten Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit, nur dieser Musik, ihrer innovativen Vielfalt und spontan wirkenden Faszination verpflichtet.

Zur Freude aller Begeisterten oder für diejenigen, die es noch werden wollen, geht die erfolgreich begonnene Erkundungsreise nun mit „Haydns Welt“, Vol. 1 weiter. Da sollen künstlerische Bande und Querverbindungen von Haydn zu anderen zeitgenössischen Kompositionen des ausgehenden 18. Jahrhunderts aufgezeigt und erlebbar gemacht werden. Thematisch ist man bei diesem vorläufig auf fünf Alben verteilten Projekt besonders an Haydns Aufenthalten in England und der damit verbundenen musikhistorischen Strahlkraft interessiert. Im Unterschied zum rein symphonischen Zyklus der Haydn-Symphonien, ist beabsichtigt, auch Konzerte und Vokalwerke zu präsentieren, einige davon als Ersteinspielung.

Mit der Serie wird der böhmische Komponist und Geiger Adalbert Gyrowetz vor den Vorhang gebeten, der Haydn 1791/92 in London kennenlernte und auf dem vorliegenden Album mit seiner 1792 in den Hanover Square Rooms des Impresarios Salomon uraufgeführten „Sinfonia concertante“, Op. 34, zu Ton kommt. Als Soloinstrumente des handkussgalanten, in einem tänzerisch beschwingten Rondo kulminierenden Stücks fungieren Violine, Cello, Flöte, Oboe und Fagott. 1793 übersiedelte Gyrowetz nach Wien, wo er die Funktion eines Hoftheater-Kapellmeisters (1804 bis 1831) bekleidete. Heute erinnern wahrscheinlich mehr als sein fruchtbares, kaum noch aufgeführtes Oeuvre (darunter 60 Sinfonien, Opern, Kammermusik) eine nach ihm benannte Gasse im 14. Bezirk und die letzte Ruhestätte im Gräberhain des Währingerparks an ihn. Auf Tonträgern können immerhin einige seiner Symphonien, Konzerte, Quartette, Trios gehört werden.

Von Joseph Haydn selbst erklingt das dreisätzige Notturno in C-Dur, Hob. II:32 mit Orgelleier-Würze, das König Ferdinand IV. von Neapel in Auftrag gab. Zudem die flotte Ouvertüre zur nie vollendeten, für das King’s Theatre am Haymarket in London geplanten Oper „L’anima del filosofo“. Aus Anlass der schließlich behördlich vereitelten Wiedereröffnung des nach einem Brand zerstörten Hauses sollte neben Haydns erwähnter Oper auch Giovanni Paisiellos bereits 1787 am Teatro San Carlo in Neapel aus der Taufe gehobene Dramma Serio Per Musica „Pirro“ erklingen. Dessen Ouvertüre im typisch neapolitanisch moussierenden Stil ist auf dem Album als Weltersteinspielung zu hören.

Den in höfischer Pracht elegant bis temperamentvoll aufspielenden Heidelberger Sinfonikern unter der müde Lebensgeister weckenden wie animierenden musikalischen Leitung von Johannes Klumpp ist ein weiterer Coup gelungen. Die einzige Einschränkung betrifft die auf 46 Minuten limitierte Spielzeit des Albums. Hoffentlich werden wir in Vol. 2 aus „Haydns Welt“ auf demselben gediegenen künstlerischen Niveau auch zeitmengenmäßig wieder satt. Ich bin mir sicher, dass der mit der Recherche und der sinnstiftenden Gestaltung des Programms beauftragte Musikwissenschaftler und Dirigent Dr. Timo Jouko Hermann, Co-Autor des Booklet Beitrags, allerlei lustvolle Vorschläge dafür parat hätte.

Fazit: Ein leuchtendes musikalisches Farbenfeuerwerk passend zum herbstlichen Naturschauspiel. So gschmackig und knackig wie der Biss in einen roten Apfel.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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