Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

CD: HAYDN 2032, VOL. 10: LES HEURES DU JOUR – Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

20.07.2021 | cd

CD: HAYDN 2032, VOL. 10: LES HEURES DU JOUR – Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini

Purer Genuss

hay

Die zehnte Folge des Projekts «Haydn 2032» widmet sich des Meisters Triptychon über die Tageszeiten, den Sinfonien Nr. 6 in D-Dur (HOB.I:6 «Le matin»), Nr. 7 in C-Dur (HOB.I:7 «Le midi») und Nr. 8 in G-Dur (HOB.I:8 «Le soir»). Mozarts Serenade No.6 in D-Dur (KV 239, «Serenata Notturna») ergänzt das Programm der CD.

Haydn dürfte den Auftrag zum Triptychon kurz nach seiner Ernennung zum Vize-Kapellmeister in Esterházy direkt von seinem Dienstherrn Fürst Paul II. Anton Esterházy de Galantha erhalten haben. Daruf weist das Zitat der damals populären Melodie „Je n’aimais pas le tabac beaucoup“ aus Glucks Opéra comique «Le Diable à quatre» im Kopfsatz der Sinfonie Nr. 8« Le soir» hin. Inspiration zum Auftrag dürften für Paul II. Anton, der sich schon an der Universität von Leiden mit der Sternenkunde beschäftigte, das astronomische Ereignis der Venus-Passage vom 6. Juni 1761 gewesen sein. Das Programm des Triptychon war, so vermutet die amerikanische Musikwissenschaftlerin Elaine Sisman, der Stand des Licht und Wärme spendenden Himmelskörpers, am Morgen, zu Mittag und am Abend. Haydn beschreibt in seiner Musik entsprechend den morgendlichen Wekruf der Flöte, die schattigen Haine der Mittagspause und die Schönheit des Sonnenuntergangs am reinen Horizont nach dem abendlichen Gewitter.

Mozarts „Serenata notturna“ KV 239 wurde lange Zeit auf Grund eines Leopold Mozart zugeschriebenen Datierungsvermerk als «Freiluft-Musik zur falschen Jahreszeit», mit Bezug auf die Besetzung als Kammermusik zum Jahreswechsel angesehen. Neuere Forschungen verorten die Serenade in den Bereich der seinerzeit im Salzburger Rathaus am Kranzlmarkt veranstalteten Redouten und Maskenbälle und sehen, entsprechend dem Bericht des Hofrats Ferdinand von Schidenhofen vom 14. Februar 1776, das Stück als Parodie auf die Anwerbung von Freiwilligen zur Teilnahme am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die ungewöhnliche Ensemblebesetzung wie auch die überraschende Satzfolge (Marcia, Maestoso – Menuetto – Trio – Rondeau, Allegretto) würden bestens dazu passen.

Il Giardino Armonico musiziert unter Leitung von Giovanni Antonini ausgesprochen pointiert, saftig-kraftvoll und lebendig und macht die Aufnahme zu puren Genuss.

18.07.2021, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken