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CD: HAYDN 2032 Nr. 17 „PER IL LUIGI“ – GIOVANNI ANTONINI dirigiert das Kammerorchester Basel; alpha

06.08.2025 | cd

CD HAYDN 2032 Nr. 17 „PER IL LUIGI“ – GIOVANNI ANTONINI dirigiert das Kammerorchester Basel; alpha

„Gemacht für Alois“

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Die Joseph Haydn Stiftung Basel hat Großes vor: Bis zum 300. Geburtstag von Joseph Haydn am 31. März 2032 will sie gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel bzw. Antoninis eigenem Ensemble Il Giardino Armonico alle 107 Symphonien des burgenländischen Meisters auf historischen Instrumenten, in originaltreuer Besetzung und historischer Stimmung 430 Hz aufführen bzw. für Tonträger einspielen.

Auf CD und etwas zeitverschoben – dem diesfalls guten Gegenwartsgeist entsprechend – auch auf Vinyl erscheinen nun mit Vol. 17 unter dem thematischen Überbegriff „Per Il Luigi“ die Symphonien Nr. 36 in Es-Dur, Nr. 16 in B-Dur und Nr. 13 in D-Dur sowie das Violinkonzert Nr. 1 in C-Dur (Solist: Dmitry Smirnov) in einem Album.

Das Violinkonzert hat sich nicht einfach in das Programm geschwindelt, sondern es ist die erklärte Absicht der Produzenten, Verbindungen zwischen den Symphonien Haydns zu einigen seiner übrigen Werke als auch zu Stücken anderer Komponisten wie Gluck, W. F. Bach, Mozart bis zu Bartók aufzuzeigen bzw. dorthin „Brücken zu schlagen“.

Mit der Widmung „Per Il Luigi“ zollt das Album dem italienischen Geiger Luigi Tomasini Tribut, der in der esterházyschen Hofkapelle nicht nur einen hervorragenden Rang als Konzertmeister bekleidete, sondern dem Komponisten, wie der Cellist Joseph Weigl und der Flötist Franz Sigl, seelenverwandtschaftlich besonders eng verbunden war. Zudem überantwortete Haydn seinen Lieblingsmusikern solistische Passagen, wie dies etwa anhand der Symphonie Nr. 36 in Es-Dur freudvoll nachgehört werden kann.

Das Violinkonzert in C-Dur, „fatto per il Luigi“, war für das immense technische wie musikalische Können des aus Pesaro stammenden Geigenvirtuosen Luigi (=Alois) Tomasini wie maßgeschneidert. Wer dem fantastischen jungen russischen Geiger Dmitry Smirnov zuhört, der kann sich den schwungvollen Zauber dieses Violinkonzerts in vollen Zügen ergeben. Mit sagenhaft flexiblem Ton vermag Smirnov nicht nur die technischen Herausforderungen (Doppelgriffe, hohe Lagen und halsbrecherische Intervalle) in keck-unverschämter Selbstverständlichkeit und mit humorvollem Zwinkern zu servieren, sondern auch die langen Kantilenen im galanten Stil schmachtend singen und das Finale in temperamentvoller tänzerischer Elastizität federn zu lassen.

Der fesche Mailänder Silberwuschelkopf Giovanni Antonini, Flötist und Dirigent, nicht erst seit der (Mit)Gründung des Barockensembles Il Giardino Armonico 1989 eine feste Größe in der europäischen Alte-Musik-Szene, ist der goldrichtige Mann für die launisch experimentellen symphonischen Welten Joseph Haydns. Mit niemals überzogenen, jedoch dennoch ungemein flüssigen Tempi gelingt es Antonini – atmosphärisch kontrastreich nuancierend – hinreissend, die historisch codierte Schatztruhe des jungen Haydn aufzubrechen und ihr im Hier und Heute Glanz, Witz und kontrapunktische Verspieltheit abzuluchsen.

Natürlich weiß Antonini um die Finessen von Dramaturgie, Gestus, Artikulation, Phrasierung und Dynamik, außerdem dank der engagierten Mitwirkung des Christian Moritz-Bauer, musikwissenschaftlicher Berater der Haydn Stiftung Basel, um die neuesten Erkenntnisse in Sachen Aufführungsgepflogenheiten. Besonders erwähnenswert ist die Sinfonie Nr. 13 in D-Dur aus dem Jahr 1763, die vier Hörner verlangt und in der Musikkenner thematisch Parallelen („gregorianisches Credo“) etwa zu der wesentlich später entstandenen „Jupiter-Sinfonie“ Mozarts feststellen werden.

Mit dem Album ist Antonini einen Schritt weiter in seiner Erkundung des „Kaleidoskops menschlicher Gefühlswelten“, wie der Dirigent die Musik Haydns umschreibt, gegangen. Das perfektionistische Kammerorchester Basel folgt den Intentionen des Gastdirigenten mit spürbarer Hingabe und Begeisterung für die Sache.

Fazit: Eine überaus lohnende, in dieser weit gedachten wie thematisch angelegten Form einzigartige Serie geht somit in die nächste Runde. Seien Sie dabei!

Anmerkung: Im Rahmen einer Medienpartnerschaft mit der Agentur Magnum Photos erstellen renommierte Fotografen Fotoreihen zu jedem Projekt. Diesmal ist es der griechische Fotokünstler Nikos Economopoulos, der u.a. mit seinem Projekt „On the Road“ einen Nerv unserer unruhigen Zeit trifft.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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