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CD GUSTAV MAHLER: SYMPHONIE NR. 7 – BAYERISCHES STAATSORCHESTER; KIRILL PETRENKO

04.06.2021 | cd

CD GUSTAV MAHLER: SYMPHONIE NR. 7 – BAYERISCHES STAATSORCHESTER; KIRILL PETRENKO

BAYERISCHE STAATSOPER RECORDINGS – Neues Opernhauslabel mit einem Konzert-Live-Mitschnitt vom Mai 2018 der Taufe gehoben

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Eigenlabels sind eine gute Sache für die Musikwelt. Unabhängig von Quoten, Verkaufsinteresse als Allleinstellungsmerkmal und nicht immer von musikalischer Expertise getragenen Managerentscheidungen der großen Musikverlage machen Institutionen wie Orchester oder Opernhäuser weltweit vermehrt ihre Produktionen auf eigene Faust in besonders ansprechender Aufmachung und speziellen Formaten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Das hat nicht nur den Vorteil der breiteren Repertoirevielfalt, sondern auch der Verfügbarkeit der audio/audiovisuellen Tonträger über einen langen Zeitraum. Und sei es nur in virtuell zugänglichen Räumen.

Als Muster einer solchen innovativen Form des Eigenmarketings und einer modernen Kommunikation mit dem Publikum gelten für mich die Berliner Philharmoniker Recordings. Da werden klanglich state-of-the-art-Aufnahmen in unterschiedlichen Formaten, sei es als Downloads, Vinyl, hochauflösenden CDs oder brillanter Videotechnik angeboten. Fachlich bestens recherchierte Aufsätze und begleitende Informationen vervollständigen neben gut designten Covers und Booklets die neue bunte Tonkonserven-Welt. Das Erfreuliche als Nebenwirkung: Da ist ein gewaltiges Weltkulturerbe im Entstehen. Wer glaubt, dass audiovisuelle Produkte auf dem Klassikmarkt Auslaufmodelle sind, irrt. Nur der Markt ändert sich und trägt der Diversität aller verfügbaren Medienkanäle Rechnung und nimmt auf die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Zielgruppen maßgeschneidert Rücksicht.

Das Pilotalbum der Bayerische Staatsoper Recordings ist bemerkenswerterweise nicht einer Oper gewidmet, Korngolds „Die Tote Stadt“ in der Regie von Simon Stone mit Jonas Kaufmann und Marlis Petersen wird die erste Opernproduktion sein, die im Juli 2021 in den Formaten DVD und Blu-ray veröffentlicht wird. 

Als musikalischer Leuchtturm wird Gustav Mahlers Siebente Symphonie unter der Stabführung von Kirill Petrenko ins Rennen geschickt. Zwar bildet der Konzertsektor sicher nicht die erste Domäne des Bayerischen Staatsorchesters, dennoch gelingt Petrenko eine Wiedergabe, die – hier sei Nikolaus Bachler zitiert – „alle schmerzhaften Erfahrungen und tragischen Brüche der europäischen Geschichte am beginnenden 20. Jahrhundert in Klang setzt. Hier (Anm.: bei Mahler generell) tönt das Leben mit all seinen Konflikten und mit allen Beglückungen, die es dem Menschen bieten kann.“

Natürlich ist die Wahl des Dirigenten Kirill Petrenko als Starter für das neue Label eine Ehrbezeugung für seine spannende Ägide als musikalischer Leiter der Bayerischen Staatsoper. Generell werden in der Bayerischen Staatsoper laut Angaben des Geschäftsführers Guido Gärtner jährlich rund 250 Aufführungen mit rund 40 verschiedenen Opernwerken einem Publikum von über einer halben Million Menschen geboten. Schon seit vielen Jahren hat die Bayerische Staatsoper Erfahrungen mit der Live-Übertragung und Aufzeichnung von Opernvorstellungen gesammelt. Auch das Bayerische Staatsorchester dokumentiert seit längerer Zeit viele seiner Konzerte. Das ist die Ausgangslage für die glücklichen Schatzheber aus den Archiven, das akustische Gold dauerhaft und für eine größere Öffentlichkeit verfügbar machen zu können.

So ganz ohne haben Melomanen auch bisher nicht leben müssen. Hochwertige historische Mitschnitte aus der Bayerischen Staatsoper bietet das Label „Orfeo International“ unter der Submarke ‚Orfeo d’Or Bayerische Staatsoper live‘ seit geraumer Zeit an. Derzeit listet der Katalog 49 CDs.

Dass nun vor allem bislang unveröffentlichte Videomitschnitte der Vergangenheit in hoffentlich großer Anzahl veröffentlicht werden, darauf dürfen sich alle Fans der Bayerischen Staatsoper und der Kunstform Oper im Allgemeinen freuen. Zusätzlich sollen Produktionen aus dem Kinder- und Jugendprogramm CAMPUS, zudem auch kammermusikalische Editionen, die erstklassigen Ensembles des Bayerischen Staatsorchesters eine Plattform bieten sollen, das Angebot des Labels bereichern.

Rein optisch hat man sich für einen rot kartonierten Einband mit gut leserlicher Silberschrift entschieden. Das zweisprachige Booklet mit Farbfotos bietet hinreichende Informationen zu Werk und Ausführenden.

Anmerkung: Nach der „Toten Stadt“ wird für Ende des Jahres die Publikation von Ludwig van Beethovens „Symphonie Nr. 2 in D-Dur“ sowie des australischen Komponisten Brett Deans „Testament“ unter der musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski in Aussicht genommen. Das neue Label wird von NAXOS DEUTSCHLAND vertrieben.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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