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CD Gregory Kunde: „vinceró!“

21.07.2018 | cd

CD
Gregory Kunde: „vinceró!“
Orquesta Sinfonica de Navarra
Dirigent: Ramón Tebar
Universal Music

Wer „Gregory Kunde“ sagt, denkt noch immer an den berühmtesten „dramatischen“ Rossini-Tenor. Schließlich baut man nicht jahrzehntelang den Ruf als Belcanto-König auf, ohne dass dies im Bewusstsein des Publikums haften bleibt. Nun, eingestandenermaßen über 60, gibt Kunde seit etwa fünf Jahren seiner Karriere eine neue Richtung. Mittlerweile gilt er als der einzige Tenor der Welt, der innerhalb einer Woche sowohl den Otello von Rossini wie den Otello von Verdi gesungen hat – sprich: Er ist in das hochdramatische Fach eingestiegen.

In Wien hat man Gregroy Kunde bislang nur einmal live in einer Oper erleben dürfen, als Rodrigo in „La donna del lago“ 2012 im Theater an der Wien. In der Spielzeit 2018/19 steht nun sein spätes Debut an der Wiener Staatsoper an – im neuen Rollenfach. Hochdramatisch. Als Andrea Chenier und Radames. Zwei Rollen, in denen er auch auf seiner neuen CD zu hören ist.

Sie trägt den optimistischen, strahlenden Titel „vinceró!“, und Kunde ist entschlossen, in seinen neuen Rollen zu siegen. Freilich, der Roméo in Gounods „Roméo et Juliette“ ist nicht der beste Einstieg, denn der kraftvollen Stimme fehlt es an dem französischen Flair und Leichtigkeit.

Der eigenwillig metallisch timbrierte Tenor des Amerikaners, der über der kraftvoll dunklen Mittellage strahlende Spitzentöne herausstößt, ist am allerbesten, wenn er blanken Verismo bieten kann, also etwa mit Canios „Recitar!… Vesti la giubba“ (Leoncavallos „Bajazzo“). Nicht ganz einsichtig ist übrigens das Ordnungsprinzip der Arien, die ihm nach und nach alle gut in die Kehle passen. Da wechseln uneinsichtig bunt durcheinander Verdi und Puccini (Meyerbeer mit der „Afrikanerin“ ist auch dabei), „Turandot“ kommt mittendrin,  steht aber dann auch mit „Nessun dorma!“ am Ende.

Wichtig ist für Gregory Kunde, der hier quasi die Visitenkarte für sein gegenwärtiges Repertoire abgibt, dass man seinen Radames, seinen Manrico (samt Stretta) und seinen Othello hören kann, die Signaturrollen der Gegenwart und Zukunft. Die, weil die hochdramatischen Tenöre für das italienische Fach auch nicht auf den Bäumen wachsen, zweifellos recht rosig aussieht, was den Bedarf der großen Opernhäuer betrifft.

Renate Wagner

 

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