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CD GIUSEPPE VERDI: ATTILA mit D’Arcangelo, Monastyrska, La Colla, Petean – Live-Aufnahme aus dem Münchner Prinzregententheater vom 13.10.2019; BR Klassik

22.04.2020 | cd

CD GIUSEPPE VERDI: ATTILA mit D’Arcangelo, Monastyrska, La Colla, Petean – Live-Aufnahme aus dem Münchner Prinzregententheater vom 13.10.2019; BR Klassik

Veröffentlichung: 8.5.2020

Von Ildebrando D’Arcangelo gibt es bereits einen Videomitschnitt der Oper „Attila“ aus dem Jahr 2016 aus dem Teatro Comunale di Bologna in einer mittelmäßigen Produktion von Daniele Abbado. D’Arcangelo hatte damals einen schwarzen Abend und so rehabilitiert die jetzt erschienene Neuaufnahme einer konzertanten Aufführung aus München den italienischen Bass als einen äußerst profilierten und stimmlich beeindruckenden Interpreten der Titelrolle des am Ende von Odabella getöteten Hunnenanführers. Sein schwarz glänzender Bass verfügt über einen  ausgewogene Mischung aus rau und sensitiv um die beiden Seiten des Charakters stimmlich glaubhaft darzustellen. 

George Petean vermag in der heldischen Baritonrolle des römischen Generals Ezio mit kernig kraftvollem, aber dennoch stets kultiviert phrasierendem Bariton ordentlich zu punkten. Für mich ist Petean in der Rolle des Ezio die erfreuliche Entdeckung der CD: Stimmschönheit plus Eleganz plus immenser Tonumfang. Die berühmte Stretta „É gettata la mia sorte“ im zweiten Akt inkl. B am Schluss sitzt. Bravo.

Die ukrainische Sopranistin Liudmyla Monastyrska singt seit Jahren das „hardcore“ Verdi- und Versimo Fach landauf- landab. In Berlin wäre sie für eine Aufführungsserie von „Il Trovatore“ in der Staatsoper Unter den Linden für diesen September unter Vertrag…. Als Odabella überzeugt sie mich eher in den lyrischen Momenten als in den hochdramatischen Ensembles, wo ihr durch eine tolle Tiefe und Mittellage fundierter Sopran zu Verhärtungen und Schärfen neigt. Die Intervallsprünge und Verzierungen gelingen im Vergleich zur nur im Ungefähren agierenden María José Siri in dem bereits erwähnten Bologna Mitschnitt vorzüglich. 

Stefano La Colla führt als Foresto fällt vor allem mit Tenorunarten auf. Die über mehrere Töne eingeschliffenen Höhen beleidigen jedes empfindsame Ohr. Wer in dieser Oper untadelige Tenorleistungen hören will, halte sich an die Muti Studioeinspielung (Neil Shicoff mit einer fantastischen Cheryl Studer) oder die Gardelli Aufnahme mit Carlo Bergonzi.

Der fabelhafte Chor des Bayerischen Rundfunks und das sehr gute Münchner Rundfunkorchester warten mit hoch professionellen Leistungen auf. Allerdings vermag der sonst geschätzte Ivan Repušić von der rhythmischen Stringenz, Spannungsdichte und Raffinement her mit den Spitzen-Dirigaten etwa eines Sinopoli oder Muti keineswegs mithalten.

Fazit: Vor allem für Fans von D’Arcangelo und Petean. Wer an einem rundum gelungenen „Attila“ interessiert ist, halte sich an den Live-Mitschnitt aus der Wr. Staatsoper vom 21.12.1980, erschienen in der Serie Wiener Staatsoper Live, ORFEO d’OR, mit Mara Zampieri, Nicolai Ghiaurov, Piero Cappuccilli und Piero Visconti unter dem knackigen Dirigat von Giuseppe Sinopoli.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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