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CD: GEORG FRIEDRICH HÄNDEL: ORGAN CONCERTOS OP. 4 & OP. 7 – Jeremy Joseph, Orchester Wiener Akademie, Martin Haselböck

18.07.2021 | cd

CD: GEORG FRIEDRICH HÄNDEL: ORGAN CONCERTOS OP. 4 & OP. 7 – Jeremy Joseph, Orchester Wiener Akademie, Martin Haselböck

 

Englands berühmtester Organist

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Marmorbüsten von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel, den beiden wichtigsten Orgelkomponisten, rahmen den Prospekt der Orgel im Grossen Saal des Wiener Musikvereins. Die Orgel erklang das erste Mal, als Johannes Brahms am 10. November 1872 Händels «Dettinger Te Deum» (HWV 283) dirigierte. Am 8. Dezember des gleichen Jahres dirigierte Brahms Händels Orgelkonzert Op. 7 Nr. 4.

Händel schrieb seine Orgelkonzerte für Opernhäuser und Theater, denn der ruinöse Wettkampf zwischen den Londoner Theatern und Händels Wechsel von der italienischen Oper zum englischen Oratorium sind das Entstehungsumfeld. Als die Oratorien und das Engagement einer Balletttruppe nur mässigen Erfolg zeigten, warf Händel seine Fähigkeiten als virtuoser Organist in die Waagschale. In diesem Bereich konnte er mit den Sängerstars, die zu Konkurrenzunternehmungen abgewandert waren, konkurrieren und sich wieder Publikum zurückholen. Die Konzerte, die in den Pausen der Oratorien aufgeführt wurden, komponierte er selbst. Damit war die Orgel als Virtuosen-Instrument positioniert und mit dem Orgelkonzert eine neue Konzert-Gattung etabliert. Händel galt schnell als Englands berühmtester Organist.

Während der Prospekt mit den stummen Pfeifen seit 1872 unverändert geblieben ist, hat sich das «Innenleben» der Orgel mehrfach verändert. 2011 wurden neue Orgelwerke der österreichischen Firma Rieger eingebaut, die nun auch die für die Interpretation «Alter Musik» nötigen Klangfarben und technischen Möglichkeiten bieten. Mit dieser Orgel sind nun authentische Aufführungen möglich.

Martin Haselböck und Jeremy Joseph wechseln sich auf der Doppel-CD an der Orgel und am Cembalo ab. Haselböck, der die Orgelkonzerte des Opus 4 und das Orgel-Konzert Nr. 13 spielt, überlässt seinem Schüler Joseph die ad libitum-Konzerte des Opus 7. Beide Solisten überzeugen mit virtuos-leidenschaftlichem Spiel.

Das Orchester Wiener Akademie unter Leitung seines Gründers Martin Haselböck bringt Händels Musik mit nobler Zurückhaltung glänzend zum Klingen.

Händel mal Anders!

18.07.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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