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CD GEORG FRIEDRICH HÄNDEL: MESSIAH – MONTEVERDI CHOIR und ENGLISH BAROQUE SOLOISTS dirigiert von CHRISTOPHE ROUSSET; harmonia mundi

10.10.2026 | cd

CD GEORG FRIEDRICH HÄNDEL: MESSIAH – MONTEVERDI CHOIR und ENGLISH BAROQUE SOLOISTS dirigiert von CHRISTOPHE ROUSSET; harmonia mundi

messia

Seine Majestät König Charles III besuchte nach der Europatournee das Abschlusskonzert von Händels „Messias“ im Dezember 2025 in der berühmtem anglikanischen Kirche St. Martin-in-the-fields am Londoner Trafalgar Square in der vorliegenden Besetzung. Sowohl Monteverdi Choir als auch English Baroque Soloists musizierten zuvor 2023 anlässlich der Krönungszeremonie. 2025 entstand die nun publizierte Einspielung als ein Amalgam aus live-takes und Studionachbesserungen.

Beide Ensembles wurden von John Eliot Gardiner gegründet (Monteverdi Choir 1964, English Baroque Soloists 1978) und langjährig geleitet. 2024 trennte sich der Monteverdi Choir & Orchestra von ihrem Erfinder, nach dem der damals 81-jährige Dirigent ankündigte, wegen eines „Watschen-Eklats“ bei einem Konzert 2023 die künstlerische Leitung aller von ihm gegründeten Ensembles niederzulegen.

Schon im Dezember 2024 nahm Christophe Rousset mit den English Baroque Soloists und dem Monteverdi Choir Marc-Antoine Charpentiers „Messe de minuit“ H.9, „In nativitatem Domini canticum“ H.416 und „Noëls sur les instruments“ H.531 & H.534 auf. Die künstlerische Zusammenarbeit des französischen Dirigenten und Cembalisten mit den britischen Musikern und Musikerinnen ist seither ungebrochen.

Klarerweise gibt es auch eine Messias-Aufnahme von Gardiner mit „seinem Chor und Orchester“ (Philips 1982), die zusätzlich zu den typischen Originalklangtugenden in Bezug auf aufgeraute Artikulation, rhetorisch bedingte gebogene Strichtechniken, rhythmische Präzision, Durchhörbarkeit mit einer tänzerisch beschwingten Lesart bis heute als ein nahezu unübertroffener Meilenstein in der historisch informierten Musikinterpretation gilt.

Christophe Rousset legt hier noch eins drauf in Bezug auf Binnen-Dramatik und knapp formuliertem textlich-musikalischem Ineinandergreifen, allerdings bei ausgedünntem Klang und einer extrem kontrastierenden Temporegie. Statt sechs Solisten bei Gardiner (Margaret Marshall, Catherine Robbin, Anthony Rolfe-Johnson, Robert Hale, Charles Brett, Saul Quirke) kommt Rousset mit vier Sängerinnen und Sängern aus (Ana Viera Leite Sopran, Dame Sarah Connolly Mezzo, Andrew Staples Tenor, William Thomas Bass).

Zwei von ihnen können es in Bezug auf Frische, elastisch ansprechende Tongebung und Legato nicht mit der Besetzung von 1982 aufnehmen. Insbesondere Dame Connolly ist bei aller Würdigung ihrer Verdienste über ihren Zenit hinaus. Das übermäßige Vibrato und ungefähre Verzierungen sind stilistische No-Go‘s. (so bei den Arien „But who may abide the day of his coming“, „O thou that tellest good tidings to Zion“). Der opernhaft aufdrehende Andrew Staples hingegen überzeugt eher in ansatzweise deklamatorisch-heroischen Passagen denn als lyrischer Frohbotschafter.

Im Gegensatz dazu gefallen die verzierungsgewandte lyrische Sopranistin Ana Vieira Leite („Rejoice greatly, o daughter of Zion“, „I know my redeemer liveth“) und der bemerkenswert schwarz timbrierte Bass William Thomas sehr („The people that walked in darkness“), Vor allem William Thomas‘ Karriere steht nachvollziehbarerweise vor einem raketenhaften Aufbruch. Sein Kalender ist mit vielen interessanten Rollen- und Hausdebüts gespickt, und erst recht dürfen „seine“ Dirigenten für das Jahr 2027 von Pappano, Muti, Mäkelä über Ticciati bis zu Haim als überaus prominent gelten.

Roussets musikalische Gangart, vor allem die entweder behäbig oder (zu) rasch genommenen Tempi, überzeugen mich nicht. Rousset kann zudem die Spannung bei besonders breit gewählten Tempi etwa in der „Pastoral Symphony“ nicht halten. Dazu fehlt jedes klangsinnliche Ausschwingen. Auf der anderen Seite flitzt er durch die manch jubelnde Arie und Chor. Insgesamt ist seine Interpretation von einer besonders schlank bis ausgedünnten, rhetorisch zugespitzten Vision bei einer teils leider sehr trockenen, flachen Akustik und davon geprägten mittelmäßigen Klangqualität geprägt.

Natürlich steht mit dem Monteverdi Choir ein zu Recht allseits gerühmter Kammerchor zur Verfügung, der Klangschönheit mit Textverständlichkeit, federnder Rhythmisierung und dramaturgisch passgenauer Artikulation zu einer Einheit zu bündeln weiß wie kaum ein anderer. Diesem Chor ist an sich nichts zu schwer und kein Tempo zu rasch. Er ist es auch, der die Klasse der Aufnahme im Wesentlichen ausmacht.

Kurze Schlussbemerkung: Eine in allen Belangen für alle gleichermaßen gültige „beste“ Aufnahme gibt es nicht. Ob man letztlich Boult, Harnoncourt, Christie, Hogwood, Minkowski, Gardiner, Cleobury, Savall oder Rousset den Vorzug gibt, ist eine höchstpersönliche Entscheidung, die jeder und jede für sich treffen muss. Für mich ist ganz klar, dass ich Gardiner vor Rousset stelle, nicht zuletzt unter der Prämisse, welcher musikalischen Auffassung ich als ehemaliger Chorsänger lieber gefolgt wäre.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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