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CD G.F. HÄNDEL JUDAS MACCABÄUS – Wiederveröffentlichung des Live Mitschnitts vom 25.10.1963 des Bayerischen Rundfunks; Rafael Kubelik, Fritz Wunderlich, Agnes Giebel; Orfeo d’Or

09.10.2022 | cd

CD G.F. HÄNDEL JUDAS MACCABÄUS – Wiederveröffentlichung des Live Mitschnitts vom 25.10.1963 des Bayerischen Rundfunks; Rafael Kubelik, Fritz Wunderlich, Agnes Giebel; Orfeo d’Or

In der stark gekürzten und ins Deutsche übertragene Fassung von Friedrich Chrysander

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Sammler haben es gut. Musste man sich früher mit technisch oft suboptimalen Bootlegs von Melodram begnügen, ist dank Orfeo d’Or und des Zugriffes auf die Original-Rundfunkbänder dieser Mitschnitt vom Münchner Herkulessaal wieder in einer monauralen Tonqualität erhältlich, die staunen macht. Vor allem die direkt und natürlich eingefangenen Stimmen des strahlend heldischen Fritz Wunderlich in der Titelrolle, des engelsgleichen Soprans von Agnes Giebel als Israelitin oder des erdigen Basses von Ludwig Welter als Simon und der großartige Chor des Bayerischen Rundfunks werden Melomanen aller Länder jubeln lassen.

Es war eine gute Entscheidung des Verlags, das 1999 offiziell erst veröffentlichte und alsbald vergriffene Album nun zu einem günstigen Preis wieder aufzulegen. Auch wenn dieser Friedrich Chrysander – nach unseren heutigen Verständnis von Originalfassungen unvorstellbar – die Hälfte der Partitur gestrichen und eine schwerfällige Textfassung erstellt hat, ist die der Aufnahme zugrunde liegende Version unter dem unglaublich packenden und hochdramatischen Zugriff von Rafael Kubelik natürlich keine Alternative zu den vollständigen Editionen (für mich persönlich unschlagbar die Aufnahme der Editions Ambronay mit dem Choeur de Chambre de Namur und dem Ensemble Les Agrémens unter der Leitung von Leonardo Garcia Alarcon, ca. 130 Minuten Spielzeit gegenüber ca. 90 Minuten bei Kubelik), aber eine willkommene Ergänzung der Diskographie. Und ein weiteres Zeugnis für die musikalische und künstlerische Singularität von Fritz Wunderlich.

Hochinteressant ist hier vor allem, wie Rafael Kubelik – weit entfernt von allen Ideen einer historisch informierten Aufführungspraxis – die Partitur unter vollem Chor- und Orchestereinsatz dramaturgisch stringent umsetzt.

„Judas Maccabäus“ ist ein kämpferisches Stück, das der „realpolitisch denkende Komponist“ erst in Angriff nahm, als „der Herzog von Cumberland die Rebellion niedergeschlagen hatte und der Sieg sicher war“. (Jens Malte Fischer im Booklet). Dem Herzog, mit dem üblen Beinamen „Der Schlächter“, sollte mit dem Werk zu seinem Sieg über die aufständigen Jakobiten in Schottland zugunsten Englands gehuldigt werden. So weist das Libretto des Thomas Morell eine Widmung an einen „Truly Wise, Valiant, and Virtuous Commander“ aus. Im Oratorium ist es der Heerführer Judas Maccabäus, der in Samaria, Syrien und Ägypten die Feinde der Israeliten triumphal besiegen kann. Am Ende mischt sich das Gedenken an die Gefallenen mit dem Jubelchor „Frohlock‘ o Judas!“ Politisch soll ein Bündnis mit dem römischen Senat die Unabhängigkeit Judäas garantieren.

Das große Atout des Albums ist neben dem flüssigen und spannungsgeladenen Dirigat von Rafael Kubelik die Besetzung der Titelfigur mit dem unüberbietbaren Fritz Wunderlich. Allein wie dieser Tenor (leider stark gekürzt) „Mein Schwert“ diesen Gorgias will ich bestehen“) zu Ende des zweiten Akts mit strahlenden Höhen und heldischem Aplomb anstimmt, ist ereignishaft. Wunderlich, der die Rolle schon 1956 in Augsburg gesungen hatte, gelingen aber auch die anspruchsvollen Verzierungen und vielen kleinen Noten stupend.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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