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CD: FROM SILENCE Miguel Bonal, Viola da Gamba Alpha Classics, ALPHA1165

14.03.2026 | cd

Saitenweise Zeitreisen: Miguel Bonals „From Silence“

siol

Stellen Sie sich vor, ein Instrument aus dem 17. Jahrhundert würde heute in einer Kathedrale aufwachen, sich den Staub von den Bünden schütteln und beschließen, uns die Welt zu erklären. Genau so fühlt es sich an, wenn man Miguel Bonals erste Solo-CD „From Silence“ einlegt. Der 1999 in Zaragoza geborene Spanier präsentiert im Rahmen der Alpha-Classics-Reihe „Baroque Stories“ nicht nur eine beeindruckende Talentprobe, sondern ein leidenschaftliches Plädoyer für die bleibende Lebendigkeit der Viola da Gamba.

Der Einstieg mit Tobias Humes „Captain Humes Pavin“ ist klug gewählt: Ein Auf und Ab der Töne erzeugt sofort dunkle, erdige Farben, die faszinieren und das Ohr sofort einfangen. Bonal bleibt jedoch nicht im Historischen stecken. In Georg Philipp Telemanns Sonate D-Dur (TWV 40:1) entfaltet er enorme Abwechslung und Virtuosität – besonders das Rezitativ wirkt wie ein in Töne gefasstes Ausrufezeichen, ein Moment absoluter Ruhe inmitten tänzerischer Agilität.

Einer der emotionalen Höhepunkte ist Marin Marais’ „Les Voix Humaines“. Hier lässt Bonal das Instrument buchstäblich sprechen: ein ruhiger Dialog, in den sich Triller so organisch einschmiegen, als gehörten sie zum natürlichen Atem des Musikers. Danach lotet er bei Johannes Schenck und Carl Friedrich Abel die Würde des Barock mit meditativer Ruhe aus – eine künstlerische Reife, die weit über sein junges Alter hinausgeht. Besonders Abels Arpeggiata sticht heraus: Intensive Arpeggien halten die Musik in ständiger, doch nie gehetzter Bewegung, voller Leichtigkeit.

Die große Herausforderung folgt mit Johann Sebastian Bachs Suite BWV 1008 (d-Moll, ursprünglich für Cello). Hier lernt man das Instrument und seinen Solisten erst richtig intensiv kennen. Bonal agiert technisch souverän und kostet die dynamischen Feinheiten bis ins Kleinste aus. Doch der eigentliche Clou der Aufnahme ist der Mut zur Grenzüberschreitung: Francisco Tárregas „Recuerdos de la Alhambra“ auf der Gambe zu spielen, wird zum Erlebnis. Die nervösen Auf- und Abwärtsbewegungen fangen das flirrende Licht Spaniens stimmungsvoll ein.

Bevor die Reise zum Abschluss kommt, schenkt Abel noch ein inniges Gebet in Tönen. Dann endet alles mit Gabriel Faurés „Après un rêve“ – ein besonderes Schmankerl: Die Viola da Gamba wird hier zur menschlichen Stimme und liefert reinen Gesang auf sieben Saiten. Das Klangbild mit viel Hall verleiht dem Stück eine opulente, geradezu sakrale Bühne und unterstreicht die Transzendenz.

Ein beeindruckendes Debüt, das zeigt: Diese alte Dame der Musikgeschichte hat noch viel zu sagen – und mit Miguel Bonal eine Stimme gefunden, die sie in die Zukunft trägt.

Dirk Schauß, im März 2026

 

From Silence

Miguel Bonal, Viola da Gamba

Alpha Classics, ALPHA1165

 

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