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CD FRANZ SCHUBERT „DIE SCHÖNE MÜLLERIN“ – GERALD FINLEY Bariton, JULIUS DRAKE Klavier; hyperion

06.08.2022 | cd

CD FRANZ SCHUBERT „DIE SCHÖNE MÜLLERIN“ – GERALD FINLEY Bariton, JULIUS DRAKE Klavier; hyperion

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Nach der „Winterreise“ (2013) und dem „Schwanengesang“ (2018) haben das Duo Gerald Finley und Julius Drake Schuberts „Die schöne Müllerin“ aufgenommen. Das ganz große Lob gebührt dem Pianisten Julius Drake, der einen von der Klavierbegleitung her phänomenal spannenden erzählerischen Zugang zum kurzen Liebesglück und langen Liebesleid des armen Müllerburschen gefunden hat. Gerald Finley; ein großer Opernsänger, der auch Lied kann, verfügt über eine der schönsten, sämigsten und virilsten Baritonstimmen, die Heldisches genauso spielerisch bewältigt wie kleinste Verzierungen bei Mozart technisch beeindruckend meistert. Stilistisch steht ihm Italianitá gleichermaßen zur Verfügung, wie er in jeder Hinsicht sicher und sprachkundig das deutsche Repertoire abdeckt. Ihm zuzuhören ist stets ein großes Vergnügen, sei es in den Bach-Oratorienaufnahmen, beim Mozart Requiem oder in Beethovens Missa Solemnis unter Nikolaus Harnoncourt, sei es als Verdi-Veteran im „Falstaff“ oder „Otello“.

Für die Interpretation von Schubert Liedern bringt Finley sehr viel an idealen Voraussetzungen mit: Geschmeidigkeit im Ton und präzise Verzierungen, ein frei strömendes Legato und eine nach wie vor leichte und duftig anspringende hohe Lage sowie eine einwandfreie Artikulation und sublime Textverständlichkeit. Dennoch fehlt etwas bei dieser „Müllerin“. Finley verfügt nämlich über kein wirkliches Piano mehr. Die große üppige Stimme beginnt im lauteren mezza voce und endet da auch. Dynamische Abschattierungen wird man in dieser dennoch insgesamt guten Aufnahme nur wenige finden. Daher gewinnt der Hörer den Eindruck, dass hier ein weiser Kommentator die Geschichte erzählt und nicht der unglücklich verliebte Jungspund auf dieser seiner spirituell letzten Reise selbst.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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