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CD: Fauré Sonatas for Violin and Piano Transcriptions Kerson Leong, Violine Jonathan Fournel, Klavier Alpha Classics, Alpha1177

05.06.2026 | cd

CD: Fauré Sonatas for Violin and Piano Transcriptions Kerson Leong, Violine Jonathan Fournel, Klavier Alpha Classics, Alpha1177

Gabriel Fauré blickt milde lächelnd

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Zwei junge Virtuosen treten in einen lebendigen Dialog mit einem Meister des feinen Klangs. Der kanadische Geiger Kerson Leong, der bereits als Teenager den renommierten Yehudi-Menuhin-Wettbewerb 2010 dominierte, spannt für dieses Projekt den Bogen mit dem französischen Pianisten Jonathan Fournel. Fournel, Gewinner des Grand Prix des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs 2021, erweist sich als kongenialer Partner. Beide Musiker, dem Kenner durch ihre Solo-Aufnahmen bei Alpha Classics längst vertraut, verbindet eine langjährige musikalische Freundschaft.

Auf ihrer neuesten Veröffentlichung widmen sie sich ganz dem Schaffen Gabriel Faurés. Pünktlich zum Frühsommer erschienen, schenkt das Album eine kluge, 69-minütige Auswahl quer durch das Lebenswerk des Komponisten – eine echte Entdeckungsreise.

Fauré (1845–1924) stand Zeit seines Lebens im Zentrum musikalischer Umbrüche: Schüler Saint-Saëns’, Wegbereiter des Impressionismus und Zeitzeuge der radikalen Moderne. Dennoch blieb er sich treu und verfeinerte seinen Stil zu einer luziden Klarheit, die häufig von einer tiefen, melancholischen Melodik getragen wird. Genau diese Spannung zwischen Früh- und Spätwerk machen Leong und Fournel zum Kern ihrer Interpretation, indem sie die beiden Violinsonaten gegenüberstellen, die an den entgegengesetzten Polen von Faurés Schaffen stehen.

Das Album beginnt schwungvoll mit der Violinsonate Nr. 1 in A-Dur op. 13. Jonathan Fournel startet das Allegro molto mit einem orchestralen, präsenten Klavierklang, der sofort gefangen nimmt. Das Werk entstand, als Fauré Anfang dreißig war – genau im heutigen Alter der beiden Interpreten. Entsprechend jugendlich-stürmisch und drängend gerät ihr Vortrag. Das folgende Andante taucht in düstere, sehnsuchtsvolle Farben, in denen Kerson Leong auf seiner Guarneri-del-Gesù von 1741 zu einem berührenden, gesanglichen Ton findet. Der dritte Satz (Allegro vivo) sprüht vor frecher Virtuosität, bevor das Finale in einem absolut gleichberechtigten, hochmusikalischen Dialog mündet.

Zwischen den beiden großen Sonaten haben die Musiker eine wohltuend abwechslungsreiche Auswahl kürzerer Stücke eingefügt. Die Nocturne aus der Shylock-Suite verzaubert mit zarten Klaviertupfern und weit geschwungenen Geigenbögen. Es folgt das tieftraurige Les Berceaux in einer Bearbeitung von Leong selbst, das die melancholische Abschiedsstimmung von Seeleuten spürbar macht. Als virtuoser Kontrast wirbelt die Fileuse aus Pelléas et Mélisande (Arr. Leopold Auer) durch den Raum, gefolgt von einem vitalen, tänzerischen Clair de lune. Die Berceuse op. 16 wird zu einem zarten Wiegenlied-Dialog, während Après un rêve in Leongs Bearbeitung eine berückende, herbstliche Stimmung entfaltet. Den Reigen der Miniaturen beschließt das edle Soir.

Das Finale gehört der späten Violinsonate Nr. 2 in e-Moll op. 108. In einer Zeit schwerer persönlicher Krisen (Gehörlosigkeit, Weltkrieg) entstanden, wirkt der erste Satz spröde und verschlossen. Leong und Fournel glätten diese raue Oberfläche nicht, sondern lassen den inneren Trotz und den Willen zum Licht umso eindringlicher hervortreten. Das abschließende Allegro non troppo mündet schließlich in eine Art heitere, hoffnungsvolle Akzeptanz – ein berührender, jubelnder Schluss.

Die Aufnahmetechnik von Alpha Classics ist erstklassig: natürlich, betont räumlich und von großer Präsenz. Man spürt förmlich den Atem der Musiker.

Kerson Leong und Jonathan Fournel ist ein Kammermusik-Album von künstlerischer Reife gelungen. Es besticht nicht nur durch technische Brillanz, sondern vor allem durch eine echte emotionale Kraft.

Dirk Schauß, im Mai 2026

 

Fauré
Sonatas for Violin and Piano
Transcriptions
Kerson Leong, Violine
Jonathan Fournel, Klavier
Alpha Classics, Alpha1177

 

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