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CD ERMANNO WOLF-FERRARI: IL SEGRETO DI SUSANNA – Intermezzo in einem Akt mit dem heimlich rauchenden Ehepaar Gil und Susanna, NAXOS

„Tutto é fumo in questo mondo“ - Alles ist Rauch in dieser Welt, Schluss der Oper

06.06.2019 | cd

CD ERMANNO WOLF-FERRARI: IL SEGRETO DI SUSANNA – Intermezzo in einem Akt mit dem heimlich rauchenden Ehepaar Gil und Susanna, NAXOS

„Tutto é fumo in questo mondo“ – Alles ist Rauch in dieser Welt, Schluss der Oper

Wer hätte gedacht, dass die spätromantische musikalische Salonkomödie „Das Geheimnis der Susanna“ einmal knapp die Fangarme des sogenannten Politisch Korrekten streifen würde. Wir leben In einer Zeit, wo Rauchen als selbstverschuldete Stufe zur Vorhölle gilt. Da kann ja wohl eine Oper, die genau dieses Laster arios in höchsten Tönen liebevoll satirisch auf den Arm nimmt, das gemeinsame Paffen das Happy End darstellt und noch dazu zur letzten Vollkommenheit bürgerlichen Eheglücks stilisiert, nur als ganz und gar schrecklich oder altmodisch gestrig betrachtet werden. Oder? Ja, oder der geneigte Hörer erkennt in dieser Opera Buffa ein sehr fein gezeichnetes, nuancenreiches Kammer- und Kabinettsstück um große Eifersucht und kleine Beziehungsscharmützel, die die erst einen Monat junge Zweisamkeit zwischen Gil und Susanna auf eine glühende Probe stellt.

Die banale, aber lebensechte Geschichte rund um den eifersüchtigen Gil und seine feine Nase (aber ganz schlechten Riecher), der hinter dem Tabakgeruch in der Wohnung natürlich einen Lover seiner Frau vermutet, lässt ja tief in die schwarze Machoseele und erstaunliche Untreue-Fantasien blicken. Auf die einfache Einsicht, dass ausgerechnet Susanna die heimliche Raucherin ist, kommt unser Held erst am Schluss des Stücks, als er sich an der glimmenden Zigarette, die Susanna hinter ihrem Rücken versteckt, die Finger verbrennt. Recht geschieht ihm.

Auch klar, in der ersten Liebesphase will Mann/Frau ja ideal dastehen und hier passte offenbar auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Rauchen nicht unbedingt ins makellose Bild. In ihrer Solo-Arie besingt Susanna die Wonnen des Tabakgenusses, zwischen den blauen Rauchschwaden erscheint ihr kitschigerweise sogar der geliebte Gatte. Die Moral von der Geschichte: Ehrlichkeit ist in einer guten Ehe höchstes Gebot, und vielleicht gesteht man einander ja die gleichen kleinen Freiheiten  (zu), denen dann umso ungehemmter und in trauter Zweisamkeit gehuldigt werden kann.

Der Venezianer Wolf-Ferrari, in seinen drei Jahren an der Königlichen Akademie der Tonkunst in München auch im Kontrapunkt à la Falstaff-Fuge „Tutto nel mondo é burla“  bestens ausgebildet, hat „Il segreto di Susanna 1905 geschrieben. Die unter Felix Mottl 1909 in München uraufgeführte Oper war rasch ein Kassenschlager, kein Wunder: Schon die Ouvertüre fetzt und ist „in ihrer euphorischen Melodik, ihrem mediterranen Freiheitsdrang in das Leben selbst verliebt. Sie birst vor Erfindungskraft, ist launig, übermütig und selig zugleich.“

Friedrich Haider gibt als Dirigent mit dieser Einschätzung gleich die sternenfunkelnd komödiantische Gangart vor. Der Stimmungskünstler Wolf-Ferrari findet in den Ausführenden, der Oviedo Filarmonia, Judith Howarth (Susanna) und dem dunkel gefärbten Bariton Àngel Òdena (Gil) gute Verbündete. Besonders das Orchester hat bei diesem wohlgelungenen Cuvée aus kleinen barocken Schnörkeln, Figaro‘scher Perückenpudrigkeit, romantischer Emphase, und dem ausgelassenen Temperament eines gewissen spanischen Barbiers die schönste Rolle.

Bei dem 2006 im spanischen Oviedo entstandenen Live-Mitschnitt handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung. Da die Referenzeinspielung mit Renata Scotto, Renato Bruson und dem Philharmonia Orchestra unter Sir John Pritchard längst vergriffen ist, dürfen in der nun bei Naxos wieder erhältlichen einzigen echten Raucheroper zum Vergnügen eines entspannten Publikums die Wonnen von Schall und Rauch besungen werden. Empfehlung für Waghalsige!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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