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CD: EMILIE MAYER: SYMPHONIES Nos. 3 & 7 – NDR Radiophilharmonie, Jan Willem de Vriend

30.11.2022 | cd

CD: EMILIE MAYER: SYMPHONIES Nos. 3 & 7 – NDR Radiophilharmonie, Jan Willem de Vriend

Ein weiblicher Beethoven

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Am 21. April 1850 debütierte die Komponistin Emilie öffentlich in Berlin mit einem selbst organisierten Konzert im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, in dem sie bei freiem Eintritt (auf Einladung der Komponistin) eine Auswahl eigener Werke vorstellte. Einerseits galt sie ihrer Zeit als weiblicher Beethoven und entsprechend positiv waren die Kritiken zu dem Konzert, andrerseits sprach ihr ihre Zeit, so hier die Neue Berliner Musikzeitung, jegliches Vermögen ab: «Dass in das tiefste Mysterium der Tonkunst sich zu versenken, noch anderes Vermögen, höherer Geist erforderlich, ist kaum auszusprechen. Was weibliche Kräfte, Kräfte zweiter Ordnung, vermögen – das hat Emilie Mayer errungen und wiedergegeben».

Emilie Luise Friederika Mayer wurde 14. Mai 1812 in Friedland im Herzogtum Mecklenburg-Strelitz als Tochter des örtlichen Apothekers geboren. 1840 hinterliess ihr ihr Vater ein Vermögen, dass sie von finanziellen Sorgen lebenslang befreite, und so wurde Mayer zu einer im sozial- und musikhistorischen Kontext bemerkenswerten Erscheinung: sie war eine der ersten Komponistinnen überhaupt, die ihre schöpferische Tätigkeit zum Beruf machen konnte. Waren Fanny Mendelssohn oder Clara Schumann auch Komponistinnen, so war Mayer „nur“ Komponistin. Nach dem Tod des Vaters übersiedelte Mayer für einige Jahre in die Hauptstadt des preussischen Pommerns, nach Stettin, wo seit 1821 Carl Loewe, bei dem sie dann studierte, städtischer Musikdirektor war. Am 10. April 1883 starb Mayer knapp 71-jährig in Berlin an einer Lungenentzündung.

Der Zusatz «Militaire» Sinfonie Nr. 3 C‑Dur verweist auf die Verwendung von Piccoloflöte, Triangel, Becken und grosser Trommel im Finalsatz. Das Werk ging erfolgreich seinen Weg und wurde noch 1861 in Berlin gespielt. Die Überlieferung zu Mayers letzter Sinfonie, Sinfonie Nr. 7 f‑Moll, ist stark lückenhaft. Nachdem 1854 die Reihe der selbstveranstalteten Konzerte abbrach, lässt sich nur vermute, dass die siebte Sinfonie vor 1856 komponiert wurde, denn zu diesem Zeitpunkt spricht ein Zeitungsbericht aus Wien von sieben Sinfonien Mayers. Eine Aufführung ist erst für 1862 nachweisbar.

Die NDR Radiophilharmonie unter Jan Willem de Vriend nimmt sich mit Verve und hörbarer Spielfreude den beiden Sinfonien Mayers an und bringt sie mit wunderbar sattem, farbenreichem Klang zu Gehör.

29.11.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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