CD ECHOES OF THE FOREST – Robert Schumanns „Waldszenen“ und „Violinkonzert in d-Moll“ in Bearbeitungen von ANDREAS N. TARKMANN; Coviello Classics

Die Arrangement-itis treibt immer buntere Blüten: ROELAND HENDRIKX Klarinette, VILMANTAS KALIUNAS dirigiert das litauische Kammerorchester
Auf dem vorliegenden Album „Waldes-Echo“ wagt sich der deutsche Oboist, Komponist und Bearbeiter vom Dienst Andreas Nicolai Tarkman an zwei Schlüsselwerke von Robert Schumann.
An den für Klavier solo geschriebenen Zyklus „Waldszenen“, op. 82 sowie an das Violinkonzert in d-Moll, WoO 23. Garniert wird die mit etwa 50 Minuten Spielzeit nicht gerade üppig bestückte CD mit „September“, einem Intermezzo für Klarinette und Streichorchester von Tarkmann himself.
Von großem Interesse erweist sich nach den in romantischem Klangweben und Walddräuen orchestral geschickt, ganz in romantischem Duktus ohne avantgardistischen Firlefanz gehaltenen „Waldszenen“ das ein stiefmütterliches Dasein fristende, für Joseph Joachim geschriebene, hier zum Klarinettenkonzert mutierte „Violinkonzert“ Robert Schumanns.
Bei diesen „Waldszenen“ verhält es sich ähnlich wie bei Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“. Welche Fassung, ob diejenige für Klavier solo oder orchestriert, einem besser gefällt bzw. anschaulicher/ansprechender den programmatischen Inhalt auszudeuten vermag, bleibt im Letzten Geschmacksfrage. Ich habe mir zum Vergleich Swjatoslaw Richters 1956 im Prager Rudolfinum aufgenommene Interpretation der „Waldszenen“ angehört. Sie klingt in meinen Ohren subtiler, intimer und expressiv geheimnisvoller als die in saftigem Sound glänzende Orchesterversion.
Und dennoch: Die verschiedenen Szenen vom ‚Eintritt‘ über den ‚Jäger auf der Lauer‘, ‚Einsame Blumen‘, ‚Verrufene Stelle‘, bis zu ‚Freundliche Landschaft‘, ‚Herberge‘, ‚Der Vogel als Prophet‘, ‚Jagdlied‘ und ‚Abschied‘ klingen in der „Tarkmann-Version“ atmosphärisch geschickt instrumentiert und dem Thema romantisch verzückt nachspürend. Bemerkenswert ist, wie sehr es Tarkmann gelingt, „tastende Andeutungen auszuformulieren“ (Ann-Katrin Zimmermann) bzw. die genauen Vortragszeichen Schumanns für das Klavier orchestral zu transformieren. Einen guten Anteil am Gelingen des Projekts hat natürlich das exzellente Lithuanian Chamber Orchestra unter der auf einen breiten Klangfarbenreichtum und eine elaborierte agogische Detailarbeit konzentrierten musikalischen Leitung von Vilmantas Kaliunas. Der gelernte Oboist wird ab 2027 die Position als Chefdirigent der Göttinger Symphoniker antreten.
Robert Schumanns „Violinkonzert in d-moll“ gibt es, wie bereits erwähnt, als Klarinettenkonzert zu erleben. Zu Schumanns Lebzeiten weder aufgeführt noch publiziert, transponierte Tarkmann die Musik tiefer, und zwar das ursprüngliche d-Moll in c-Moll, im Mittelsatz B-Dur nach As-Dur und im Finale D-Dur nach C-Dur.
Dem formidablen belgischen Klarinettisten Roeland Hendrikx gelingt es tatsächlich, mit kantabler Emphase, einer wundersamen Beweglichkeit, natürlicher Klangentfaltung und einem erzählerisch kecken Ton das Original schlichtweg vergessen zu machen. Tarkmann nutzte sein ganzes Arsenal an Chiaroscuro-Effekten, modifizierter Stimmbalance und geschärften Kontrastwirkungen zwischen Klarinette und den einzelnen Instrumentengruppen, aufführungstechnisch sowie zugleich poetisch gedachten Adaptionen von Orchester- und Solopart, um diesem so spät und wechselhaft rezipierten Werk endlich eine Gestalt zu geben, die sich von der Aufführungsgeschichte emanzipiert und zugleich ein herzergreifend großartiges Hörerlebnis bietet. Schumann als schwacher Instrumentierer? Kein Funke von diesem (stereotypen) Dauervorhalt ist hier zu spüren.
Empfehlung!
Dr. Ingobert Waltenberger

