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CD: „ECHOES OF MY CHILDHOOD“ – DANIEL MÜLLER-SCHOTT mit Cellosonaten von Boccherini, Bach, Geminiani und Vivaldi; Orfeo

28.06.2026 | cd

CD: „ECHOES OF MY CHILDHOOD“ – DANIEL MÜLLER-SCHOTT mit Cellosonaten von Boccherini, Bach, Geminiani und Vivaldi; Orfeo

Gepflegt, allzu gepflegt

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Für Echos muss es starke Rufe, Stimmen oder Klänge gegeben haben, damit der Schall sich reflektiert, ein Nachhall Platz greifen kann. Wenn man dieser Begriffsbestimmung folgt, dann müsste es im Hause Müller-Schott jede Menge barocker Kammermusik zu hören gegeben haben. Wie der deutsche Cellist Daniel Müller-Schott im Vorwort erklärt, war es der Klang des von seiner Mutter gespielten Cembalos, der sich tief in Herz, Hirn und Gemüt eingeprägt hat. Womit wir bei der Barockmusik wären, die der Cellist „für seine innere Heimkehr zu einem friedvollen Ort der Kindheit in unserer oft so lauten Welt“ gewählt hat.“

Verstärkt wird die höchstpersönliche Note des Albums dadurch, dass die estnische Pianistin und Cembalistin Irina Zahharenkova auf genau dem Instrument spielt (von Johann Christoph Neupert, Blanchet Modell Bamberg), auf dem Daniel Müller-Schotts Mutter musiziert hat.

Wir hören Sonaten für Violoncello und basso continuo bzw. für Viola da Gamba und Cembalo von Luigi Boccherini (C-Dur G. 6, A-Dur G. 4), Johann Sebastian Bach (g-Moll BWV 1029, Adagio aus der Sonate in c-Moll, BWV 1024), Antonio Vivaldi 8A-Moll RV 43) und ein Adagio von Alessandro Marcello/Johann Sebastian Bach (aus dem Oboenkonzert in d-Moll, BWV 974).

Daniel Müller-Schott ist ein technisch makelloser Cellist, dazu ein Stilist von Gnaden mit elegantem rundem Ton, verzierungsgewandt, der in den Largos und Adagios einen organisch sanglichen Klang bevorzugt. Er weiß um delikat gespannte Bögen und eine klassische Ausgewogenheit der Interpretation. Das Bemühen um die richtige Balance zwischen Cembalo und Cello ist immer spürbar. Müller-Schott achtet auf Details, selbst die kleinsten Noten werden mit einer unglaublichen Präzision und elastischen Flexibilität bedacht.

Allerdings bewegt sich die dynamische Bandbreite in Grenzen des gepflegt Gefälligen. Insbesondere, was Expressivität und eine griffige Artikulation, die Art und Weise des Bogenstrichs anlangt – allesamt Errungenschaften einer historisch informierten Aufführungspraxis – hätte ich mir ein Mehr an Temperament und bei Boccherini und Geminiani eine genussvoller ausgekostete Italianità gewünscht. Bei der mit 79 Minuten großzügig bemessenen Spielzeit des Albums könnte das Lauschen mangels prononcierterer Kontraste rasch eintönig werden.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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