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CD: DUALITY mit dem Oberon-Trio. Bei CAvi-music und SWR 2/

23.01.2020 | cd

 „Duality“ mit dem Oberon Trio

Dezent und aufwühlend zugleich

Das Oberon Trio präsentiert neue CD-Einspielung „Duality“ bei CAvi-music und SWR 2/

Bildergebnis für duality oberon-trio"

Gleich das Klaviertrio in d-Moll Hob. XV:23 von Joseph Haydn besitzt in der Interpretation des Oberon Trios mit Antoaneta Emanuilova (Cello), Henja Semmler (Violine) und Jonathan Aner (Klavier) viel Grazie und Esprit. Der Kopfsatz kommt beispielsweise im berühmten „galanten“ Ton daher- mit ornamental gestalteten und ausgesprochen originellen Themen. Die freie Fortspinnung ist hier so abwechslungsreich gestaltet, dass sie den Zuhörer sofort fesselt. Die tonartliche Entwicklung steht so unmittelbar im Zentrum des Geschehens. Der Schluss-Satz überzeugt bei dieser akustisch weiträumigen Einspielung als temperamentvoll gestaltetes Stück mit thematisch gestalteter Durchführung. Geradezu aufregend ist bei dieser Einspielung das Trio für Violine, Cello und Klavier als Weltersteinspielung von Toshio Hosokawa. Hosokawa löst hier in bemerkenswerter Weise alle harmonischen Strukturen auf, die Melodien sind einfach am Zerfließen. Das Oberon Trio gestaltet diesen Prozess mit großem Einfühlungsvermögen. Jede Note hat dabei im Sinne von weiblichen und männlichen Aspekten eine Dualität an sich. Und dabei spielt der Tritonus eine große Rolle. Er teilt das Intervall der Oktave genau in „zwei“ Aspekte. Hosokawa benutzt für den Spannungsaufbau wenige Tritoni. Das Ausdehnen der einzelnen Noten besitzt hier etwas Meditatives und Geheimnisvolles.  Crescendo-Effekte und ausgeprägte Dynamik ergeben sich so wie von selbst. Glissandi, Pizzicati, Triller und Martellato-Effekte beherrschen den Klangraum. Jazz und Harmonik stechen bei der subtilen Wiedergabe von Aaron Coplands „Vitebsk“-Trio für Violine, Cello und Klavier deutlich hervor. Hier ist ein jüdisches Lied ganz zentral: „Mipney ma, warum, warum.“ Und am Anfang hämmert das Klavier seine erschütternden Akkorde. Es ist der böse Geist, der Lea gefangen hat. Der böse Geist heißt hier Dibbuk, aber es ist die Seele ihres Geliebten, den sie nicht heiraten durfte. Sie will ihm zuletzt in den Tod folgen. Die Vierteltöne zeigen hier die Zerrissenheit der jungen Frau. Dur wird hier gegen Moll gesetzt. Die schlichte Melodie hat etwas Klezmerhaftes. Copland bezieht sich auf das Theaterstück „Der Dibbuk oder zwischen zwei Welten“ von Salomon Anski, einem wichtigen jüdischen Autor.  Es ist eine sehr sensible Wiedergabe durch das Oberon Trio. Zuletzt erfolgt noch eine zupackende und kraftvolle Wiedergabe von Robert Schumanns Trio Nr. 2 für Klavier, Violine und Violoncello F-Dur op. 80. Clara Schumann liebte es leidenschaftlich und wollte es immer wieder spielen. Die Verarbeitung der drei Themen im ersten Satz wird hier ausdrucksvoll herausgearbeitet, der Sechsachtel-Rhythmus ragt markant hervor. Das Liedhafte wird einfühlsam betont. Mit einem neuen dritten Thema beginnt die Durchführung. Ein fugierter Teil mündet bewegend in die Coda. Die Coda des zweiten Satzes in Des-Dur erhält bei dieser Wiedergabe ebenfalls deutliche Akzente. Die in der Violine einfühlsam absteigende Tonleiter bekommt dann von Cello und Klavier eine eher zarte Antwort. Ein inniges Motiv mit Quintsprung prägt den dritten langsamen Satz, der kanonisch und walzerartig wirkt. Und die Sonatenhauptsatzform des Finales mit seiner Figurationswendung und aufwärtsstrebenden Achtel-Bewegung überzeugt mit geradezu aufwühlenden Komponenten. Über eine Septime fällt sie herunter. Und auch die abfallenden Terzen bleiben stark im Gedächtnis.

Alexander Walther

 

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