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CD: DIANA DAMRAU singt Arien von GIACOMO MEYERBEER – Warner CD Einzigartig, grossartig!

16.05.2017 | cd

CD: DIANA DAMRAU singt Arien von GIACOMO MEYERBEER – Warner CD

Einzigartig, grossartig!

cover DEF GRAND OPERA

Gute 10 Jahre hat die Sopranistin Diana Damrau darum gekämpft, eine CD mit einem reinen Meyerbeer-Programm herauszubringen. Dank vielseitiger Unterstützung, für die sie sich auch im hübschen Booklet zur WARNER-CD bedankt, wurde nun ein ganz und gar nicht übliches Feld-Wald-Wiesen-Recital mit bekannten nebst selten gehörten Arien Meyerbeers zusammengestellt. Und nicht nur ein reines Arien-Programm, sondern auch, wo es passte, waren zusätzliche Sängerinnen und Sänger aufgeboten, um bspw. das wunderschöne Terzett in den „Hugenotten“ als auch nur wenige Einwürfe zu singen; darunter Joanna Curelaru, Kate Aldrich und andere mehr. Die berühmte „Gnaden“-Arie aus „Robert le Diable“ wird von Robert (Charles Workman) mit einem je dreimaligen „Non!“ sekundiert, also die dramaturgische Situation hergestellt. Übrigens höchst originell vom Komponisten, wie man mit Erstaunen feststellt, mit welchem Einfalls-Reichtum er die traditionellen Arien-Formate angereichert hat. Diana Damrau nennt denn auch ihr Meyerbeer-Recital das des „Europäers Meyerbeer“, da sie aus dem reichen Schaffen Meyerbeers auch die selten gehörten Werke aus dem deutschen und italienischen Sprachraum neben das des bekannten französischen Opernschaffens stellt.

Vom vorzüglichen Choeur et l‘Orchestre de l’Opéra National de Lyon unter dem wachen Dirigat von Emmanuel Villaume begleitet, kann nun hier die Sängerin all ihre Vorzüge, die für sie wie für dieses Repertoire gemacht sind, ausspielen. Da sind tolle Koloraturketten, sauber und klar intoniert, da sind lyrische Stellen in einer angenehm warmen Mittellage wunderschön phrasiert, da sind auch die tollen Spitzentöne, mit denen sie der Oper gibt, was der Oper ist. Ihr eigen nennt sie aber einfach mal eine schöne Stimme von unverwechselbarem Timbre. Da ist auch der Wille zu künstlerischer Aussage zu spüren, wobei ihr ein Klangstrahl zu Verfügung steht, der direkt und ohne Umschweife das aussagt, was auszusagen ist. Eine Sängerin, die sich nicht im Allerwelts-Mainstream verliert, sondern ihre Eigenständigkeit zu bewahren weiss. Davon kündet eben auch das Ergebnis in dieser Meyerbeer-CD.

Denn neben allem dem gilt es noch zu entdecken, in welchem Ausmass Meyerbeer als einer der interessantesten Opernkomponisten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gilt. Er ist damit nicht nur als „the missing link“ zwischen Mozart/Rossini und Beethoven/Weber gemeint, sondern auch der in die Zukunft weisende Komponist, von dem ja Wagner nicht umsonst zuerst begeistert und dann neidisch nicht nur auf seinen Erfolg, sondern auch auf seine kompositorische Genialität war.

So begeistert man sich beim Anhören dieser Zusammenstellung bald einmal mehr für die virtuose Arie aus „Il Crociato di Egitto“, dann wieder für die an Carl Maria von Weber erinnernde Melancholie in „Ein Feldlager in Schlesien“ (mit Kate Aldrich) – es wird immer eine Entdeckungsreise in ein Land der ungeahnten Möglichkeiten sein. Hoffen wir, dass Diana Damrau mit ihrem Meyerbeer-Recital auch eine intensivere Meyerbeer-Renaissance an den Opernhäusern anstossen kann. Danke an Diana Damrau für ihre Tat, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann!

John H. Mueller

 

 

 

 

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