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CD DIABELLI ON BROADWOOD – DANILO MASCETTI spielt BEETHOVENS Diabelli-Variationen und die 6 Bagatellen op. 126; Da Vinci Classics

04.10.2026 | cd

CD DIABELLI ON BROADWOOD – DANILO MASCETTI spielt BEETHOVENS Diabelli-Variationen und die 6 Bagatellen op. 126; Da Vinci Classics

Erstmals auf einem Fortepiano Broadwood 1819 aus Hammerwood Park aufgenommen

polk

1817 hatte Thomas Broadwood Ludwig van Beethoven einen Flügel aus eigener Manufaktur geschenkt, für den sich Beethoven in einem Brief vom 3. Februar 1818 mit überschwänglichen Worten bedankte. Er bezeichnete den Flügel gar „als einen Altar, auf dem er seines Geistes schönste Gaben dem göttlichen Apollo offerieren wolle.“ Das Interesse für Instrumente englischer Bauart teilte er u.a. mit seinem älteren Kollegen Joseph Haydn.

Das Fortepiano, auf dem diese Aufnahme entstand, stammt aus dem Jahr 1819 und wird von seinem Eigentümer David Pinnegar penibelst gepflegt. Es verfügt über vier Pedalfunktionen, das gesamte System ist geteilt. Die Dämpfer können für den Diskant und das Bassregister getrennt oder für beide zusammen aktiviert werden. Mit der Funktion des linken Pedals kann sogar nur auf eine einzelne Saite (una corda) abgezielt werden, und nicht auf zwei oder drei. Das erlaubt eine besonders delikate, fein ziselierte Klanggestaltung. Die ausgeglichene Stimmung des Pianofortes folgt Kirnberger III, mit einem besonders strahlenden C-Dur.

Technisch unterscheidet sich der Broadwood von einem vergleichbaren Wiener Hammerflügel zusätzlich durch die weichere Dämpfung, was eine Art von Halo-Effekt auf die Töne hat, die ein Resonanznebel zu umgeben scheint, aber dann auch wieder sofort schweigen und nicht weiter nachhallen wie bei einem modernen Flügel.

Das musikalische Ergebnis ist frappierend anders als gewohnt. Beethoven hat seine 33 Veränderungen über einen Walzer des Wiener Verlegers Anton Diabelli op. 120 in C-Dur 1823 finalisiert und Antonie Brentano gewidmet. Mit der Ausführung des kontrapunktisch gespickten, einschmeichelnd behänden bis bäuerlich polternden, bisweilen tänzerisch lichten, dann wieder parodistisch bis grotesk witzigen Zyklus hatte er einige Monate, nachdem ihm der Broadwood Flügel geliefert wurde, begonnen.

Wir können den Broadwood jetzt dank des ausgezeichneten italienischen Pianisten und Spezialisten für das Fortepiano Danilo Mascetti exzentrisch extemporiert und schelmisch virtuos hören. Da flitzt und rast es gefühlt vergleichbar einer englischen Kabriofahrt bei offenem Verdeck nach ein paar Gin Tonic intus im Presto, der Variation Nr. 11 oder im Allegro der Variation 17. Rhythmisch sakkadiert, dürfen ein paar „Fehlzündungen“ mit rein. Der Ton des Broadwood ist insgesamt ausdrucksgeladen wild und ungezügelt, dann wieder aristokratisch galant, jedoch niemals glatt-rund.

Auf einen satt granulierten Bass fügt sich eine faszinierend körperlich feiste wie sternenspritzende Mittellage, getoppt von einer filigran gläsernen Höhe. Die Register heben sich charakterlich ordentlich voneinander ab. Selbst langsame Sätze bekommen einen expressiven Drive, die Drastik und der Humor (allegro molto alla ‚notte e giorno fatigar‘ von Mozart, Variation 22), der aus den abwechslungsreich gestrickten Variatonen hervorlugt, erhält durch den unverwechselbaren Klang des Broadwood nochmals einen kräftigen Schub. Wie aus einer anderen Sphäre zart und räumlich fern hingegen graben sich etwa das ‚Fughetta.Andante‘, der Variation 24, und natürlich die Fuge, Variation 32, ins Gedächtnis: Keine geringe Hommage an Bach und diesem bewunderten Vorbild direkt ins elysische Stammbuch geschrieben.

Bei Anhören dieses wunderbaren Albums, das keinen geringen Beitrag zur Rezeption der Diabelli-Variationen darstellt, sieht man direkt den alten tauben Beethoven sitzen und grimmig in sich hineinlächelnd an den Variationen schrauben. Die freud- und temperamentgeladene Wiedergabe berücksichtigt neben den Wiener Interpretationstraditionen (Johann Nepomuk Hummel) auch musikalische Einsichten zu Beethoven solcher Musiker, die überwiegend in England wirkten. Danilo Mascetti verweist hier besonders auf die „Recollection of Beethoven“ von Cipriani Potter (1836) und auf Tagebücher bzw. Kommentare von Ignaz Moscheles.

Ergänzt werden die Diabelli-Variationen ebenso geistreich wie forsch durchmischt durch Beethovens sechs Bagatellen, op. 126.

Eine Aufnahme abseits des Mainstreams, wie gemacht für einen sonnigen Herbsthimmel, wie heute zumindest in Berlin sich einer in aller Pracht offenbart. Dringende Empfehlung für alle Neugierigen und die große Fangemeinde der hohen Klavierkunst!

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

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