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CD COUPERIN „MESSE POUR LES PAROISSES“ – OLIVIER LATRY auf der Großen Orgel 1710 der Chapelle Royal de Versailles; Château de Versailles Spectacles

20.04.2023 | cd

CD COUPERIN „MESSE POUR LES PAROISSES“ – OLIVIER LATRY auf der Großen Orgel 1710 der Chapelle Royal de Versailles; Château de Versailles Spectacles

Collection „L’âge d’or de l’orgue francais“, Nr. 10

3770011431939

François Couperin ist dank der orchestralen Hommage von Maurice Ravel „Le Tombeau de Couperin“ bereits im frühen 20. Jahrhundert dem Vergessen entrissen worden. Dank entdeckungsfreudigen Sängern wie Alfred Deller („Leçons de Ténèbres“) und Cembalovirtuosen wie Bob van Asperen oder Christophe Rousset kann schon von Mitte des 20. Jahners an von einer Couperin-Renaissance sowohl in Konzerten als auch auf Schallplatte gesprochen werden. Sein Stil vereint gemeinsam mit demjenigen des Jean-Philippe Rameau die Quintessenz dessen, was die französische Kunst der Barockmusik auf Tasteninstrumente ausmacht.

Die Biografie weist François Couperin als Spross einer Musikerfamilie aus, die im 17. und 18. Jahrhundert ihren Dienst an den Orgeln der Kirche Saint Gervais versah. Da gab es seinen Onkel Louis, der da ab 1653 Organist war, ihm folgte sein Vater Charles nach. Als Charles früh starb und der Neunjährige damit verwaist war, vermachte er ihm die Organistenstelle in Saint Gervais, die stellvertretend von Lalande so lange ausgeübt wurde, bis François sie übernehmen konnte. Der fleißige Schüler des Organisten Jacques Thomelin wurde dann sehr rasch Musiker des Königs und Organist der Chapelle Royal.

Als solcher schrieb der 21-jährige Couperin seine majestätische Orgelmesse für den gewöhnlichen Gebrauch der Pfarreien zu feierlichen Anlässen 1690. Es handelt sich um eine Suite von Orgelstücken, die unter den wenigen einschlägig erhaltenen dieses Meisters der Improvisation firmieren. Solche Messen bezogen sich auf den Kontext einer komplexen und kodifizierten liturgischen Praxis, die heute nicht mehr existiert. Sie alternierten mit gesungenen Passagen eines barocken cantus planus. Auf der vorliegenden Aufnahme werden den gregorianischen Chorälen Stimmen nach der französischen Tradition des Chant sur le livre, eines improvisierten Kontrapunkts, hinzugefügt. Das Ergebnis sind polyphone Gesänge a cappella von seltener Schönheit, die sich mit den Orgelstücken konzertant abwechseln.

Die sechs Vokalisten Clémence Carry, Marthe Davost, Jeanne Lefort (Sopran), Cyril Escoffier (Tenor) und Marc Mauillon, Jean-Marc Vié (Bariton) lassen die ab Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr in Vergessenheit geratene Kunst (im Zuge der Revolution wurde alle einschlägigen Sangesschulen 1792 geschlossen) in faszinierender Klarheit und purem Klang wieder erstehen.

Der Solist der Aufnahmen ist vielleicht der bedeutendste unter allen Organisten: Olivier Latry, Titularorganist der Grandes Orgues de Notre Dame. Sein Spiel ist nicht nur makellos und überbordend von klanglicher Invention, Latry ist auch ein bedeutender Musikforscher und Pädagoge, mit dem es ein empfehlenswertes Interviewbuch mit Stéphane Friédérich unter dem Titel „Á l’orgue de Notre Dame“ gibt.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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