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CD: Clavecins Concertants Olivier Fortin Emmanuel Frankenberg Alpha Classics, Alpha1228

05.07.2026 | cd

Fortin & Frankenberg lassen zwei Cembali wie ein Orchester klingen

„Ein Cembalo klingt wie ein Cembalo – aber zwei Cembali klingen wie vier!“ Mit diesem treffenden Satz bringen Olivier Fortin und Emmanuel Frankenberg auf den Punkt, was ihr neues Album beim Label Alpha Classics so besonders macht.

calvin

Die beiden Cembalisten haben ein Programm mit eigenen Bearbeitungen französischer Orchester- und Kammermusikwerke des 17. und 18. Jahrhunderts aufgenommen – eine damals gängige Praxis, um Opernhits von Lully, Marais oder Rameau auch zu Hause im Salon erleben zu können. „Wir haben intensiv recherchiert, experimentiert und am Instrument viele Möglichkeiten frei ausprobiert“, erzählen sie im Gespräch. Das Ergebnis ist kein trockenes historisches Projekt, sondern ein hochlebendiges, farbenreiches und bisweilen wildes Musizieren.

Fortin, Gründer des renommierten Ensembles Masques und bekannt für seine klare Artikulation und rhetorische Schärfe, und der jüngere, vielfach ausgezeichnete Frankenberg (u. a. Rabo–B. de Bruin-Preis), der auch Naturhorn spielt und in Ensembles wie Concerto Copenhagen und dem Orchestra of the 18th Century zu Hause ist, begegnen sich hier auf Augenhöhe. Statt der üblichen Aufteilung in Solist und Generalbass teilen sie alle Stimmen auf, lassen sie kreuzen und treten in einen echten Dialog. „Wir sind einander auf natürliche und intuitive Weise im Gestus ganz nah“, sagt Frankenberg. Besonders deutlich wird das im eröffnenden anonymen Prélude non mesuré aus dem Manuscrit Roper – ein Stück ohne festen Takt, das pure Intuition und gegenseitiges Vertrauen verlangt. Hier wird spürbar, was Fortin meint, wenn er von „Freiheit in der Freiheit“ spricht.

Die Klangvielfalt wird durch den Einsatz von drei historischen Kopien gesteigert: Instrumente nach Blanchet (Titus Crijnen), Taskin (Bruce Kennedy) und Couchet (Guillaume Zellner). Diese klugen Kombinationen erzeugen ein reiches Farbspektrum, das von orgelartiger Fülle (Chambonnières Gigue) über funkelndes Trillern (Sarabande „Jeunes Zéphirs“) bis hin zu ruppiger Direktheit reicht. Rameaus berühmtes Les Sauvages – ursprünglich für Cembalo solo, später vom Komponisten orchestriert – erklingt hier in einer neuen Fassung für zwei Cembali, die der Orchester-Version nahekommt: wild, zielstrebig, perückenfrei. Auch die Auszüge aus Marais’ Alcione (Ouverture, monumentale Chaconne, fröhliche Matrosen-Airs) und Lully-Bearbeitungen von d’Anglebert gewinnen durch die Verdopplung eine geradezu orchestrale Präsenz und Resonanz.

Fortin, der bereits mit Skip Sempé auf zwei Cembali gearbeitet hat, sieht das Album als Fortsetzung und Überschreitung dieser Tradition. Gemeinsam mit Frankenberg gehen sie noch einen Schritt weiter – weg von starren Mustern hin zu einer organischen, symbiotischen Spielweise.

Aufgenommen im November/Dezember 2024 im Sint-Agnesbegijnhof in Sint-Truiden (Belgien), ist „Konzertiernde Cembali“ ein feines Beispiel dafür, wie historische Informiertheit und persönliche, leidenschaftliche Interpretation sich gegenseitig befruchten können. Wer französischen Barock bisher für höfisch-zierlich hielt, wird hier vom reinen, unbändigen Klangrausch eines lebendigen Dialogs mitgerissen.

Dirk Schauß, im Juni 2026

Clavecins Concertants

Olivier Fortin

Emmanuel Frankenberg

Alpha Classics, Alpha1228

 

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