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CD: CARE PUPILLE – Samuel Mariño, Händelfestspielorchester Halle, Michael Hofstetter

03.05.2020 | cd

CD: CARE PUPILLE – Samuel Mariño, Händelfestspielorchester Halle, Michael Hofstetter

Mit seiner bei Label Orfeo erschienenen Debut-CD „Care Pupille“ vermag der erst 24jährige venezolanische Counter Samuel Mariño ganz einfach nur zu begeistern. Mariño begann seine Opernkarriere bei der Camerata Baroca Caracas, kam dann zur Weiterbildung nach Europa. 2017/18 gewann er den Interpretationspreis beim internationalen Gesangswettbewerb an der Opéra de Marseille und den Publikumspreis beim Wettbewerb „Neue Stimmen‘ in Gütersloh“. Und schon 2019 gründete er mit dem Ensemble Teseo sein eigenes Orchester.

Auf dieser CD begleitet ihn das Händelfestspielorchester Halle unter Michael Hofstetter und spielt, sei es Händel, sei es Gluck grossartig auf. Die Spielfreude ist bei jeder Note zu vernehmen.

Inspiriert ist das Konzept durch ein Konzert, das am 26. März 1746 im Londoner Haymarket Theatre stattfand. Neben bekannten Virtuosen traten Georg Friedrich Händel und Christoph Willibald Gluck
mit eigenen Werken in Erscheinung. So singt Mariño auf seiner Debut-CD Arien von Händel und Gluck (die aber als solche keinen Bezug zum genannten Konzert haben).

Die Vorzüge von Mariños Stimme, die enorm jugendliche Farbe wie auch die hervorragende technische Ausbildung, sind bereits in Alessandro Arie „Che sarà quando amante accarezza“ aus Händels „Berenice, Regina di Egitto“ (HWV 38) zu vernehmen. Bei den hohen Tönen gilt es (hier) noch zu arbeiten. Aus „Atalanta“ (HWV 35) stellt Mariño gleich drei Arien des Meleagro vor. In „Care selve“ gelingen nun auch die hohen Töne perfekt. In der langsam, spärlich begleiteten Arie kommen die lyrischen Qualitäten der Stimme hervorragend zur Geltung. „Non sarà poco“ ist das pure Gegenteil, aber Mariño wird den horrenden Anforderungen in Sachen Tempo und Wendigkeit bestens gerecht. In „M’allontano, sdegnose pupille“ kann Mariño wieder zeigen, welche Farbpalette seiner Stimme zu Verfügung steht. „Quella fiamma“, Arie des Sigismondo „Arminio“ (HWV 36), schliesst mit ihrem Feuerwerk an Koloraturen den Händel-Teil der CD ab. In „Berenice, che fai… Perché, se tanti siete“, Szene und Arie der Berenice aus Glucks „Antigono“ (WV 1.20) beweist zuerst höchste lyrische Qualitäten und dann absolut glaubhaft heldische Attacke. Im Eifer des Gefechts geraten einige Töne allerdings unschön scharf. Aufgelockert wird das Programm der CD durch die Sinfonia zu Glucks „Antigono“ (WV 1.20). „Già che morir deggìo“ (Weltersteinspielung) aus „Antigono“ (WV 1.20) gerät sehr gedehnt und berührt die Grenze des Erträglichen. „Tornate sereni“ (Weltersteinspielung), Arie des Königs Massinissa aus „La Sofonisba“ (WV 1.5), in der Mailänder Uraufführung von einer Frau gesungen, bietet wieder Gelegenheit uneingeschränkt dem Wohlklang von Mariños Stimme zu lauschen. Die Arie „Quel chiaro rio“ des Atalanta stammt aus „La Corona“ (WV 1.36), einer „azione teatrale“, die von der Kaiserin zum Namenstag von Kaiser Franz I. Stephan am 4. Oktober 1765 bei Metastasio und Gluck bestellt worden war. Die vier Rollen des Werkes sollten seine vier Töchter selbst übernehmen. „Quel chiaro rio“, gespickt mit unterschiedlichen Koloraturen und dem Wechsel zwischen Allegro- und AdagioAbschnitten, sollte Maria Christina von Österreich Gelegenheit geben, Zeugnis von der Beweglichkeit ihrer Stimme abzulegen. Mariño bewältigt auch diese Herausforderung ohne Probleme. Mit „Care pupille“ (Weltersteinspielung), Arie des Oronte aus „Il Tigrane“ (WV 1.4), beschliesst Mariño seine erste CD. Auch diese „Prunk-Arie“ gelingt tadellos.

Die CD ist bestens gelungen und macht Lust den Künstler auch einmal szenisch zu erleben.

03.05.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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