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CD CAMILLE SAINT-SAENS – COMPLETE CONCERTOS in einer New Talents Edition 4; HOWARD GRIFFITHS leitet das ORF Vienna Radio Symphony Orchestra Berlin Classics

29.10.2026 | cd

CD CAMILLE SAINT-SAENS – COMPLETE CONCERTOS in einer New Talents Edition 4; HOWARD GRIFFITHS leitet das ORF Vienna Radio Symphony Orchestra Berlin Classics

Organist LUKAS HASLER und Pianist ARIEL LANYI vor den Vorhang bitte!

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Was für eine kluge und nachwuchsfördernde Idee: Ein innovatives Format wie die Ersteinspielung aller Konzertstücke des französischen Hochromantikers Charles Camille Saint-Saëns, als da sind fünf Klavierkonzerte, zwei Cellokonzerte, drei Violinkonzerte sowie Stücke für Orchester und Flöte, Klarinette, Horn, Harfe oder Orgel. Dazu lädt der erfahrene Dirigent Howard Griffiths, unterstützt von der Orpheum Stiftung und Stiftung Eppur si muove zum hervorragenden und wie ich meine ex aequo mit den Wiener Symphonikern zweitbesten Wiener Orchester, nämlich dem ORF Vienna Radio Symphony Orchestra, junge Talente ein. Damit ermöglichen die Veranstalter hochmotivierten Instrumentalistinnen und Instrumentalisten zum Start in die Laufbahn neben wichtigen Erfahrungen in Aufnahmestudios eine nicht minder bedeutsame öffentlich mediale Bühne.

Wir halten nunmehr beim vierten Album der verdienstvollen Reihe. In den ersten drei Ausgaben wurden neben etlichen Raritäten u.a. zwei Klavierkonzerte (in D-Dur, op. 17, in g-Moll, op. 22), zwei Violinkonzerte (in A-Dur, op. 20, in C-Dur, op. 58) und das Cellokonzert in a-Moll, op. 33 vorgestellt.

Im besonders attraktiven Album Nr. 4 gibt es als großen Hit die Orgelsymphonie in c-Moll, op. 78 mit Lukas Hasler auf der Rieger-Orgel des Goldenen Saals des Wiener Musikvereins neu zu entdecken. Für Gourmets hält die Edition „Cyprès et Lauriers“ in d-Moll, op. 156 für Orgel und Orchester, ein „Allegro Appassionato“ in cis-Moll, op. 70 für Klavier und Orchester sowie die „Rhapsodie d’Auvergne“ in C-Dur, op. 73, ebenfalls für Klavier und Orchester bereit. Auf dem Bösendorfer spielt Ariel Lanyi. Der israelische Musiker ist eine veritable Entdeckung sprühend voller jugendlichem Elan und makellos in seiner technisch stupenden Artistik.

Der österreichische, in Graz und Straßburg ausgebildete Organist Lukas Hasler, tritt mit der Orgelsymphonie in die Fußstapfen von Saint-Saëns, der – zu seiner Zeit streitsam – nicht nur ein in vielen Genres wie Oper, Symphonie, Konzert, Kammermusik und geistliche Werke reüssierender Komponist, sondern auch ein berühmter Organist war. Seine Reputation als Virtuose und Improvisationskünstler an der Cavaillé-Coll-Orgel der Église de la Madeleine war legendär und zog Publikum aus nah und fern an. Wenn man den von Lukas Hasler mächtig intonierten Klangsäulen im Maestoso der 1886 entstandenen Symphonie Nr. 3 mit offenem Mund lauscht, kann man sich die ungeheure Wirkung vorstellen, die der Komponist als Solist live in Paris zu entfalten wusste. Der Überwältigungsfaktor im bombastischen C-Dur Schluss stellt sich einem Naturereignis gleich ein. Wie gut, dass Howard Griffiths zuvor die variantenreichen Rhythmen und melodisch kontrastierenden Motive dynamisch und agogisch derart differenziert ausleuchtet, dass im Zusammenspiel mit der Orgel apotheotisch wundersam fluoreszierende Lichter aufflackern.

Das mit einem harmonisch eindrücklichen, Dissonantes durchwalkende, in geheimnisvollem Trauer-Orgelsolo startende Programmstück „Cyprès et Laurier“, widmete Saint-Saëns 1919 dem Sieg der Alliierten über die Deutschen. Die Partitur ist dem damaligen Präsidenten der Republik, Raymond Poincaré, gewidmet. Nachdem sich die Musik in demutsvollen Seufzern vor den Opfern verbeugt hat, feiern Trompetenfanfaren, Militärtrommel und Orgel dankes- und siegeschauvinistisch ihre Erleichterung über einen Neubeginn nach den unvorstellbaren Schrecken des Ersten Weltkriegs.

Besonders begeistern mich die beiden mit sechs und zehn Minuten kleinsymphonischen Stücke für Klavier und Orchester des einsätzigen „Allegro Appassionato“ aus 1884 und der ebenso in diesem Jahr entstandenen „Rhapsodie d‘Auvergne“.

Der wunderbare Ariel Lanyi bezaubert mit einer überaus variablen Anschlagskultur in den flott dahin getupften Perlagen. Das eingeschobene Solo in G-Dur extemporiert er in lyrischer Emphase auf dem Weg in ein gut gelauntes, brillant verspieltes wie glitzerndes Finale. Die „Rhapsodie d’Auvergne“ nimmt ihren poetisch verträumten Anfang mit einer der charmant ländlichen melodischen Inventionen des Saint-Saëns. Bergig vulkanische Volkstümlichkeit von Landschaft und der Natur trotzenden Menschen, da darf auch ein Lied der Waschfrauen nicht fehlen, reizt das Klavier zu kecken Kommentaren. Am Ende scheint es ausgelassen zum Tanz zu rufen.

Fazit: Eine lobenswerte Initiative, die Bekanntes, Repertoireraritäten, bewährte Profis und junge „Sturm und Drang“ Talente zu aller Beteiligten Gewinn zusammenbringt. Raffiniert unterhaltsam, forsch bodenständig und akrobatisch halsbrecherisch, wer hätte da nicht Freude daran?

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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