Beethoven ohne Denkmal – Das Busch Trio lässt den jungen Meister funkeln

Der Name Beethoven weckt oft Bilder von Schwere und Schicksal. Man erwartet das Ringen, die heroische Geste, die gefurchte Stirn. Wer jedoch die neue Aufnahme des Busch Trios bei Alpha Classics einlegt, wird angenehm eines Besseren belehrt. Mathieu van Bellen, Ori Epstein und Omri Epstein präsentieren in der zweiten Folge ihrer Gesamteinspielung der Klaviertrios den jungen Beethoven – jenen Bonner Wahlwiener, der vor allem eines wollte: glänzen, überraschen und den etablierten Meistern zeigen, wo der Hammer hängt. Das Programm ist klug gewählt und setzt bewusst auf Spielfreude statt auf Pathos.
Den Auftakt bildet das Trio in G-Dur op. 1 Nr. 2. Schon die ersten Takte fesseln: Die Violine tritt fragend in den Raum, wird vom Klavier energisch kontert – und jede Skepsis löst sich sofort auf. Das Busch Trio kostet diesen festlichen Kontrast mit sichtlichem Vergnügen aus. Im Largo con espressione verwandelt Omri Epstein das Klavier in einen wahrhaft singenden Partner. Seine filigrane, kristallklare Artikulation lässt einen Haydn’schen Geist spüren, den Beethoven zeitlebens herunterzuspielen versuchte. Das Ensemble beweist das Gegenteil: Wiener Charme und formale Strenge sind hier gelungen ausbalanciert. Das Scherzo besticht durch schrulligen Witz, das Presto-Finale feiert mitreißenden Übermut und ein rasantes, ironisches Motivspiel.
Ein besonderes Juwel ist das frühe Trio in Es-Dur WoO 38. Lange als bloße Gelegenheitsarbeit unterschätzt, entfaltet es hier eine erstaunliche Leuchtkraft. Obwohl es keinen langsamen Satz enthält und alle drei Sätze in derselben Tonart stehen, wirkt es nie eintönig. Ori Epstein gibt dem Cello eine wunderbare Eigenständigkeit und sangliche Wärme. Besonders das abschließende Rondo verzaubert mit einem wiegenden Tanzrhythmus, der immer wieder mit charmanten Ecken und Kanten aufwartet.
Die Aufnahme aus dem Brüsseler Studio 4 klingt hervorragend: natürlich, transparent und mit spürbarer Präsenz. Man hört das Holz der Instrumente, das Atmen der Phrasen und die besondere Vertrautheit eines Ensembles, das seit vielen Jahren zusammen musiziert.
Im Allegretto in Es-Dur Hess 48 zeigt sich Beethoven als experimentierfreudiger junger Komponist. Das Stück tänzelt leichtfüßig, geradezu wie eine Barcarolle, die jederzeit ins Scherzo kippen könnte, doch stets die klassische Balance wahrt. Der zeitliche Sprung ins Jahr 1812 führt zum Allegretto in B-Dur WoO 39, geschrieben für die kleine Maximiliane Brentano. Das Busch Trio widersteht jeder Versuchung der Überfrachtung und lässt die häusliche, zärtliche Intimität dieses Miniatur-Sonatensatzes schlicht und berührend erklingen.
Den glanzvollen Abschluss bilden die Variationen in Es-Dur op. 44. In vierzehn Variationen durchmessen die Musiker ein ganzes Spektrum an Stimmungen: virtuos, tänzerisch, humorvoll und – in der dunklen dreizehnten Variation in Es-Moll – plötzlich von ernster Tiefe. Diese Ernsthaftigkeit wird vom Busch Trio mit großer Intensität ausgelotet, bevor die Heiterkeit zurückkehrt und die Coda über ein nachdenkliches Andante in ein befreiendes Presto mündet.
Es ist diese seltene Mischung aus Spielfreude, Mut zum Charakter und tiefer musikalischer Menschlichkeit, die diese Aufnahme so besonders macht. Beethoven erscheint hier nicht als steinernes Denkmal, sondern als vitaler, junger Komponist voller Witz, Erfindungsreichtum und Herzenswärme. Für Kenner ein Hochgenuss, für Neueinsteiger ein idealer Einstieg.
Man darf sehr gespannt sein auf die weiteren Folgen dieser Reihe. Wer wissen möchte, wie lebendig das späte 18. und frühe 19. Jahrhundert heute klingen kann, kommt an dieser Veröffentlichung nicht vorbei. Ein Fest der Kontraste – und ein weiterer Beleg dafür, dass das Busch Trio zu den führenden Klaviertrios unserer Zeit gehört.
Dirk Schauß, im Mai 2026
Beethoven
The Piano Trios Vol. 2
Busch Trio
Alpha Classics, Alpha1220

