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CD: BEETHOVEN SYMPHONY Nr.5 and SYMPHONY Nr.7. Pittsburgh Symphony Orchestra/ Manfred Honeck. Reference Recordings /Live 2014

27.07.2022 | cd

beet

Reference Recordings – FR-718 SACD

Liveaufnahmen aus dem Jahr 2014

Noch ein Beethoven! Und dann ausgerechnet die viel aufgenommene, die sog. „Schicksals-Symphonie“! Ja, es musste sein, wenn der Dirigent Manfred Honeck heißt und mit seinem wunderbaren Pittsburgh Symphony Orchestra zeigt, dass längst noch nicht alles ausinterpretiert ist!

Honeck eröffnet die CD-Einspielung nun mit der Symphonie Nr. 5 in c-Moll, Op.  67, die Beethoven 1808 uraufführte, nachdem er etwa vier Jahre daran gearbeitet hatte. Beethoven bemerkte in Bezug auf den Beginn des ersten Satzes zu einem Freund: „So klopft das Schicksal an die Pforte!“

Der Beginn von Honecks Fünfter ist äußerst gewichtig und voller Wucht. Aber nur kurz, denn der Rest ist vergleichsweise schnell und nicht minder eindringlich. Obwohl Honeck versucht, innerhalb der berühmten Eröffnung Spannung zu erzeugen, ist er gleichermaßen in der Lage, die Schönheit und Aufregung in dieser Musik zu finden. Die herausragende Gruppe der Hörner sind strahlend eingefangen und eröffnen Details in der Gegenstimme, die zuvor noch nicht zu vernehmen waren. Und ebenso sind die Streicher und Bläser großartig. Die rhythmische Prägnanz und die schroffen Akzente prägen das Drama des ersten Satzes.

Der Rest der Symphonie ist genauso kraftvoll, ein herrlich gesungener und leuchtender zweiter Satz. Hier schlägt Honeck ein fließendes Tempo an und betont damit das tänzerische Element, das diesem lyrischen Andante innewohnt. Sehr gut kontrastiert Honeck in weiten Legatobögen die heroischen Momente.  

Tief geheimnisvoll und ausgelassenen erklingt der dritte Satz. Auftrumpfend begeistern einmal die gloriosen Hörner der Pittsburgher! Ruppig mit folkloristischer Note und überraschenden Akzenten erklingt ein mitreißendes Trio. Mit höchster Spannung gestaltet Honeck sodann den Übergang in den majestätischen vierten Satz, der den Zuhörer hier in einem derart leuchtendem C-Dur empfängt, dass man sich fast akustisch geblendet fühlen könnte, so intensiv, so hell strahlt einem Beethovens Musik entgegen! Triumphal und mit umwerfendem Brio erzeugen Honeck und sein hinreißendes Orchester eine endlos erscheinende Woge musikalischen Glücks. Triumph und höchste Zuversicht gegen alle Lebenswidrigkeit, so wie hier aufgezeichnet, muss es klingen!

 

Was erwartet den Zuhörer mit Beethovens siebter Symphonie in der Interpretation von Manfred Honeck? Beethoven schrieb die Symphonie Nr. 7 in A-Dur, Op.  92 zwischen 1811 und 1812. Im Vergleich zur Fünften ist die Siebte ein lebhafteres, funkelndes Musikstück, ein Werk, das in seiner vielen Bewunderer, der Komponist Richard Wagner, wegen seiner lebhaften Rhythmen die „Apotheose des Tanzes“ nannte. 

Die Siebte hat ihre Tücken und ist nicht leicht, gut zu dirigieren. Honeck gelingt auch hier eine grandiose Aufnahme. Einmal mehr zeigt sich seine hoch präzise Aufmerksamkeit für rhythmische Details und hervorragendes Orchesterspiel. Es gibt unzählige Momente, in denen die Musik durch die Arbeit, die Honeck investierte, vital, spritzig und unwiderstehlich brillant erklingt. Sehr gut betont Honeck das omnipräsent Tänzerische in dieser Symphonie. Akzente und Dynamik wirken stets harmonisch entwickelt. Der zweite Satz trägt hier einmal nicht die Züge eines Trauermarsches, sondern viel mehr erklingt ein inniges Gebet. Ergreifend! Das Scherzo ist mitreißend und voller Lebensfreude. Und doch wird im abschließenden Allegro con brio noch derart viel zusätzliche Energie freigesetzt, dass das Staunen darüber groß ist! Wie ist das möglich? Es zeigt sich, wie überragend ein mit dem Orchester harmonierender Dirigent in langjähriger Zusammenarbeit zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden konnte. Nur so gelingen solche hoch riskanten musikalischen „Feuerritte“, die keinem Risiko aus dem Weg gehen und am Ende den musikalischen Sieg stets davontragen!

Fortwährend wird auch in dieser Symphonie eine spannende „Hörgeschichte“ vor dem Zuhörer ausgebreitet, die bis zum letzten Augenblick fesselnd ist.

In seinen sehr detaillierten Notizen würdigt Honeck die Dirigenten, unter denen er gespielt und mit denen er gearbeitet hat. Honeck hat als ehemaliges Mitglied der Wiener Philharmoniker Beethoven mit den großen Dirigenten musiziert, wie z.B. Bernstein, Harnoncourt, Karajan oder Kleiber.

Hervorragend ist auch wieder der hoch dynamische und weit aufgefächerte Klang der Aufnahmen, der dennoch sehr dicht am Ohr des Zuhörers bleibt, so als säße man selbst inmitten des glorios tönenden Pittsburgh Symphony Orchestras!

Es ist schon außergewöhnlich, mit welcher erfolgreichen Konsequenz das Label Reference Recordings seinem Namen gerecht wird und eine Referenzaufnahme nach der anderen produziert.

Unbedingt anhören!

 

Dirk Schauß, Juli 2022

 

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