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CD „BEETHOVEN AND BEYOND“ – MARIA DUENAS spielt Werke für Orchester und Violine von Beethoven, Spohr, Ysaye, Saint-Säens, Wieniawski und Kreisler; Deutsche Grammophon

27.04.2023 | cd

CD „BEETHOVEN AND BEYOND“ – MARIA DUENAS spielt Werke für Orchester und Violine von Beethoven, Spohr, Ysaye, Saint-Säens, Wieniawski und Kreisler; Deutsche Grammophon

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Eine Spanierin in Wien – Beethoven als Heimspiel 

Da sage einer nochmal, Schallplatten seien zu nicht nutze. Für die gebürtige Andalusierin Maria Duenas weckten die zu Hause noch und noch gespielten Aufnahmen jedenfalls soviel an Interesse an klassischer Musik, dass sie mit sechs Jahren mit dem Violinspiel begann. Ein Auslandsstipendium von Juventudes Musicales de Madrid ermöglichte es ihr, Unterricht an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber zu nehmen. Da war ihr bald die Aufmerksamkeit des Geigers Wolfgang Hentrich und des Dirigenten Marek Janowski sicher. Der große Schritt erfolgte im Jahr 2016, als ihre Familie nach Österreich umsiedelte, damit sie auf Empfehlung von Vladimir Spivakov mit Studien bei Prof. Boris Kuschnir an der Musik und Kunst Privatuniversität und außerdem an der Universität für Musik und darstellenden Kunst in Graz beginnen konnte. Fazit: Es hat sich ausgezahlt, liebe Familie Duenas. 

Die nun zwanzig Jahre junge Noch-Studentin kann sich rühmen, oder besser gesagt, verdankt es ihrem Talent und der in harter Arbeit erworbenen ersten Meisterschaft, mit solchen Kalibern wie Marek Janowksi, Gustavo Dudamel, Michael Sanderling und Manfred Honeck ihre anfänglichen Orchestererfahrungen gemacht zu haben. Mit Letzterem hat sie im Jänner 2023  als Plattendebüt bei der Deutschen Grammophon im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins das Violinkonzert in D-Dur, Op. 61, von Ludwig van Beethoven eingespielt. Ein wahrlich nicht selten aufgeführtes und aufgenommenes Werk, das nun in audiophiler Tonqualität mit von Duenas selbst komponierten Kadenzen für alle drei Sätze als rundum erfreuliche Neuinterpretation vorliegt. 

Ganz ohne Programm-Konzept kommt auch das gegenständliche Album nicht aus. Im Falle von „Beethoven and Beyond“ ergibt sich der Sinn der Koppelung des Beethoven-Konzerts mit typischen Violin-Gustostückerln wie dem Adagio aus Louis Spohrs Symphonie concertante Nr. 1 für Violine, Harfe und Orchester in G-Dur (Harfe Volker Kempf), der „Berceuse“ von Eugène Ysaye, der „Havanaise“ von Camille Saint-Saens, der „Légende“ von Henryk Wieniawski und dem doch ziemlich abgedroschenen „Liebeslied“ von Fritz Kreisler (der zudem auf der ersten Schallplattenaufnahme des Werks aus dem Jahr 1924 zu hören ist) daraus, dass Maria Duenas auf einer zweiten CD Kadenzen zum ersten Satz des Beethoven Violinkonzertes von genau diesen fünf Komponisten als Höralternativen vorstellt. Die Absicht der Solistin war es, aufzuzeigen, wie „sich verschiedene Epochen und Kulturkreise mit Beethovens Konzert auseinander gesetzt haben.“ Da reicht die Bandbreite von mehr oder weniger geigerisch-virtuos und sanglich-lyrisch bis von rokoko, klassischem oder romantischem Geiste beseelt.

Es ist eine im besten Sinne altmodische Aufnahme geworden.  Die Wiener Symphoniker unter der musikalischen Leitung von Manfred Honeck, mitunter österreichischer Edelexport nach Pittsburgh, legen  formvollendet die autobiografischen wie visionären Bedeutungsebenen des Stücks offen, haben den großen heroischen Aufbruch genau so drauf wie die atmosphärisch so zartlichten Töne im Larghetto oder die lebhafteren Rhythmen im Rondo.

Maria Duenas spielt das Stück auf ihrer von der Nippon Music Foundation geliehenen Stradivari (oder ist es doch der Nicolò Gagliano?, das geht aus dem Booklet nicht hervor) nun Gott sei Dank nicht vom Blatt, wie es dem mit Beethoven befreundeten Geiger der Uraufführung Franz Clement nachgesagt wird. Auf Basis ihrer Konzerterfahrung umgarnt sie die Hörerschaft elegant und in raumgreifend sattem, im Kern sehnig bißfestem Violinklang mit den vielfältigen Emotionen, die die Musik erzeugt. In der so heiklen Vibratofrage geht sie bedacht, nicht apodiktisch zu Werke, die Verzierungen spielt sie ohne akrobatischen Exhibitionismus akkurat und präzise. 

Duenas begründet ihre Mainstream Repertoirewahl mit dem Angebot eines persönlichen Klangs, um aus der Menge an Aufnahmen herauszustechen. Nun, grosso modo präsentiert Duenas uns im Vergleich etwa mit den Sichtweisen von Gidon Kremer, Isabelle Faust oder Emmanuel Tjeknavorian eine romantische Annäherung an Beethovens einziges Violinkonzert. Und erinnert dabei ausdrücklich nicht an die junge Anne-Sophie Mutter, die das Konzert mit Karajan erstmals als 22-jährige, ganz auf Transzendenz und Mystik getrimmt, aufnahm. 

Duenas spielt klangschön, Innigkeit und Empfindsamkeit sind die Attribute, die mir bei ihrem Auftritt einfallen. Ob das schon für eine jederzeitige Kennung, für eine Klangmarke reicht, soll jeder Hörer für sich selbst entscheiden. Aber bleiben wir auf dem Boden: Es ist ja schon eine irre Sache, die Wiener Symphoniker in stupender Bestform und Feiertagslaune im brillanten Cinemascope-Klang und dazu eine fabelhafte Debütantin kennenlernen zu dürfen, von der wir noch viel erwarten können. Das beweisen nicht zuletzt die fünf Extranummern, wo die Solistin auch ihre stilistische Bandbreite zur Diskussion stellt. 

Hinweis: Beim Gelblabel ist auch die Aufnahme mit Wolfgang Schneiderhan, den Berliner Philharmonikern unter Eugen Jochum erhältlich, die von so manchem Musikkenner als Referenz ausgewiesen wird.

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

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