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CD: Be my love A tribute to Mario Lanza Stephen Costello, Tenor Kaunas City Symphony Orchestra Constantine Orbelian, musikalische Leitung DELOS, DE3632

30.09.2026 | cd

CD: Be my love A tribute to Mario Lanza Stephen Costello, Tenor Kaunas City Symphony Orchestra Constantine Orbelian, musikalische Leitung DELOS, DE3632

Stephen Costello verfehlt auf seiner Mario-Lanza-Hommage den entscheidenden Ton

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Das amerikanische Label Delos spendiert seiner neuesten Veröffentlichung eine Spielzeit von knapp fünfundvierzig Minuten. Man darf das sparsam nennen, womöglich schlicht geizig – oder aber man interpretiert es als unerwarteten Akt der Barmherzigkeit gegenüber dem Ohr des Publikums. Der amerikanische Tenor Stephen Costello hat sich für sein zweites Album auf dieser Plattform ein heikles Denkmal vorgenommen. Er möchte Mario Lanza huldigen. Jenem legendären Mann aus Philadelphia, der in den fünfziger Jahren mit prachtvollem Organ, Hollywood-Charisma und ungestümer Leidenschaft die Massen rührte. Costello stammt aus derselben Stadt, wuchs im selben Nordosten auf und nennt das Projekt im Begleittext eine Heimkehr sowie das Einlösen eines heiligen Versprechens. Solch geschwulstiger Tonfall weckt Skepsis. Er bereitet den Boden für ein Missverständnis von beträchtlichem Ausmaß.

Mario Lanza war eine Ausnahmeerscheinung, deren Wirkung sich kaum analysieren lässt. Man muss ihn nicht für jeden stilistischen Ausrutscher schätzen, doch seine Stimme besaß dieses seltene, von der Natur geschenkte Prickeln, einen unerschöpflichen Gefühlsreichtum, der sich nicht an Konservatorien erlernen lässt. Wer ihn nachzuahmen versucht, gerät zwangsläufig ins Hintertreffen. Costello nähert sich diesem Erbe mit dem Werkzeug des modern geschulten Opernsängers. Sein Timbre ist angenehm, das ist nicht zu bestreiten. Doch sobald er druckvoll singt, rutscht die Stimme in den Hals. Es fehlt jede erzählerische Qualität, jedes spektakuläre Aufleuchten. Er singt ordentlich, engagiert, durchaus brav – und bleibt dabei furchtbar austauschbar. Lichtjahre entfernt von Lanza, der Jahrhundertstimme. Sobald die Noten über das System hinausdrängen, wirkt die Höhe angestrengt. Der berühmte Schmelz, der diese populären Titel erst vor dem Absturz in die Rührseligkeit bewahrt, bleibt vollkommen aus. Was bei Lanza wie ein spontaner Ausbruch von reiner Lebensfreude klang, gerät hier zu einer akademischen Pflichtübung.

Bereits beim Auftakt mit Youmans’ Klassiker Without a Song zeigt sich das Grundproblem dieser Produktion. Costello phrasiert korrekt, bewältigt die Bögen ohne grobe Schnitzer, lässt aber jede echte Beseelung vermissen. Man hört einen Fleißigen bei der Arbeit. Rodgers’ berühmtes Hymnenstück You’ll Never Walk Alone schleppt sich zäh dahin, ohne je jene feine Steigerung zu erfahren, die den Hörer im innersten Mark trifft. Es klingt wie ein sauber vorgetragener Pflichtbeitrag bei einem Wettbewerb, bei dem die Jury bereits müde in ihren Stühlen hängt.

Für die Begleitung zeichnen Constantine Orbelian und das Kaunas City Symphony Orchestra verantwortlich. Was das litauische Ensemble hier abliefert, ist schlicht schlecht, vor allem aber unmusikalisch: als würden sie vom Blatt spielen, alles viel zu langsam, ohne Stil und Feuer. Das Orchester spielt nicht nur zurückhaltend, es verweigert sich dem Schwung. Wie zäher Lehm legt sich der Ton über die Arrangements von Flaviu Mogosan. Es fließt nichts. Jede Melodie wird mit einer Schwerfälligkeit exekutiert, die den Solisten keineswegs trägt, sondern vollends lahmlegt. Lehárs Klassiker Dein ist mein ganzes Herz gerät zu einem orchestralen Tiefpunkt. Was als leidenschaftlicher Liebesgruß gedacht ist, klingt hier wie das zögerliche Verlesen eines behördlichen Feststellungsbescheids. Den Streichern fehlt jeglicher Glanz, den Bläsern die Eleganz, dem gesamten Apparat die Phantasie. Man hört diese Musik und spürt die Lustlosigkeit der Ausführung durch jede Ritze dringen.

Selbst verlässliche Schlager des Repertoires retten das Unternehmen nicht vor der Monotonie. Agustín Laras Granada ist eine Nummer, die gewöhnlich von selbst brennt, sofern man sie mit ein wenig Feuer füttert. Costello und das Orchester wirken hier schlicht müde. Das temperamentvolle Bolero-Rhythmusmuster verkommt zu einem hölzernen Geklapper, während der Tenor durch die Phrasen starrt, als müsste er eine steile Treppe in schweren Stiefeln erklimmen. Rombergs Serenade und Golden Days aus dem Student Prince verharren in einer sentimentalen Schablone. Die Titel unterscheiden sich kaum voneinander, weil die gestalterische Einförmigkeit des Solisten jeden Song in denselben blassen Farbton taucht. Man vermisst die spontane Wendung, den mutigen Akzent, das unberechenbare Aufleuchten einer Persönlichkeit.

Der Blick auf die Trackliste offenbart die üblichen Verdächtigen der Fünfziger-Jahre-Nostalgie. Neben den Titeln aus dem Studentenprinzen finden sich Brodszkys Beloved und I’ll Walk with God sowie Malottes The Lord’s Prayer. Allesamt Stücke, die nach einem Sänger verlangen, der das Pathos nicht fürchtet, sondern es mit natürlicher Grandezza ausfüllt. Costello versucht, die Töne korrekt aufzureihen, doch Genauigkeit ist in diesem Genre der sichere Tod der Magie. Wo Lanza mit furchtlosem Portamento und offenem Herzen in die Vollen ging, bremst der Nachfolger vor jeder Kurve ab. Es entsteht ein merkwürdig steriler Eindruck. Man lauscht einer Aufnahme, die mit aller Macht versucht, dem Vorbild gerecht zu werden, und gerade durch diesen krampfhaften Fleiß scheitert.

Das Titelstück Be My Love setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf. Lanzas einstiger Millionenseller lebt von der atemlosen Sehnsucht, von jener strahlenden Höhe, die das Lied zu einem mitreißenden Höhepunkt treiben muss. Costello erklimmt die Noten mit spürbarer Anstrengung. Das Orchester trottet hinterher, als gelte es, die Spielzeit baldmöglichst hinter sich zu bringen. Kein Aufbegehren, kein Funke, der auf die Lautsprecher überspringt. Es bleibt die nüchterne Erkenntnis, dass eine gut gemeinte Hommage noch lange kein gutes Album macht.

Man mag Costello die Ehrlichkeit seiner Absicht glauben. Wer in Philadelphia aufwächst, darf sich vom Mythos des großen Sohnes der Stadt berühren lassen. Doch die CD ist unerbittlich. Sie dokumentiert nicht die guten Vorsätze, sondern das finale akustische Ergebnis. Und dieses Resultat fällt enttäuschend aus. Die Kombination aus einem vokalen Vortrag ohne Charisma und einer orchestralen Begleitung von lähmender Banalität macht die Dreiviertelstunde zu einer zähen Angelegenheit. Wer Mario Lanza ehren möchte, sollte zu den Originalen greifen, die jenen Geist atmen, der dieser Neuerscheinung vollständig abgeht.

Dirk Schauß, im September 2026

Be my love

A tribute to Mario Lanza

Stephen Costello, Tenor

Kaunas City Symphony Orchestra

Constantine Orbelian, musikalische Leitung

DELOS, DE3632

 

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