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CD ANTONIO VIVALDI „LA COSTANZA TRIONFANTE DEGL’AMORE E DE GL’ODII – Opernfragment in einer Aufnahme der Radiotelevisione Svizzera RSI 2011; Da Vinci Classics

21.07.2026 | cd

CD ANTONIO VIVALDI „LA COSTANZA TRIONFANTE DEGL’AMORE E DE GL’ODII – Opernfragment in einer Aufnahme der Radiotelevisione Svizzera RSI 2011; Da Vinci Classics

viva

Mögen anderswo Erbfolgekriege toben und ihre wüsten Spuren hinterlassen haben, im glücklichen Venedig des Jahres 1715 hatte man kaum andere Sorgen, als die kommenden Opernsaisonen ab Mitte Oktober bzw. zur Karnevalssaison 1716 zu Knallern werden zu lassen oder sich im Glücksspiel zu suhlen. „The Show must go on“, ist neben dem bekannten, so betitelten Song der Band „Queen“ ein Motto, das für die damalige Serenissima genauso gegolten haben dürfte, als es auf unsere Tage zutrifft.

Der 37-jährige Vivaldi, mit seinen neuen Funktionen als Maestro de‘ Concerti und Maestro di Coro am Ospedale della Pietà auf einem frühen Zenit seines Ruhms angelangt- zudem hatte er gerade mit seinem Zyklus „La Stravaganza“ mit den beliebten Tutti-Ritornellen groß abgeräumt – brachte im Jänner 1716 am kleinen, etwa 500 Personen Platz bietenden Teatro San Moisé seine Oper „La costanza trionfante degl’amore e degl’odii“, RV 706a, heraus.

Natürlich wirkte der Maestro selbst als teuflisch verzierungsflitzender Virtuose an der Solovioline. Sicherlich würzte er seine Auftritte mit akrobatischem Bogenstrich, was dem stets Sensationen bereitwillig folgenden Publikum ein kitzelndes Vergnügen bereitet haben dürfte. Um es definitiv festzuhalten: Die Qualität der Arien auf dem Album kann ruhigen Gewissens als allerbester Vivaldi auf lichten Höhen seines schöpferischen Genies bezeichnet werden.

Eine komplette Handschrift des lyrischen drammas ist nicht erhalten, dafür Textbücher und einzelne Arien, die in Archiven, anderen Opern („Eumena“, „Doriclea“, „Farnace“, Tigrane“) oder diversen Bearbeitungen auftauchten. Kurz und gut: Niemand weiß genau, wie diese ganze Oper im Urzustand geklungen haben mag.

Die für die vorliegende Aufnahme (in 21 Tracks, davon 3 Sinfonias, 15 da capo Arien, 2 Chöre, 1 Duett) maßgebliche musikwissenschaftliche Aufarbeitung samt den nötigen Rekonstruktionen stammt von Frédéric Delaméa, einem ausgewiesenen Vivaldi-Forscher.

Einer Handlung dieses dramma per musica auf ein Libretto des Antonio Marchi ohne Rezitative nachzuspüren, macht keinen Sinn. Die schematischen Grundzüge lauten so: Es geht um Liebesverwicklungen zweier Paare. Die typischen dramaturgischen Kniffe des Librettos bestehen wie üblich aus Verkleidungen, falschen Identitäten, Geheimbriefen etc. Auch eine Bärenjagd durfte nicht fehlen. Kohärentes bekommt der Melomane bei der zufälligen Ansammlung von Arien ohnedies nicht zu hören.

Daher haben sich die Produzenten – wie ich finde richtigerweise – dafür entschieden, die stimmungsmäßig und von den Affekten her so unterschiedlichen Bravourstücke auf zwei Mezzosopranistinnen – Ann Hallenberg (7) und Romina Basso (7) aufzuteilen. Die Vokallinie der Arie ‚Si tu vuoi ch’io m’innamori‘ wurde dem Oboisten Pier Luigi Fabretti anvertraut.

Das einem Rezital ähnliche Album bietet vokale Wonnen sondergleichen. Beide Solistinnen verfügen über obertonreiche, saftige Stimmen, die in den vertracktesten Verzierungen genauso brillieren wie sie lang gesponnene Legatophrasen blühen und duftig strömen lassen können.

Ann Hallenberg verwöhnt uns mit einer opulenten Mittellage und einer expressiv dramatischen Pranke (‚Hai sete di sangue‘). In deklamatorischer Präzision überwältigt Hallenberg in ihrem kein Wässerchen trübenden Vortrag mit einem kostbaren Diven-Belcantogepränge. 

Romina Basso verfügt über einen dunkler gefärbten Alt. Sie bringt als besondere Atouts romantische Farben, Eleganz, ein untrügliches Gespür für Phrasierung und eine unglaubliche Agilität mit. Ihre gallenspeiende Wutarie ‚Donna crudel spietata‘ ist einer der absoluten Höhepunkte des Albums.

Diego Fasolis, einer der besten und temperamentvollsten Dirigenten seines Fachs, schanzt den I Barocchisti eine spannungsreiche, dramaturgisch kommentierende Funktion zu, wagt es aber auch, den Klangkörper in konzertierende Opposition zum Gesang zu setzen. Fasolis liebt es, die Kontraste zu schärfen, es in den ‚Sinfonias‘ knarzen und rebellisch fauchen zu lassen. Und natürlich die Naturbilder von Täubchen, Sternen, Boot, Jagd oder Sturm instrumental lautmalerisch zu aquarellieren.

Anmerkung: Wie es das Leben so will, hat auch der Musikwissenschaftler und Dirigent Federico Maria Sardelli an der Vivaldi Oper „La costanza trionfante“ geforscht, Fragmente entdeckt und seine Version mit vier Solisten in Konzerten und auf Tonträger (Label Passacaille) vorgestellt. Ausgangspunkt für beide Initiativen war der Fund von Arien in englischen Berkely Castle. Diego Fasolis dankt ausdrücklich Mr. David Smith für die die Autorisierung des Berkely Will Trusts betreffend die Verwendung der in der Sammlung aufgefundenen Manuskripte.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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