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CD: ANTONIO SMAREGLIA: NOZZE ISTRIANE • Rijeka Symphony Orchestra, Simon . «Per te, bella Marussa!»

06.02.2025 | cd

CD: ANTONIO SMAREGLIA: NOZZE ISTRIANE • Rijeka Symphony Orchestra, Simon Krečič

«Per te, bella Marussa!»

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Mit der vom 17. bis 23. Juli 2024 im Kroatischen Nationaltheater „Ivan Zajc“ in Rijeka entstandenen Aufnahme von Smareglias Istrischer Hochzeit legt das Label cpo die Einspielung einer interessanten Rarität vor. Dabei handelt es sich nicht, wie anzunehmen, um eine Weltersteinspielung, denn im goldenen Zeitalter der Operneinspielungen auf Langspielplatte entstand 1956 mit dem Orchester der RAI Milano unter Leitung von Pietro Argento und den Solisten Renata Mattioli, Luigi Rumbo, Nestore Catalani, Guido Mazzini, Franco Pugliese und Dora Minarchi eine erste Aufnahme.

Die Handlung lässt erkennen, dass Librettist Luigi Illica das Opernschaffen seiner Zeit bestens kannte. Nach dem Abflauen eines Sturmes erscheint der Dorfmusikant und Heiratsvermittler Biagio mit dem hübschen Nicola, dessen Hochzeit mit der hübschen Marussa, Tochter des reichen, aber geizigen Menico, er arrangieren möchte. Marussa aber liebt Lorenzo, was wie zu erwarten nicht das Gefallen ihres Vaters findet. Biagio und Menico spannen für eine Intrige, die den Jungen «die Flausen» aus dem Kopf treiben soll, zusammen. Die junge Slawin Luze, deren Liebhaber nach der Geburt ihres Kindes einer Seuche anheimfiel, soll einen Ohrring Lorenzos, den dieser Marussa als Liebespfand übereignet hatte und die Alten bei ihr gefunden haben, diesem zurückbringen und ihn bewegen, das goldene Herzchen, das er von Marussa erhalten hatte, dieser zurückzugeben. Die Intrige gelingt und so willigt die verzweifelte Marussa ein Nicola zu heiraten. Zu Beginn des letzten Akts werden sich die beiden Mädchen des Betrugs bewusst und klären zusammen mit Lorenzo die Missverständnisse. Die Information Nicolas, bisher noch ohne Ahnung von der Intrige, misslingt. Nicola verzweifelt im Angesicht der ihm eröffneten Wahrheit und so kommt es zum Messerkampf der beiden Männer, den Lorenzo nicht überlebt. Mit dem Aufschrei «Per te, bella Marussa!» («Für Dich, schöne Marussa!») stürmt Nicola davon und Marussa bricht über Lorenzo tot zusammen. Erinnert der Sturm an Verdis «Otello», so scheint die Figur des Biagio aus Smetanas «Prodaná nevěsta» («Die verkaufte Braut») entnommen und die Figur der Luze von Mascagnis «L’amico Fritz» («Freund Fritz») inspiriert. Und das Setting «auf dem Dorfe» scheint klar vom damaligen Kassenschlager «Cavalleria Rusticana» beeinflusst.

Bei einer Oper, die mit den Superstars des Verismo erfolgreich uraufgeführt wurde (28. März 1895, Teatro Comunale, Triest), stellt sich natürlich die Frage, wieso diese zur Rarität wurde. Der Grund sind die Kosmopolität des Komponisten und die mangelnde Bühnenwirksamkeit seiner Opern. Der am 5. Mai 1854 (vier Jahre vor Giacomo Puccini) im istrischen Pula (Pola) geborene Komponist absolvierte seine Ausbildung auf Kroatisch, Italienisch und Deutsch in Rijeka (Fiume/Sankt Veit an der Flaum), Koper (Capodistria/Gafers), Pazin (Pisino/Mitterburg), Gorizia (Gorica/Görz), Graz und Wien. Smareglia lernte also die istrische/slawische, italienische und deutsche Kultur ausführlich kennen und schätzen, was sich dann auch in seinem Schaffen niederschlug. Seine Werke sind geprägt von einer gelehrten, den Italienern als «teutonisch» suspekten Harmonik, einer pikanten, kroatischen Volksweisen entlehnten, rhythmischen Würze und fehlender melodischer Erfindungsgabe. Dieser Kosmopolitismus wurde ihm zu Lebzeiten zum Verhängnis, denn in der Blütezeit des europäischen Nationalismus waren kulturelle Weitsicht und Weltoffenheit nicht gefragt. Und in späteren Zeiten bis hin zur Gegenwart wurde Smareglia dieser Kosmopolitismus ebenfalls zum Verhängnis, da sich sein Schaffen nicht eindeutig dem Verismus zurechnen lässt und im Schatten von Komponisten wie Puccini, Cilea, Giordano, Leoncavallo, Mascagni und anderen steht.

Simon Krečič gelingt es mit dem Rijeka Symphony Orchestra hervorragend herauszuarbeiten, was dem Werk zum Verhängnis wurde. Krečič setzt gute Spannungsbögen und lässt das Orchester, gerade in der eröffnenden Sturmszene, grandios farbenprächtig musizieren. Die Damen und Herren des Rijeka Opera Chorus überzeugen mit prächtigem, sattem Wohlklang.

Anamarija Knego gibt Menicos Tochter Marussa mit vollem, vibratoreichem Sopran. Giorgio Surian bietet als Bara Menico herrliche, ideal väterliche Autorität ausdrückende Tiefen. Der Bass von Filippo Polinelli ist geringfügig höher timbriert und bringt die für das Schwätzertum (die Rollenbezeichnung «Kecal» aus der Verkauften Braut fand als «Schwätzer» Eingang in die damals in Aufwertung begriffene tschechische Sprache) notwendige Agilität mit. Jorge Puerta gibt den Lorenzo mit strahlendem, leicht metallisch wie auch baritonal gefärbtem Tenor. Jure Počkaj singt den Nicola mit elegant geführtem Bariton. Stefany Findrik gibt die Luze mit tadellos geführtem, leidenschaftlichen Alt.

Eine wirklich lohnende Entdeckung!

05.02.2025, Jan Krobot/Zürich

 

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