CD: ANTONIN DVOŘÁK: SYMPHONIES Nos. 8 & 7 – Philharmonia Zürich, Gianandrea Noseda

Ab 6. Januar 2023 im Handel
«Es geht über die Erwartung leicht und die Melodien fliegen mir nur so zu»
Seit Beginn der Saison 2021-2022 ist Gianandrea Noseda GMD am Opernhaus Zürich und nun erscheint beim hauseigenen Label philharmonia rec die erste CD unter seiner musikalischen Leitung. Um seine Vielseitigkeit zu betonen und nicht gleich in die «italienische Ecke» abgeschoben zu werden, hat man zwei Sinfonien Dvořáks eingespielt.
Noseda sieht sich natürlich als italienischer Dirigent, weil er dort all seine Ausbildungen als Dirigent, Pianist und Komponist gemacht hat. Schon bald wurde aber das slawische, speziell das russische Repertoire sein zweites Standbein. Nach seinem Studium bei Donato Renzetti absolvierte er 1993 an der Accademia Chigiana einen Meisterkurs bei Valery Gergiev und war dann von 1997 bis 2007 – als erster Ausländer – Principal Guest Conductor am Mariinsky-Theater. So wurde er intensiv in das slawische Repertoire eingeführt und dirigierte auch seine ersten Wagner-Opern. Ein Grund für Noseda die Position in Zürich anzunehmen, war die Möglichkeit als Italiener hier den Ring dirigieren zu können.
Ausserhalb Tschechiens ist Antonin Dvořák hauptsächlich durch seine Instrumentalmusik, vor allem die slawischen Tänze und die Sinfonien bekannt. Während in den ersten vier Sinfonien noch deutlich die Einflüsse von Beethoven bis Wagner zu hören sind, findet er in den späteren Sinfonien durch den Einbezug böhmischer Volksmusik zu einer eigenen Sprache, die auch international verstanden und geschätzt wird. Von 1875 nimmt mit der Förderung (und späteren Freundschaft) durch Johannes Brahms und dem Erfolg der slawischen Tänze 1878 Dvořáks Karriere an Fahrt auf. Die «7. Sinfonie in d-Moll op. 70» ist eine direkte Folge von Dvořáks England-Reise im Jahre 1884, als die «Philharmonic Society» Dvořák zum Ehrenmitglied machte und ihm den Auftrag für eine neue Sinfonie erteilte. Fünf Jahre später entstand die «8. Sinfonie in G-Dur op. 88» zur Aufnahme in die Böhmische Kaiser-Franz-Joseph-Akademie für Wissenschaft, Literatur und Kunst.
Vom ersten Ton an ist zu hören, wie sehr die Chemie zwischen Orchester und Dirigent stimmt und wie sehr sich Noseda im slawischen Repertoire daheim fühlt und die Musiker mitreissen kann. Unter Leitung ihres GMD Gianandrea Noseda musiziert die Philharmonia Zürich. Perfekt werden die lichten, hellen Momente der 8. Sinfonie umgesetzt und man hört den Sommer und stellt sich direkt vor, wie Dvorak auf seinem Landsitz komponiert und einem Freund folgende Zeilen schreibt: «Sie wollen wissen, was ich tue? Ich habe den Kopf voll, wenn der Mensch das nur gleich aufschreiben könnte! Aber was nützt es, ich muss langsam machen, soweit die Hand will und das Übrige wird der Herrgott geben. Es geht über die Erwartung leicht und die Melodien fliegen mir nur so zu». Geradezu packend wird die 7. Sinfonie umgesetzt. Die ernsten Töne, an die tiefen böhmischen Wälder erinnernd, bilden einen eindrücklichen Kontrast.
So, wie hier musiziert wird, kann man die nächste CD kaum erwarten: Absolute Empfehlung!
16.12.2022, Jan Krobot/Zürich

