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CD ANTON BRUCKNER: SYMPHONIE Nr. 3, CHRISTIAN THIELEMANN dirigiert die WIENER PHILHARMONIKER; Sony 

13.06.2021 | cd

CD ANTON BRUCKNER: SYMPHONIE Nr. 3, CHRISTIAN THIELEMANN dirigiert die WIENER PHILHARMONIKER; Sony 

 

Erster Bruckner Zyklus mit den Wiener Philharmonikern

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Vom 27. bis 29. November 2020 wurde im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins diese technisch hervorragende Aufnahme der  Dritten Sinfonie in d-moll in der Fassung der Nowak Edition aus dem Jahr 1877 von Anton Bruckner (ohne Publikum) eingespielt. 

 

Die Entstehungsgeschichte des Werks weiß von 17 Jahren harter Plackerei zu berichten: Die erste Version von 1873 widmete Bruckner nach einem Bayreuth-Besuch mit bierseliger Nacht Richard Wagner. Nach unzähligen Änderungen hob der Komponist 1877 selbst am Pult der Wiener Philharmonikern dieses majestätische Werk erstmals öffentlich aus der Taufe. Die Aufführung geriet zum Menetekel. Bruckner samt seiner Musik wurde verlacht und verhöhnt. 1878 erschien die Dritte im Druck, 1890 stellte Bruckner die letzte Version fertig. Ein unvorstellbar langer Weg der Tüftelei, der ständigen Revision, des Zweifels, der Reaktion auf äußere Einflüsse, des schließlich hart erkämpften Triumphs ging zu Ende. 

 

Für Christian Thielemann wie für viel andere stehen bei Bruckner die Natur und landschaftliche Erlebnisse im Vordergrund der Faszination. War es bei Thielemann konkret die Wahrnehmung einer langen Eichen-gesäumten Allee in Ostpreußen (Masuren) parallel zur polnischen Grenze zwischen Barthen und Drengfurth, so assoziieren andere die mächtig eherne Architektur und die wuchtige, teils brutale Bodenständigkeit der Musik mit der Erhabenheit hoher Bergketten und der Weite des Blicks von felsigen Gipfeln. 

 

Die Dritte Bruckners in der strukturell weiträumig gezeichneten Interpretation von Thielemann hat wie die als Erstling des Zyklus‘ publizierte „Achte“ viele Vorzüge: Neben der Unverwechselbarkeit des Wiener Klangs sind das eine präzise Regie der dynamischen Kontraste und der subtil in sich stimmig gesetzten Tempi („Der Bruckner Dirigent müsse zwischen verschiedenen Zeitmaßen der Langsamkeit differenzieren können.“), aber auch die großen weiten Spannungsbögen sowie die liebevolle Ausleuchtung der instrumentalen Details. Dabei hat Thielemanns Interpretation mit den vor allem im Finale (sehr) straffen Tempi nichts Weihevolles oder vordergründig Himmeljauchzendes an sich. Die Musik wirkt vielmehr im unerbittlichen Vorwärtsdrängen und in ihrer wild archaischen Kraft ungemein modern. Das Ende der Symphonie gerät zur hymnischen Fanfare, zu einer leuchtenden Apotheose in Dur. Symphonisches Glück vom Feinsten.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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