
Kraftvoller Haitink
Die Live-Aufnahme von Bruckners siebter Sinfonie, dirigiert vom großen Bernard Haitink im Jahr 1981, ist ein wahrer Schatz der klassischen Musik. Haitink, der sich im Zenit seiner Möglichkeiten befand, zeigt ein kraftvolles Dirigat, das von Energie, Stilsicherheit und einem langen Atem für Phrasierungen geprägt ist. Die siebte Sinfonie von Bruckner war ein unmittelbarer Publikumserfolg und markierte den Durchbruch des Komponisten. Haitink und das Orchester bringen diese machtvollen Klänge zum Leben und füllen sie mit Emotion und Tiefe. Die Hommage an Richard Wagner im zentralen Adagio ist eine erschütternde Trauermusik, ein tönendes Wagner-Epitaph, der unter Haitinks Leitung besonders berührend wirkt. Haitinks Interpretation des symphonischen Repertoires, insbesondere der deutsch-österreichischen Spätromantik, wurde weltweit hochgeschätzt. Seine Fähigkeit, die Klangarchitektur einer musikalischen Komposition mit ihren vielschichtigen Verflechtungen hörbar zu machen, war sein oberstes Prinzip. Er kombinierte äußerste klangliche Sensitivität mit einer deutlich strukturierten Notenauslegung, was seine Interpretationen unverwechselbar machte. Diese Live-Einspielung von Bruckners siebter Sinfonie, die 1981 vom großen Bernard Haitink dirigiert wurde, ist ein wahrer Schatz der klassischen Musik. Haitink, der sich im Zenit seiner Möglichkeiten befand, zeigt ein herausragendes Dirigat, das von Energie, Stilsicherheit und einem langen Atem für Phrasierungen geprägt ist. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks demonstriert einmal mehr seine hohe Spielkunst. Im ersten Satz zeigt Haitink seine Fähigkeit, die Klangarchitektur einer musikalischen Komposition aufzufächern. Bereits das einleitende Tremolo der Streicher gelingt ungewöhnlich aktiv in der Artikulation. Haitink führt das Orchester mit einer Präzision, die es ermöglicht, die komplexen harmonischen Strukturen und melodischen Linien, die Bruckner geschaffen hat, vollständig zu erfassen. Wunderbar weich intonieren die Streicher und das subtil beginnende Solo-Horn zaubern eine besondere Atmosphäre. Der zweite Satz ist eine Hommage an Richard Wagner und endet mit einer erschütternden Trauermusik in den Tuben. Haitink beginnt dieses besondere Adagio mit einer tiefen emotionalen Sensibilität, die einen deutlichen Sog entwickelt. Die Blechbläser und Streicher spielen eine entscheidende Rolle in diesem Satz und liefern eine beeindruckende Leistung. Mit großer Ruhe steuert Haitink den Höhepunkt an, der im hellsten Licht erstrahlt. Im dritten Satz zeigt das Orchester seine technische Brillanz und musikalische Agilität. Haitink führt das Orchester mit einer Energie und Dynamik, die den rhythmischen Drive und die lebendige Textur des Satzes hervorheben. Brillant und mit Ausdauer zeigen sich hier die Blechbläser von ihrer besten Seite. Der vierte und letzte Satz ist dann der finale Höhepunkt der Sinfonie. Haitink und das Orchester bringen diese machtvollen Klänge zum Leben und füllen sie mit Emotion und Tiefe. Jeder Musiker trägt seinen Teil dazu bei, ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen, und das Ergebnis ist ein atemberaubendes musikalisches Erlebnis. Haitink bleibt auch hier der in sich ruhende Souverän am Pult und führt das Werk mit Noblesse zu ihrem großen Ende. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, mit dem Haitink eine langjährige und intensive künstlerische Zusammenarbeit verband, liefert hier eine vortreffliche Leistung. Die Musiker spielen mit hoher Präzision und Hingabe. Vorzüglich sind die Bläser, vor allem Solo-Horn und die übrigen Blechbläser. Die Holzbläser gestalten einen großen Reichtum an Farben, während die Streicher dazu ein sonores Klangbild realisieren. Diese CD ist ein weiteres beeindruckendes Zeugnis der künstlerischen Zusammenarbeit zwischen Bernard Haitink und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Sie bietet einen tiefen Einblick in das Schaffen von Bruckner. Sie ist ein passendes Andenken an den großen Dirigenten Bernard Haitink, dessen Tod im Oktober 2021 eine Ära beendete. Diese Aufnahme ist ein leuchtendes Beispiel für sein musikalisches Vermächtnis und eine schöne Referenz im Bruckner Jahr 2024.
Dirk Schauß, im Januar 2024
Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 7 E-Dur
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Bernhard Haitink, Leitung
BR Klassik, 900 218

