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CD ANTON BRUCKNER MESSE in e-MOLL; IGOR STRAVINSKY MESSE – RUNDFUNKCHOR BERLIN, RUNDFUNK-SINFONIEORCHESTER BERLIN; Pentatone

21.06.2020 | cd

CD ANTON BRUCKNER MESSE in e-MOLL; IGOR STRAVINSKY MESSE – RUNDFUNKCHOR BERLIN, RUNDFUNK-SINFONIEORCHESTER BERLIN; Pentatone

 

Anton Bruckners bekannteste Messkomposition ist wohl die Messe in f-Moll mit Chor, vier Solisten und einem großen Orchester. Die „nur“ für ein Bläserensemble und Doppelchor geschriebene Messe in e-Moll, die hier in der Edition 1882, revidiert 1885&1886 präsentiert wird, ist die archaisch-sprödere, dafür aber kühnere Komposition. Kreiert hat sie Bruckner auf Auftrag für die Einweihung der Votivkapelle des Mariä-Empfängnis-Doms in Linz. Der entsprechende Festgottesdienst fand aus Platzgründen im Freien statt. Daher rührt auch die kleinere Besetzung. Bruckner knüpft hier an die seit dem Barock gängigen Landmessen an, wo Bläser die vokale Seite verstärkten. Von den komplexen a Capella Teilen, die in ihrer Doppelchörigkeit bisweilen an venezianische Renaissancemusik erinnern, aber auch chromatisch unglaublich ausdrucksstark sind, geht eine intensive spirituelle Kraft aus. 

 

Der großartige Rundfunkchor Berlin, stets klangschön, in den Stimmgruppen ausgewogen und intonationssicher, begeistert mit einer hoch expressiven Interpretation. Der Hörer findet sich in einem kraftvollen Gebet, in einem von Bruckner so unnachahmlich in Töne gegossenen Flehen zum Himmel. Dirigent Gijs Leenaars setzt auf zügige Tempi, und zelebriert eine trotz aller Klangdichte immer durchhörbar bleibende Messmusik. 

 

Igor Stravinsky schrieb seine im Vergleich zu Bruckner leichtgewichtigere Messe für Chor und Blasinstrumente in Los Angeles 1948. Das an der Mailänder Scala uraufgeführte etwa 16 Minuten kurze Werk kontrastiert den gemischten Chor mit einem Holzbläserquintett (zwei Oboen, Englischhorn und zwei Fagotte) und einem Blechbläserquintett (zwei Trompeten und drei Posaunen). In bester neoklassischer Manier greift Stravinsky in reizvoller Weise auf Traditionen alter geistlicher Musik aus Frankreich und Italien zurück. Und wiederum darf von einer optimalen Wiedergabe durch die Ensembles aus Berlin berichtet werden. Besonderes Lob gebührt den exzellenten Sängerinnen und Sängern der durchaus anspruchsvollen Chorsoli. 

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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