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CD ALEXANDER ULLMANN spielt Arrangements für Klavier solo aus Tchaikovskys Nussknacker, Prokofievs „Cinderella“ sowie Stravinskys Petrushka und Feuervogel; Rubicon

17.03.2020 | cd

CD ALEXANDER ULLMANN spielt Arrangements für Klavier solo aus Tchaikovskys Nussknacker, Prokofievs „Cinderella“ sowie Stravinskys Petrushka und Feuervogel; Rubicon

 

Bearbeitungen von Orchesterwerken für Klavier solo gab und gibt es zuhauf aus unterschiedlichsten Perioden und Motiven. Einige von ihnen überraschen mit einem besonderen, neben dem Original eigenständig reizvollen Charakter mittels passgenauer Nutzung aller dem Klavier offen stehenden Möglichkeiten. So etwa bei der „Nussknacker Suite“, virtuos schillernd arrangiert vom russischen Pianisten Mikhail Pletnev, oder natürlich den meisten Bearbeitung von Franz Liszt.  

 

Der junge britische Pianist Alexander Ullmann hat sich für sein Solo-Debütalbum beim Label Rubicon vier Ballettmusiken in diversen Arrangements der russischen Komponisten Tchaikovsky, Stravinsky und Prokofiev ausgesucht. Der Gewinner des Internationalen Franz Liszt Wettbewerbs 2017 in Utrecht findet in allem Überschwang, selbst im arpeggiert rauschenden Nussknacker ,Pas de deux‘ immer die feine Klinge. Mit Noblesse und federnder Leichtigkeit geht er an Tchaikovsky heran. Die siebenteilige Suite erzählt im Kern von den Abenteuern der Clara mit dem nächtlich zum Leben erwachten Nussknacker, der sich in einen eleganten Prinzen verwandelt und das entzückte Mädchen in das Reich der Süßigkeiten führt. Pletnev hat für seine Satzfolge Teile der Orchestersuite mit Stücken aus dem vollständigen Ballett montiert. 

 

Von Igor Stravinsky sind drei Sätze aus „Petrushka“ (von Stravinsky selbst im Juni 1911 für den polnischen Pianisten Artur Rubinstein arrangiert) und die „Feuervogel Suite“, eingerichtet von Guido Agosti, zu hören. Alexander Ullmann trifft schon im ,Russischen Tanz‘ trefflich den märchenhaften Ton der eckig auftretenden Gliederpuppe. ,Chez Pétrouchka‘ und der ,Gang zum Jahrmarkt‘ sind lautmalerische Erkundungen konkreter Episoden. Der Jahrmarkt mit seinen bunten Buden, den vollblütigen Straßenmusikern, wankenden Betrunkenen und ihre Ware lauthals anpreisenden Marktschreiern ersteht bei Ullmann in all seiner schrillen Geräuschkulisse noch immer als liebevoll und präzis gezeichnete Genreszene. 

 

1928 transkribierte der Busoni Schüler Guido Agosti Musik aus dem ,Feuervogel‘, die ,Danse infernale‘, die ,Berceuse‘ und das ,Finale‘. Alle drei Teile sind ausladend konzipiert, weit gefächert, der gesamte Tonumfang des Klaviers wird einbezogen.  Ullmann gibt sich bei seiner Interpretation nicht mit der atemberaubenden Fingerfertigkeit und dem Zurschaustellen technischer Meisterschaft zufrieden. Wie bei einer großen bestickten Ballrobe sitzt jedes kleine Detail, funkeln die Glasperlen und glitzern die Silberfäden. Ullmann hält stets die Balance zwischen Rhetorik und Klang. Der Anschlag ist von einer traumwandlerischen Sicherheit, kraftvoll sehnig, stets klar und der Architektur der Musik zuträglich. 

 

Prokofiev hat die „Sechs Stücke aus Cinderella“, Op. 102, selbst für Klavier arrangiert. Freilich war zur Zeit der Konzeption 1940 Cinderella keine Prinzessin, sondern eine sowjetische Heldin, die materiellen Besitz für ein proletarisches Idealleben ablehnt. Gott sei Dank ist absolute Musik für sich nie politisch, sie kann nur Stimmungen/Klangflächen/Harmonien/Melodien etc., aber keine politischen Ideologien abbilden bzw. transportieren. Prokofiev hat zudem eine erstaunlich lyrische Musik geschaffen, die Alexander Ullmann noch verfeinert. Nach all den irrlichternden dunklen Ahnungen, den kreischenden Stiefschwestern, der tänzerischen Ausgelassenheit des Pas-de-châle zaubert Ullmann vor unseren Ohren am Ende den paradiesischen Feengarten aus dem Hut. Was für ein begnadeter Geschichtenerzähler dieser Alexander Ullmann auf seinem Instrument doch ist. Und jetzt wollen wir von diesem gerade einmal 28 Jahre jungen, dennoch schon in seiner Reife stupenden Musiker ein Album mit Musik von Franz Liszt hören.

 

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

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