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CD: ALEKSANDRA KURZAK: DESIRE  – Morphing Chamber Orchestra Vienna, Frédéric Chaslin

29.05.2020 | cd

CD: ALEKSANDRA KURZAK: DESIRE  – Morphing Chamber Orchestra Vienna, Frédéric Chaslin

Aleksandra Kurzak - Desire (CD) – jpc

Was Verismo angeht, ist noch Luft nach oben

Mit ihrem neuen Album macht sich Aleksandra Kurzak auf den Weg zu neuen Ufern. Vom Belcanto-Repertoire, mit dem sie bisher ihre grossen Erfolge feierte, macht sie sich auf den Weg ins spärtere 19. Jahrhundert.

„Ecco: Respiro appena… Io son l‘umile ancella“ aus Cileas Adriana Lecouvreur gerät noch etwas verhalten. Wesentlich leichter geht ihr „Surta è l notte … Ernani, Ernani, involami“ aus Verdis Ernani durch die Kehle: hier überzeugt sie mit perfekten Koloraturen und wunderbarer Dramatik. Das „Vissi d’arte“ aus Puccinis Tosca gelingt ihr sehr schön verinnerlicht. „C’est des contrabandirs le refuge ordinaire… Je dis que rien ne m’epouvante“ gelingt perfekt. Grosses Lob an den Sprachcoach! Dem “Qual fiamma avea nel guardo! … stridono lassù“ aus Leoncavallos „Pagliacci“ fehlt – bei aller technischen Rafinesse – die veristische Dramatik. Mit dem Lied an den Mond aus Dvořaks Rusalka („Měsičku na nebi hlubokém“) und „Ha! Dzieątko nam umiera … O mój malenikI!“ aus Moniuskos „Halka“ kommt Kurzak zu den slawischen Sprachen: Lyrik und Sentiment vom Feinsten! Mit dem „Un bel dì vedremo“ aus Puccinis Butterfly gelingt es Kurzak hervorragend die Zerbrechlichkeit der Cio-Cio-San hörbar zu machen. Mit „Mercé, dilette amiche“ aus Verdis „I vespri siciliani“ und “D’amor sull ali rosee“ aus dem Trovatore kann Kurzak wieder voll und ganz überzeugen. Mit „Signore, ascolta!“ aus Puccinis „Turandot“ ist der Verismo nochmals vertreten. Mit einer mustergültigen Interpretation der Briefszene („Puskai pogibnu ya“) aus Tschaikowskis „Eugen Onegin“ schliesst das Album.

Das Morphing Chamber Orchestra Wien unter der Leitung von Frédéric Chaslin ist Kurzak eine verlässliche Begleitung.

Was Verismo angeht, ist noch Luft nach oben.

27.05.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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