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CD: Adorations Haydn, Barber, Mendelssohn, Price Isodere String Quartet Delos, DE3622

26.03.2026 | cd

Das Isidore String Quartet stürmt den Olymp der Kammermusik

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Es gibt diese seltenen Momente, in denen man schon nach den ersten Takten spürt: Hier ist kein bloßes Talent am Werk, sondern eine echte Berufung. Das Isidore String Quartet – benannt nach dem legendären Geiger Isidore Cohen – liefert auf seinem Debütalbum „Adorations“ (Delos) genau diesen Beweis. Die vier Juilliard-Absolventen Adrian Steele, Phoenix Avalon, Devin Moore und Joshua McClendon musizieren als organische Einheit, bei der der Ensemblegeist klar über solistischer Brillanz steht. Wer ihre Siege bei der Banff International String Quartet Competition 2022 und den Avery Fisher Career Grant 2023 noch als Vorschusslorbeeren abtat, wird hier eines Besseren belehrt: Diese Aufnahme besticht durch Direktheit, emotionale Ehrlichkeit und eine Reife, die weit über das Alter der Musiker hinausgeht.

Den Auftakt macht Joseph Haydns Streichquartett in C-Dur op. 20 Nr. 2 – ein Werk voller Experimentierfreude. Das Isidore Quartet entfaltet ein transparentes, freundschaftliches Gespräch: Hier wird nicht doziert, sondern zugehört, interveniert und gemeinsam geschmunzelt. Das Capriccio gewinnt durch provokante Energie und ruppige Direktheit, das Menuetto atmet eine augenzwinkernde Leichtigkeit, und die abschließende Fuge führt alles mit zwingender Logik zu einer befreienden Auflösung.

Einen vollkommenen Kontrast bildet Samuel Barbers berühmtes Molto adagio aus op. 11. Ein heikles Stück für ein Debüt, weil Sentimentalität schnell lauert. Doch das Quartett findet eine berührende Balance: Die Kantilene wird nicht glatt serviert, sondern als schmerzhafter, erdiger Prozess. Viola und Cello geben der Musik Wärme und Tiefe, die Spannung wird bis zur Schmerzgrenze gehalten – und die Stille danach hallt lange nach. Eine beeindruckende Reife in der Phrasierung.

Im Zentrum steht Felix Mendelssohns Streichquartett Nr. 5 in Es-Dur op. 44 Nr. 3. Hier zeigen die Isidores ihre offensive, leidenschaftliche Seite. Das Allegro vivace sprüht vor heiterer Lebensfreude, das Scherzo wird zur virtuosen „Hexenküche“, in der die Motive wie Funken sprühen – bei gleichzeitig eiserner rhythmischer Präzision. Das Adagio non troppo singt choralartig und homogen, bevor das Finale (Molto Allegro con fuoco) zum regelrechten Flächenbrand wird: heiß, drängend und dennoch strukturell makellos.

Den zauberhaften Abschluss bildet Florence Prices „Adoration“ in der Bearbeitung von Samuel Araya. Diese kurze Komposition strahlt eine Innigkeit und melodische Wärme aus, wie man sie heute nicht so oft hört. Das Isidore String Quartet nähert sich ihr mit zärtlicher Hingabe – die Harmonien leuchten wie ein spätsommerlicher Abend, und jede Wendung wird liebevoll ausgekostet. Ein passender Schlusspunkt, der den Albumtitel „Adorations“ mit Leben füllt.

Das Klangbild von Delos ist warm, intim und gleichzeitig gut gestaffelt – man sitzt mitten im Raum und spürt den Dialog der vier Stimmen direkt.

Das Isidore String Quartet verbindet Haydn, Barber, Mendelssohn und Price zu einem Gewebe aus Menschlichkeit und echter Begeisterung. Ein Debüt, das nicht nur beeindruckt, sondern neugierig macht auf alles, was von diesem Ensemble noch kommen wird. Für alle, die Kammermusik mit Herz und Hirn suchen: unbedingt anhören.

Dirk Schauß, im März 206

 

Adorations

Haydn, Barber, Mendelssohn, Price

Isodere String Quartet

Delos, DE3622

 

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