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BURGTHEATER 1976-2009

10.02.2013 | buch

BURGTHEATER 1976-2009
Aufführungen und Besetzungen
Hrsg. Katharina Fundulus / Burgtheater GmbH.
660 Seiten, Böhlau Verlag 2012

Dem Theaterfreund wird sich ein erleichtertes „Endlich!“ entringen. Wer auf sich hält, hat seit Jahr und Tag zwei braun gebundene Bände in seinem persönlichen Handapparat, einer voluminös, einer schmäler, kurz „die Alth“ genannt – die Bände „Burgtheater 1776-1976. Aufführungen und Besetzungen von zweihundert Jahren“, vor mehr als dreißig Jahren verdienstvoll zusammengestellt von Minna von Alth –  ein Nachschlagewerk von der ersten Vorstellung des Hauses (damals regierte noch Maria Theresia!) bis zur letzten der Ära Klingenberg. Was danach kam, musste man sich in Einzelwerken eher mühsam zusammen stückeln (obwohl sowohl Benning wie Peymann jeweils ihre Ära ausführlich dokumentieren ließen – aber zum Blättern, nicht zum schnellen Nachschlagen).

Nun liegen die Burgtheater-Direktionen von Achim Benning (76/77 bis 85/86), Claus Peymann (86/87 bis 98/99) und Klaus Bachler (1999/2000 bis 08/09) – drei langlebigen Herren auf dem Schleudersitz – vor.

Es sind die Fakten, Fakten, Fakten, nichts anderes – ein Nachschlagewerk, kein Leserbuch. Die Interpretation freilich kann man selbst unternehmen, wenn man das Buch nicht nur zur Auffrischung der Erinnerung braucht, was natürlich auch möglich ist.

Monat für Monat verfolgt man, was geschehen ist – Datum, Haus (es gibt ja neben dem Burgtheater noch das Akademietheater und eine wechselnde Anzahl anderer Räume), Stücktitel, Autor, Regieteam, die komplette Besetzung mit Rolle und Interpret. Letztere nur per Nachnamen, aber die Vornamen kennt man (und ganz zur Not gibt es noch ausführliche Register am Ende – da kann man nachschauen und sich erinnern, was der persönliche Liebling so alles im Lauf der Jahre gespielt hat).

Aber in einem Theater gibt es ja nicht nur Premieren, sondern auch andere Ereignisse – auch da funktioniert die Chronik, erzählt von Gastspielen, Ehrungen, Ausstellungen, berichtet auch vom Ableben der Mitglieder.

Wer Statistiken liebt, kann im Anhang, wo die Stücke noch einmal alphabetisiert aufscheinen, auch nach Erfolgen Ausschau halten – ob ein Stück nur zehnmal oder 83mal (letzteres war ein Nestroy) auf dem Spielplan steht, ist ja nun auch eine aussagekräftige Information. Manches freilich war als „einmalig“ im doppelten Sinn des Wortes gedacht – 2005 etwa hat Klaus Bachler ja Hermann Nitsch mit seinem „orgien mysterien theater“ in die Burg geholt. Man erinnert sich an Blut und Fleisch in den Heiligen Hallen…

Wer dergleichen „lesen“ kann, indem ihm die Information mehr bedeutet als nur die aufgezählten Fakten, findet jene Basis, die man  benötigt, um die letzten Jahrzehnte der Burgtheatergeschichte nachzuvollziehen. Unverzichtbar für den, der es will, und gar für den, der es braucht.

Renate Wagner

 

 

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