Giuseppe Verdi: Aida • Opera Națională București • Vorstellung: 17.01.2024
(Premiere am 12.09.1996)
Aida pur
Neben zeitgenössischen Produktionen wie dem «Œdipe» («Oedipe») in der Regie von Stefano Poda (Kritik folgt) hat die Nationaloper Bukarest auch ganz klassische Produktionen wie die «Aida» in der Regie von Plamen Kartaloff im Repertoire.

Aida 2. Akt, Foto © C.H.
Plamen Kartaloffs Regie überzeugt durch ihre Werktreue und tadelloses Handwerk. Frei vom Drang sich oder irgendwelche Konzepte präsentieren zu müssen, lässt er dem Werk und den Künstlern den Raum zur Geltung zu kommen und die Geschichte zu erzählen. Viorica Petrovicis Bühnenbild besteht aus vier antikisierenden architektonischen Elementen mit altägyptisch angehauchten Reliefs, die immer wieder neu arrangiert werden. Mit der stimmungsvollen Beleuchtung (auf dem Besetzungszettel nicht genannt) und der Einblendung von Palmen im Nil-Akt ergeben sich so ausgesprochen stimmungsvolle Bilder. Francisc Valkay hat das Ballett der Nationaloper Bukarest, das massgeblich zum stimmungsvollen Eindruck beiträgt, choreographiert.

Foto © C.H.
Iurie Florea dirigiert das Orchester der Nationaloper Bukarest und hat das Geschehen fest im Griff. Das Prädikat «sängerfreundlich» kann er für sein Dirigat allerdings nicht beanspruchen, denn das Orchester steht bei ihm, selbst wenn es die Sänger zudeckt, an erster Stelle.
Die Krone des Abends gebührt dem von Daniel Jinga und Adrian Ionescu vorbereiteten Chor der Nationaloper Bukarest. Die Damen und Herren des Chores absolvieren Part mit grosser Wärme, enormer Kompaktheit und überragender Stimmschönheit.
Bianca Mărgean als Aida mit wunderbarvollem, perfekt ansprechendem und in jeder Lage warm und mit viel Wohlklang ansprechendem Sopran und tadellos verblendeten Registern. Sorana Negrea gibt die Amneris mit gut geführtem Sopran, dem es etwas an der häufig erwarteten «rauchigen» Farbe fehlt. Insofern sind beide Damen gut aufeinander abgestimmt. Daniel Magdal gestaltet mit seinem hellen, höhensicheren Tenor mit leichten Metall einen Radames von eindrücklicher Bühnenintensität. Auch die tiefen Herrenstimmen, die von Lucian Petrean als Amonasro und Marius Boloo als Ramfis, harmonieren tadellos. Simona Neagu als Hohe Priesterin, Filip Panaials als König und Valentin Racoveanu als Bote ergänzen das Ensemble.
Aida pur!
Vorerst keine weiteren Aufführungen.
19.01.2024, Jan Krobot/Zürich

