Budapest / Hungarian State Opera 21.02.2026: „ONEGIN“. – aufwühlendes emotionales Ballettdrama
Der schlichte goldfarbene Schriftzug Anyegin auf transparentem Vorhang zu Vorstellungsbeginn, hinterlegt mit einem schwarzen Vorhang, hebt sich und man ist mitten drin im Geschehen. John Cranko setzte mit seiner Choreografie den gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin als dreiaktiges Ballett meisterhaft für die Bühne um. Zur Musik von P. I. Tchaikovsky – arrangiert von Kurt-Heinz Stolze – nimmt das Bühnengeschehen seinen fatalen Lauf, hier passend in Szene gesetzt durch die der historischen Zeit der literarischen Vorlage entsprechenden Kostüme sowie in einem etwas reduzierten Bühnenbild – beides entworfen von Thomas Mika. (Lichtdesign: Steen Bjarke).
Für die aktuelle Wiederaufnahme dieses bekannten Handlungsballettes kam Reid Anderson persönlich für das finale Fitting der Proben nach Budapest, nachdem er im Herbst bereits die Besetzungen fixiert hatte. Für diese Vorstellungsserie von „Onegin“ gibt es daher auch mehrere Besetzungsvarianten, verfügt das Ungarische Nationalballett unter der Leitung von Tamás Solymosi doch über viele exzellente Tänzerinnen und Tänzer.
In der samstäglichen Abendvorstellung überzeugt Gergő Ármin Balázsi in der Titelrolle als Onegin. Gelangweilt von der Landadelsgesellschaft, deren Gast er ist, fühlt er sich in seiner Borniertheit zwar zunächst von Tatjanas Schwärmerei belustigt, aber dann so belästigt, dass sich seine kühl-distanzierte Haltung in dreiste Provokation gegenüber seinem Freund Lenski und dessen Verlobter Olga wandelt. Erst als er durch sein gedankenloses Vorgehen den Tod seines Freundes Lenski im Duell verschuldet hat, zeigt er Betroffenheit. Schließlich muss er verzweifelt erkennen, dass er wegen seiner unbedachten Selbstgefälligkeit die Liebe Tatjanas unwiederbringlich verloren hat.

Geträumte Liebe: Gergő Ármin Balázsi (Onegin) und Maria Yakovleva (Tatjana) ©Valter Berecz / Hungarian State Opera
Maria Yakovleva verkörpert mit intensiver Ausdrucksstärke die stille, introvertierte Tatjana, die beim Zusammentreffen mit dem dandyhaften Onegin von mädchenhafter Schwärmerei für ihn erfüllt ist, allerdings von ihm grob zurückgewiesen wird. Ihrem Gemahl Gremin in tiefer Zuneigung zugetan, widersteht sie schlussendlich bei einem unerwarteten Wiedersehen mit Onegin Jahre später in einem heftigen Gefühlsausbruch seinem Liebeswerben. Grandios wie sie sich im Spiegel-Pas de deux ihre Liebe zu Onegin erträumt, berührend, wie sie im letzten Akt Onegin unter Aufbietung aller emotionalen Kraft wegschickt. Diese emotionale Aufgewühltheit hält auch noch beim Schlussapplaus an, bei dem sie sichtlich noch bewegt ist.
Gefühlsintensiv zeigen sich auch Yuki Wakabayashi als quirlige, naive Olga und Viachaslau Hnedchyk als empfindsamer Lenski.
Luca Massara gefällt als sympathischer Gremin, der Tatjana ein liebevoller Ehemann ist. Ludmilla Taran (Larina) und Ágnes Riedl (Amme) ergänzen solide agierend.

Auf dem Fest im Haus von Madame Larina; ©Valter Berecz / Hungarian State Opera
Das Corps de ballet, das bereits in der Matineevorstellung am selben Tag im Einsatz war, tanzt mit viel Esprit und Präzision in den Ensembleszenen und erhielt dafür stets viel Applaus.
Paul Connelly, der vergangene Woche noch in Wien für das Wiener Staatsballett die Aufführungen von „Jewels“ dirigiert hatte, sorgte hier mit dem Hungarian State Opera Orchestra für einen feinen nuancierten Musikklang.
Das Publikum im ausverkauften Opernhaus war vom großartig Dargebotenen sehr begeistert und spendete langanhaltenden intensiven Beifall mit Bravorufen.
Ira Werbowsky

