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BUDAPEST/ Ungarische Staatsoper: LOHENGRIN. Festspielreife Neuinszenierung. Premiere

19.11.2025 | Oper international

Budapest/Staatsoper: „LOHENGRIN“ – Pr. 15.11.2025

Festspielreife Neuinszenierung

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Pressefoto von Valter Berecz

Das war ein Wagner-Abend der besonderen Art an diesem Kleinod von einem Opernhaus! Das begeisterte Publikum im ausverkauften, aber dennoch nicht vollbesetzten Haus an der Andrassy utca erlebte eine Neuproduktion der romantischen Oper „Lohengrin“ von Richard Wagner, die in der Regie von András Almási-Tóth und im Bühnenbild und Lichtdesign von Sebastian Hannak, aber auch von den Solisten und vom Chor her, den Bayreuther Festspielen selbst zu ihrer besseren Zeit zur Ehre gereicht hätte. 

Hannak stellte ein opulent wirkendes britisches Kaufhaus des 19. Jahrhunderts mit seinen für die damalige Zeit typischen Metallkonstruktionen – weitgehend in Gold –  auf die Bühne mit einer Galerie über alle drei Seiten und einer großen Brücke im Vordergrund für die Auftritte der Protagonisten. Darunter agierte der Chor in äußerst vielseitigen und im Großen und Ganzen geschmackvollen Kostümen mit den typischen britischen Zylindern von Krisztina Lisztipád. Es war eine außergewöhnlich große Zahl an Akteuren im Einsatz.

Im 2. und 3. Akt wird eine bühnenbreite Box mit einer schwarzen Seite für das intrigante Paar mit Video-Überwachungskameras und einem goldenen Ambiente für Lohengrin und Elsa installiert. Das bringt ein Stück surreale Phantasie in das ansonsten eher realistische Bühnenbild und sorgt somit für eine interessante Akzentuierung der Handlung und Konzentration auf das Wesentliche. In der goldenen Box entwickelt sich denn auch die entscheidende Szene zwischen Lohengrin und Elsa sehr authentisch und emotional. Der Regisseur verfolgt überhaupt eine sehr werkgerechte Personenregie, die von den Sängern auch entsprechend mitgetragen wird. 

Die Inszenierung wartete trotz aller Realität auch mit einigen interessanten mystisch verklärten Elementen auf. So gab es zwei Tänzer, die einen goldenen Schwan (Vincent Elias Heyme) und einen schwarzen Schwan (Tamás Batór Jr.) in leicht gefiederten Kostümen verkörperten, natürlich die beiden Sphären um Lohengrin/Elsa und Telramund/Ortrud verkörpernd. Sie irrten mit seltsamen Bewegungen (Latin American Dance/Show Dance) immer wieder durch das Bild. Gemeinsam präsentierten sie gegen Ende des Vorspiels, das also leider nicht durchgängig vor geschlossenem Vorhang ablief, bereits den später zurückkehrenden Gottfried – wie eine Klammer um die ganze Geschichte. Beide führten stellvertretend auch den oft wenig überzeugend wirkenden Kampf zwischen Lohengrin und Telramund aus – eine sehr gute Idee des Regisseurs! Es gab noch einen dritten Schwan in dieser Aufmachung, der Lohengrin am Ende abholt. Diese surrealen Momente taten der Inszenierung gut, die einen „Lohengrin“ erleben ließ, wie ihn sich Wagner mit den heutigen technischen Mitteln auch hätte vorstellen können.

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Pressefoto von Valter Berecz

Ganz erheblich trug zum allgemeinen Erfolg der junge und in silberner Ritterrüstung attraktiv auftretende charismatische Christopher Sokolowski als Lohengrin bei, der neben einer mitnehmenden darstellerischen Leistung auch mit einem klangvollen jugendlich-dramatischen Heldentenor glänzte. Er hat den Lohengrin schon in Bremen gesungen, auch einige Parsifale, und ist mit seinem stimmlichen Potential und seiner optischen Erscheinung sicher ein großes Talent auf der Opernbühne in den kommenden Jahren, zumal im Wagner-Fach. Seine Rollen-Interpretation war höchst eindrucksvoll, auch wenn die Stimme, er ist erst Anfang 30, an Breite und Volumen gewinnen wird. Johanni van Oostrum war eine vielseitige Elsa mit dem bestens zur Rolle passenden Timbre und agiler Rolleninterpretation. Dass ihr Sopran an Dramatik gewonnen hat, konnte sie vor kurzem als Sieglinde beweisen. Judit Kutasi war eine kraftvoll und mit schönem Mezzo-Timbre singende sowie giftige Ortrud. Egils Silins glänzte nur 11 Tage nach seinem letzten Jochanaan am Teatro Colón von Buenos Aires als Telramund mit kraftvoller, akzentuierter Stimme sowie perfekter Diktion. Kostas Smoriginas sang den Heerrufer, der gemeinsam mit Gottfried am Ende durch Ermordung von König Heinrich einen Regime-Change einleitete. Derek Welton gab König Heinrich ansprechend mit einem eher hellen Bass.

Der ganz offensichtlich sehr talentierte junge Dirigent und Assistent von Ádám Fischer, Martin Rajna, dokumentierte mit dem Orchester der Ungarischen Staatsoper bereits große Wagner-Kompetenz und gestaltete ein detailreiches und sehr transparentes Klangbild. Der von Gabor Csiki geleitete Chor der ungarischen Staatsoper sang absolut festspielreif, und der von Nikolett Hajzer einstudierte, aber etwas zu groß geratene Kinderchor war ebenfalls eindrucksvoll. Ein großer Abend an der Ungarischen Staatsoper!      

 Klaus Billand 

 

 

 

 

 

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