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BUDAPEST/ Staatsoper: TOSCA

08.12.2023 | Oper international

07.12.2023   Staatsoper Budapest   „Tosca“

Dieses magische Datum ist nicht nur an der Mailänder Scala ein Fixpunkt des musikalischen Lebens (heuer mit der Premiere des „Don Carlos“), die Wiener Staatsoper setzte an diesem Tag auch die Premiere der „Turandot“ auf den Spielplan. Abseits dieser großen Kaliber spielte man aber auch andernorts Oper, und das nicht so schlecht. In Budapest hatte „Tosca“ im Vorjahr Premiere, in der aktuellen Saison steht diese Produktion mehrmals auf dem Programm.Wahrscheinlich werden hierzulande nur wenige mit den Namen des Leading-Teams schon Bekanntschaft gemacht werden. Regisseur Sylveszter Ókovács war bemüht, dieses Werk so herkömmlich wie möglich auf die Bühne zu stellen. Freilich musste auch er dem Zug der Zeit Tribut zollen, und einige Besonderheiten bieten: Angelotti tritt aus dem Zuschauerraum auf, von kreisenden und stark blendenden Scheinwerfern beleuchtet, eine Möglichkeit, aber keine Notwendigkeit. Auch Scarpia betritt die Szene auf ebendiese Weise. Zu Beginn eines jeden Aktes gibt ein Darsteller mimisch zu erkennen – ja was eigentlich, dass sein Auftritt folgen wird? Ein kurzer in ungarischer Sprache vorgetragener Text war leider den zugreisten Gästen nicht verständlich, vielleicht eine Erklärung der komplizierten Handlung? Ein riesiger Panzer, der auch im Saal für Unbehagen sorgte, dominierte das zweite und dritte Bild. Das Erschießungskommando wurde nach erfolgter Tat selbst von einer mit Maschinenpistolen bewaffneten Truppe niedergemetzelt. Tosca erschießt sich zu guter Letzt im bewährten Zuschauerraum.

Bebildert wurde das Geschehen von Krisztina Lisztopád, von der auch die passablen Kostüme (Ausnahme: Cavaradossi mit hervorquellendem Bauch im zerlumpter Kleidung) stammen. Levente Török dirigierte mit großem Einsatz und Temperament das gut spielende Orchester. Zwar gelangen nicht alle erforderlichen Effekte, aber im Großen und Ganzen konnte man mit den Musikern zufrieden sein.

In der Titelrolle war  Zsuzsanna Adam zu hören, ein dramatischer Sopran, mit viel Kraft und sicherer Höhe. Auch László Boldizsár als Cavaradossi konnte mit seiner Stimme nach anfänglicher Zurückhaltung einen großen Erfolg verbuchen. Alle Höhen gelangen bestens, in den Duetten mit Tosca war er allerdings meist zweiter Sieger. Der auch bei uns bekannte Bariton Peter Kálmán sang den Scarpia mit aller nötigen Bösartigkeit, Dramatik und Kraft, da wurde jedes Klischee bedient, nur so kann man sich diesen Schurken vorstellen. Auch in den kleineren Rollen waren gute Kräfte zu hören.

An die Sparsamkeit des Publikums beim Applaus muss man sich erst gewöhnen. Erst am Ende des Abends wurden alle Protagonisten heftigst beklatscht. Diese Opernreise nach Budapest hat sich gelohnt!

Johannes Marksteiner

 

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