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BUDAPEST/ Staatsoper: MAYERLING – glanzvolle Ballettvorstellung zur Wiedereröffnung

20.03.2022 | Ballett/Tanz

Budapest/ Staatsoper/ 19.03.2022: „MAYERLING“.glanzvolle Ballettvorstellung zur Wiedereröffnung der ungarischen Staatsoper.

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Gergő Ármin Balázsi  als Kronprinz Rudolf und Claudia Garcia Carriera  als Gräfin Larisch. © Péter Rákossy / Hungarian State Opera

Nach fünf Jahren der Schließung wegen Renovierung erstrahlt die ungarische Staatsoper nun im neuen Glanz. Das nach seinem Architekten Miklós Ybl auch als Ybl Palace benannte Opernhaus heißt im ungarischen Magyar Állami Operaház und wurde zwischen 1875 und 1884 im Stil der Neorenaissance errichtet. Das Prachtgebäude in der Andrássy út wurde nun originalgetreu restauriert und die Bühnentechnik erneuert. Rund um den ungarischen Staatsfeiertag gab es nun ein fünftägiges Festprogramm, um die Wiedereröffnung des Opernhauses zu feiern: beginnend mit einem Galakonzert am 12.März mit Beiträgen aus Oper und Ballett, folgte tags darauf die Premiere der Originalfassung von Ferenc Erkels Oper Hunyady László sowie der Ballettpremiere von „Mayerling“ in der Choreografie von Sir Kenneth MacMillan am 14.März, getanzt vom Ungarischen Nationalballett. Mit der Auswahl dieser beiden Werke wurden nicht nur zwei Stücke wieder aufgeführt, die länger nicht am Spielplan standen, sondern es wurden damit auch zwei ungarischen Komponisten geehrt: Ferenc Erkel war der erste Direktor der ungarischen Oper und Schöpfer der ungarischen Nationalhymne. Kompositionen von Franz Liszt kommen in der Orchestrierung von John Lanchbery im Ballett „Mayerling“ zur Verwendung.

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Gergő Ármin Balázsi  (Kronprinz Rudolf) und Yourim Lee (Prinzessin Stephanie). © Péter Rákossy / Hungarian State Opera

Das dreiaktige Handlungsballett rund um Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera hatte seine ungarische Erstaufführung 2004 – damals tanzten Zoltán Nagy jr. und Tamás Solymosi alternativ die Hauptrolle. Ist nicht nur ein historischer Konnex zwischen Österreich und Ungarn mit der Tragödie von Mayerling verbunden, so gibt es auch einen balletthistorischen Zusammenhang: Erst vier Jahre später gelangte dieses Ballett auch ins Repertoire des Wiener Staatsballetts, mit Irina Tsymbal als Mary Vetsera, Karina Sarkissova als Mizzi Kaspar  bzw. Gräfin Larisch und Balázs Delbó als Bratfisch – hatten diese Tänzer vom Ungarischen Nationalballett doch mit neuem Engagement nach Wien an die Staatsoper gewechselt.

Für den jetzigen Anlass der Premiere zur Wiedereröffnung der Ungarischen Staatsoper wurden die Ausstattung und die Kostüme nach den Originalentwürfe von Nicholas Georgiadis erneuert, die Einstudierung erfolgte durch Karl Burnett (Staging ballet master) und Grant Coyle sowie Ballettdirektor Tamás Solymosi als Répétiteurs. Sir Kenneth MacMillan schuf „Mayerling“ 1978 für das Royal Ballet in London. Der schottische Choreograf setzte dabei den Focus auf die emotionale Entwicklung der Figur des Kronprinzen Rudolf, gleichwohl exzellente Technik und Partnerhandling ebenfalls gefragt sind und damit diese Partie als einer der schwierigsten im klassischen Männer-Repertoire gilt. Vor allem die vielen Pas de deux des Kronprinzen mit wechselnden Partnerinnen stehen im Zentrum der Handlung mit dem dramatischen Höhepunkt im tragischen Finale.

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Ausgelassene Stimmung mit Mizzi Kasper: Gergő Ármin Balázsi und Jessica Carulla Leon. © Péter Rákossy / Hungarian State Opera

In der Matineevorstellung am Samstag war die Premierenbesetzung zu sehen. Gergő Ármin Balázsi verkörperte den Kronprinzen Rudolf. Er zeichnet eine eindringliche psychologische Studie der Figur. Steif bei allen Auftritten im Umfeld des Kaisers wie bereits zu Beginn auf seiner eigenen Hochzeit mit Prinzessin Stephanie, verliert er seine hölzerne Haltung als körperlichen Ausdruck des Unwohlseins nur im Etablissement bei Mizzi Kaspar (Jessica Carulla Leon), wo er Zerstreuung findet. Stets auf der Suche nach Zeichen von Anerkennung und Liebe bei seiner Mutter Elisabeth (Zsófia Gyarmati), die sie ihm nur in wenigen Momenten schenken kann, bevor auch sie wieder in der Gefühlskälte der höfischen Umgebung erstarrt, zugleich aber Colonel Bay Middleton (Jurii Kekalo) gestattet, ihr zur Ablenkung den Hof zu machen. Bereits in der Szene in der Hochzeitsnacht, als Gergő Ármin Balázsi als Kronprinz mit wirrem, glasigen Blick, der Schusswaffe und dem Totenkopf seine junge Gemahlin (Yourim Lee) in Panik und Entsetzen versetzt, blickt man erstmals in die Abgründe seiner seelischen Verzweiflung. Der Prinzipal Dancer im Ungarischen Nationalballett macht in großer Eindringlichkeit seine pochenden Kopfschmerzen und seine psychischen Qualen, die er mit Morphium zu betäuben sucht, spürbar und sichtbar. Man fühlt mit ihm, ist gefangen in seiner Abwärtsspirale an Todessehnsucht und Verzweiflung in steter Verdichtung seiner Emotionen.

Solotänzerin Lili Felméry überzeugt als Mary Vetsera. Mit der nötigen Unschuld lässt sie sich von Gräfin Larisch verleiten, den von ihr in jugendlicher Schwärmerei angehimmelten Kronprinzen kennenzulernen und ihm dann in aller Konsequenz zu folgen und sogar den Tod in Kauf zu nehmen. Als intrigant die Fäden dieser Liaison spinnende Gräfin Larisch fungiert Claudia Garcia Carriera als Katalysator der Ereignisse, will sie dem Kronprinzen doch lieber selbst ein willfähriges Geschöpf zuführen, wenn sie schon ihre eigene Position als Geliebte verlieren soll. Als treuer Diener seines Herrn gefällt András Rónai als Fiaker Bratfisch. Geschmeidig, stets zur Stelle, wie ein vierfacher Schatten, so gestalten die vier ungarischen Offiziere ihren verschwörerischen Part und umgarnen den Kronprinzen: Léo Lecarpentier, Louis Scrivener, Takaaki Okajima und Junnosuke Nakamura. Laura Topolánszky überzeugt als Katharina Schratt, die mit warmen Sopran das Lied am Geburtstag von Franz Josef singt – „Leb wohl, ich muss scheiden“ und damit die dramatischen Geschehnisse gleichsam vorweg nimmt. Das Corps de ballet gefällt mit starkem Einsatz und viel Verve und rundet so das Handlungsgeschehen perfekt ab.

Paul Marsovszky debütierte als Dirigent. Der gebürtige Deutsche, der in Budapest an der Musikakademie Franz Liszt Dirigieren studiert hatte, leitete mit viel Umsicht, Gefühl und Einsatz das Orchester der Ungarischen Staatsoper.

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Bereitschaft zum gemeinsamen Tod mit Mary Vetsera – Gergő Ármin Balázsi mit Lili Felméry.© Péter Rákossy / Hungarian State Opera

Das begeisterte Publikum spendete nicht nur langanhaltenden Beifall für das Ballett, es war auch von der strahlenden Schönheit des Opernhauses fasziniert. Ira Werbowsky

Ira Werbowsky

 

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