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BUDAPEST: „III. IVÁN NAGY INTERNATIONAL BALLET GALA“. – hochkarätig besetztes Ballettfest zu Ehren des ungarischen Ballettstars

06.02.2017 | Ballett/Tanz

BUDAPEST

4.2.2017: „III. IVÁN NAGY INTERNATIONAL BALLET GALA“. – hochkarätig besetztes Ballettfest zu Ehren des ungarischen Ballettstars

Bereits zum dritten Mal wurde als Hommage an den 2014 verstorbenen Ivan Nagy eine Ballettgala abgehalten. Der international bekannte Tänzer war Partner von Starballerinen wie Margot Fonteyn, Carla Fracci, Natalia Makarova, Cynthia Gregory und Gelsey Kirkland; er hatte ab den späten 1960er Jahren weltweit gewirkt – so tanzte er u.a. beim Washington National Ballet, beim New York City Ballet und beim American Ballet Theater; weitere wichtige Stationen waren z.B. Australien, Santiago de Chile und das Cincinatti Ballet, wo er als Ballettmeister bzw. als künstlerischer Leiter tätig war. Später kehrte er nach Ungarn zurück und arbeitete seit 2012 als Berater an der ungarischen Staatsoper.

Zu Beginn des Abends wurde zunächst der Solymosi-Preis vergeben, der dieses Mal nicht einem Tänzer, sondern der Ballettmeisterin Evelyn Janács für ihre Verdienste überreicht wurde.

Zu diesem kleinen Jubiläum wurde eine hochkarätige Gästeschar versammelt, die gemeinsam mit den Stars des ungarischen Nationalballetts auftraten und vor allem klassische Highlights darboten. So gastierten auch Lieblinge des Wiener Staatsballetts: Maria Yakovleva und Denys Cherevychko brillierten mit einem furiosen Pas de deux aus „Don Quixote“ (Musik: Ludwig Minkus, Choreografie: Marius Petipa) – ein Feuerwerk an Sprüngen und Drehungen riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Drehte er 8- oder 9fache Pirouetten? Man kam kaum mit dem Zählen mit. Sie konterte mit durchgängig gedrehten einfachen und doppelten Fouettés im Wechsel. Diesem Höhepunkt am Ende des ersten Aktes folgten dann noch zwei Soloauftritte im zweiten Teil: während er mit dem Ben van Cauwenbergh-Reißer „Les Bourgeois“ nonchalant-lässig zum Jacques Brel-Chanson seine Vielseitigkeit unter Beweis stellte, galt auch ihre Solovariation mit dem Édith Piaf-Chanson „L´accordéoniste“ einem französischen Chansonstar, war aber doch ziemlich ähnlich gelagert (Choreografie: Renato Zanella).

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Liudmila Konovalova und Vadim Muntagirov im romantischen „Giselle“-Pas de deux. Photographer: Attila Nagy

Liudmila Konovalova tanzte mit Vadim Muntagirov vom Royal Ballet: im Pas de Sclaves aus  „Le Corsaire“ gaben sie als finalen atemberaubenden Schlusspunkt des Galaabends dem Publikum einen exquisiten Vorgeschmack, wird doch dieser Klassiker im Frühjahr in der Choreografie von Tamás Solymosi als ungarische Premiere der an der Budapester Staatsoper herauskommen. Muntagirovs  Sprünge waren raumgreifend und sensationell in ihrer Schwierigkeit; sie bot perfekte Technik und stilvolle Eleganz. Ein herausragendes Paar! Romantische Ästhetik verkörperte Liudmila Konovalova zuvor  im Pas de deux aus „Giselle“ (2. Akt), auch hier war Vadim Muntagirov als ihr Partner souverän in seiner Sprungkraft und zeigte edle Linie.   

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Überzeugende Bühnenpersönlichkeiten: Tatjana Melnik und Gergely Leblanc in „Esmeralda“. Photographer: Attila Nagy

Auch die Gastgeber reüssierten bei ihren Kostproben aus dem klassischen Metier: Tatjana Melnik und Gergely Leblanc begeisterten mit einem Pas de deux aus „Esmeralda“. Zuvor hatten sie schon mit dem stimmig-innigem Pas de deux zu Gustav Mahlers „Adagietto“ (Choreografie: Imre Dózsa) sehr gefallen.

Originell der Pas de deux „Schach matt“ von Marianna Venekei zu Musik von Charles Gounod mit der quirligen Jessica Carulla Leon als Schachbrett und Roland Liebich als grübelndem Spieler.

Natürlich durfte auch eine Choreografie von László Seregi in diesem Rahmen nicht fehlen – der Pas de deux aus “A Cedrus“, inspiriert vom gleichnamigen Gemälde des ungarischen Malers  Csontváry  vermittelte ungarische Seele, dargeboten von Lili Felméry und Balázs Majoros.

Temporeich und konditionsfordernd: Karina Sarkissova und Dimitry Timofeev waren mit einem Pas de deux aus „La Fille mal gardée“ zu sehen (Alexander Gorszkij nach Marius Petipa; Musik: Peter Ludwig Hertel)). In der Eigenkreation „Libertango“ tanzte Frau Sarkissova mit Gergő Balázsi ihre Version der erotischen Auseinandersetzung von Mann und Frau zu Musik von Astor Piazolla.

Den tänzerischen Reigen eröffneten 12 Mädchen des im vergangenen Herbst neu gegründeten ungarischen Nationalen Ballett Institutes. Die 8-9 jährigen Elevinnen zeigten mit der „Tritsch-Tratsch“-Polka in der Choreografie von Kornélia Mráz, dass sie mit viel Eifer bei der Sache sind.

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Klein, aber oho: Tamás Mahovics Jr. mit drei seiner fünf großen Kollegen Dénes Darab, Kristóf Morvai, Bálint Katona, Attila Szakács und Balázs Krajczár im „Háry János Intermezzo“. Photographer: Attila Nagy

Ein kleiner stahl den großen Tänzern fast die Show: im „Háry János Intermezzo“ als Einstieg nach der Pause ließen sich fünf gestandene fesche Tänzer – Dénes Darab, Kristóf Morvai,  Bálint Katona, Attila Szakács und Balázs Krajczár – von Tamás Mahovics Jr. sozusagen vorzeigen, wie man schneidig ungarische Folklore tanzt: mit seinen knapp neun Jahren beherrschte der talentierte Bub bereits die schwierigen Schrittfolgen;  präsentierte sich gemeinsam mit seinen erwachsenen Kollegen gekonnt mit stolzer Haltung. 

Das abgerundete und vielfältige Programm bot Ballett vom Feinsten. Ein äußerst sehenswerter Abend, umsichtig musikalisch (bis auf einige Tonzuspielungen) begleitet vom Orchester unter Imre Kollár. Durch das Programm führte Szilvia Becze. Großer Jubel und viel  Begeisterung beim Publikum vom Anfang bis zum Schlussapplaus!

Ira Werbowsky

 

 

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