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BUDAPEST/ Erkel-Theater: „LAURENCIA“. – Theateröffnung und Stream: das Ballett tanzt wieder vor Publikum!

06.06.2021 | Ballett/Tanz

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Verlieben sich ineinander: Aliya Tanykpayeva (Laurencia) und Dmitry Timofeev (Frondoso) ©Valter Berecz.

Budapest/ Erkel Theater

5.6.2021: „LAURENCIA“. – Theateröffnung und Stream: das Ballett tanzt wieder vor Publikum!

Die Theater haben auch in Budapest wieder für eine beschränkte Anzahl an Besuchern geöffnet und auch das Ungarische Nationalballett zeigt sich mit einer ersten Aufführung seit September: „Laurencia“ hatte im Vorjahr Anfang März Premiere und kehrt nun auf die Bühne vom Erkel Theater zurück. In der theaterlosen Zeit hatte die Ungarische Staatsoper für jeden Samstag von Jänner bis Juni gestreamte Vorstellungen im Angebot. Auch diese Ballettproduktion war darunter – in diesem Fall als live-Übertragung (inklusive 20 Minuten Pause) aus dem Erkel Theater. Man sitzt also gleichsam mittendrin und doch daheim, hört die vertraute Ansage (auf Ungarisch und Englisch) das Mobilphone abzuschalten und das Fotografierverbot zu beachten Und dann spielt das Orchester, hebt sich der Vorhang und das Ballett tanzt.

„Laurencia“ ist ein selten aufgeführtes Handlungsballett, das auf ein Werk von Lope de Vegas zurückgeht. Im Dorf Fuente Ovejuna kämpft das Volk gegen die willkürlichen Übergriffe der Obrigkeit, lehnt sich gegen den Kommandante auf. In einem mit Heugabeln, Sicheln und Äxten ausgetragenen Aufstand werden die brutalen Schergen des Commander überwältigt, der verhasste Despot vernichtet und das Liebespaar Laurencia und Frondoso wieder vereint.

Michael Messerer schuf eine theatralische Version, die auf  dem Original von Vakhtang Chabukiani basiert, der in seinen Werken nicht nur die Position des männlichen Tänzers stärkte, sondern auch Charaktertanzelemente mit klassischem Ballett verband. Das zweiaktige Ballett wurde 1939 im Kirov Theater in Leningrad uraufgeführt und gilt als „Choreodrama“, weil nicht nur Pantomime, sondern der Tanz als dramatisches Ausdrucksmittel eingesetzt wurde. Es geht um die Auflehnung des Volkes gegen seinen Herrscher; im Kampf um die Freiheit siegt die Liebe. Die Musik enthält viele feurige spanische Rhythmen und stammt von Alexander Krein. Das imposante Bühnenbild zu diesem Handlungsballett stammt von István Rózsa und geht auf die Originalentwürfe von Vadin Ryndin zurück; ebenso die opulenten und farbenprächtigen Kostüme von Nóra Rományi.  Mittels Videotechnik bilden Einspielungen des Aufstandes im Stil eines monumentalen kolorierten Stummfilms zur Zwischenaktmusik ein lebendiges Bild des Sturms auf das Schloss.  

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Fröhliche Hochzeitsfeier: in der Mitte: Aliya Tanykpayeva (Laurencia) und Dmitry Timofeev (Frondoso). ©Valter Berecz.

Neben dem viel eingesetzten und sehr spielfreudigen Corps de ballet wird die actionreiche Handlung vor allem von den beiden Liebespaaren getragen. In der Titelrolle brilliert Aliya Tanykpayeva. Zarte Mädchenhaftigkeit kontrastiert bei ihr mit starker Entschlusskraft, den Aufstand anzuführen um den Geliebten zu befreien und die Unterdrückung der  Dorfbevölkerung zu beenden. Ausdruckstarkes Spiel und feine Technik ergänzen ihre glanzvollen Auftritte als Laurencia. Dmitry Timofeev ist der gutausende Frondoso, der Laurencias Herz erringt und sich mutig der Garde des Tyrannen entgegenstellt um die Geliebte zu beschützen. Er ist ein eleganter Tänzer mit schöner Strahlkraft. Ein sehr präsentes Hauptpaar. Miyu Takamori gefällt als Pascuala, deren Herz dem Musikanten Mengo gehört und die sich als Laurencias Freundin ebenso tapfer dem Aufstand anschließt. Ebenfalls überzeugend ist Ievgen Lagunov als Mengo sowie Ellina Pokhodnykh als gepeinigte Jacinta. Mikalai Radziush verkörpert den brutalen und despotischen Commander. 

Balázs Kocsár leitete diesmal das Orchester, das mit viel Elan spielte. 

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Kämpferisch: Aliya Tanykpayeva (Laurencia) als Anführerin des Aufstands. ©Valter Berecz.

Viel Applaus, auch immer wieder zwischendurch bei den vielen Variationen – das Publikum ist begeistert und die Tänzer strahlen große Freude aus, wieder auf der Bühne sein zu können.

Im Anschluss an die Vorstellung wurden von Ballettdirektor Tamás Solymosi Auszeichnungen an die besten Tänzer der vergangenen Saison verliehen: jedes Jahr werden von der Association of Hungarian Dancers Awards in verschiedenen Kategorien vergeben. Wegen der Pandemie konnten an diesem Abend erst die Preise für die Spielzeit 2019/20  überreicht werden: in der Kategorie klassisches Ballett wurden Dóra Szelényi als beste Graduate,  Gaetano Cottonare als bester Newcomer und Balázs Majoros für den besten männlichen Tänzer im klassischen Ballett ausgezeichnet. Weitere wurde erwähnt, dass Miklós Dávid Kerényi seinen Memorial Award im Hungarian Heritage House von der Zoltán Nagy Jr. Foundation überreicht bekommen hatte. Viel Beifall für die Geehrten aus den Reiehen des Ungarischen Nationalballetts für diese herausragenden Leistungen beschloss den erfolgreichen Abend. 

Ira Werbowsky

 

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